Die Tollkirsche in der Pharmazie
 
Einst Hexenkraut, heute noch Heilmittel
 
Die Schwarze Tollkirsche ist die klassische Gift- und Hexenpflanze Mitteleuropas, sie wird aber nach wie vor in der Pharmazie angewendet.

Tollkirsche (Atropa belladonna)
Foto: F.Biba
Sie wächst gern am Waldrand und hat schwarze kirschgroße Beeren, die einzeln stehen und einen »Blattkragen« tragen. Ohne Behandlung gelten bereits 3–5 Beeren für Kinder und 10-20 Beeren für Erwachsene als tödlich. Im Verdachtsfall (Symptome: Rötung des Gesichts, Mundtrockenheit, beschleunigter Puls und Pupillenerweiterung) sollte möglichst rasch Erbrechen ausgelöst werden, für eine Magenspülung ist wegen der Trockenheit der Schleimhäute ein gut geölter Schlauch zu verwenden. Als Antidote können Physostigmin und Pilocarpin gegeben werden.

Die Tollkirsche (Atropa belladonna) hat ihren lateinischen Gattungsnamen von der griechischen Göttin Atropos, sie ist eine der drei Schicksalsgöttinnen, und zwar diejenige, die den Lebensfaden abschneidet. Hingegen verrät der Artname "bella donna" (schöne Frau), dass der Saft der Frucht einst von Frauen verwendet wurde. Die Pupillen erweiternde und Wangen rötende Wirkung galt während der Renaissance als besonders schön.

    Früher galt die Tollkirsche als Zauberpflanze, der magische Kräfte zugeschrieben wurden. Doch auch heute noch finden ihre Inhaltsstoffe Verwendung. In homöopathischer Verdünnung kann die Tollkirsche, auch "Belladonna" genannt, bei Fieber helfen, vor allem wenn das Gesicht glüht und man rote Backen hat. Sie erleichtert außerdem die Atmung bei Asthma und krampfartigem Husten. Auch bei anderen Krämpfen und Neuralgien kann Belladonna helfen. Das reine Atropin, das in der Tollkirsche enthalten ist, wird u. a. in der Augenheilkunde verwendet (starke Pupillenerweiterung), gegen Parkinsonismus, gegen Bronchialasthma (Verringerung der Sekretion), zur Beruhigung der glatten Muskulatur (krampflösend), als wichtiges Gegengift bei Muscarinvergiftungen (z.B. Fliegenpilz-Vergiftung) sowie bei Blei-, Barium- u. Digitalis-Vergiftungen. In der Notfallmedizin wird Atropin bei Vergiftungen durch Chemiewaffen aus der Gruppe der Nervenkampfstoffe (z.B. Sarin) eingesetzt. Diese Giftstoffe hemmen ein Enzym (Acetylcholinesterase), das für die Weiterleitung von Nervensignalen im Gehirn und den Muskeln notwendig ist. Um dem entgegen zu wirken ist die Gabe von Atropin nötig, das die Nervenkampfstoffe von den Acetylcholinrezeptoren verdrängt und selbst an die Rezeptoren bindet, ohne jedoch einen Reiz dabei auszulösen oder weiterzuleiten.



    TV-Apothekerin Mag.pharm. Sonja Wurst in der Sendung Sommerzeit am 5.9.2012 um 17:40 Uhr im ORF 2.
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    TV-Bericht: Die Tollkirsche - Hexenkraut und Heilmittel
    Die Tollkirsche ist die klassische Gift- und Hexenpflanze Mitteleuropas, wird aber nach wie vor in der Pharmazie angewendet. In homöopathischer Verdünnung kann die Tollkirsche, auch "Belladonna" genannt, bei Fieber helfen, vor allem wenn das Gesicht glüht und man rote Backen hat. Sie erleichtert außerdem die Atmung bei Asthma und krampfartigem Husten. Auch bei anderen Krämpfen und Neuralgien kann Belladonna helfen. Das reine Atropin, das in der Tollkirsche enthalten ist, wird in der Notfallmedizin gegen Chemiewaffen eingesetzt.

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