Marzipan: Interessantes - Wissenswertes - Kurioses
 
Als Apotheker noch Confectiones herstellten
 
Die Idee, aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser ein wohlschmeckendes Marzipan herzustellen, stammt wahrscheinlich aus dem vorderen Orient. Dort wuchsen Mandeln und Rohrzucker, auch Rosenwasser war bekannt.
Da der Handel und die Verarbeitung von Gewürzen und Essenzen zu den Aufgaben der Apotheker gehörte, ist es verständlich, dass Marzipan bis ins 18. Jahrhundert in Apotheken als "Pasta regia seu panis Marcius" hergestellt und sogar als stärkende Arznei (als Herzzucker oder Kraftbrot bezeichnet) verwendet wurde.

Bild links:
Offizin einer Apotheke im 18. Jhd (Abbildung aus: "Aus pharmazeutischer Vorzeit in Bild und Wort" H. Peters; 1910)

Pasta regia seu panis Marcius
Aus dem Arzneibuch, nach welchem sich die Apotheker bei der Herstellung der Arzneien zu richten hatten, stammt die Rezeptur für "Pasta regia", bei uns besser bekannt als Marzipan. Wie heute noch wurde dieses Marzipan aus Süßmandeln, Zucker und Rosenwasser bereitet
Neben Marzipan mischten Apotheker damals weitere "Confectiones", diese Bezeichnung geht auf „Confectum“ zurück, bei den Römern ein Begriff für alles Zubereitete. In der Apotheke verstand man darunter Zubereitungen von Pulvern mit Honig, Wein, Zucker, Sirup oder ausgepressten Säften, die als Arzneien verwendet wurden. Den „Sirup“ - ein mit Zucker eingedickter Pflanzensaft - kannten bereits die Araber. Da Zucker sehr teuer war, war Sirup ebenfalls ein sehr kostbares Basismittel für Arzneien.
Erst als es Anfang des 19. Jahrhunderts gelang, Zucker aus Zuckerrüben herzustellen, wurde Marzipan als edle Nascherei beim „Zuckerbäcker“ erschwinglich. Und aus den „Confectiones“ wurde das „Konfekt“.

Rosenwasser hat sich als "Aqua rosae" übrigens bis heute in den Apotheken gehalten und wird dort immer noch nach alten Vorschriften zubereitet. Siehe Willkommen-Österreich-Apothekerin in der TV Sendung:
Beitrag als Video abspielen
(Windows Media-Audio-/Videodatei 340 KBits/s)

"Marzipan-Allergie" ?
Pollenallergiker können auch auf Marzipan allergische Reaktionen bekommen. Verantwortlich dafür sind so genannte Kreuzallergien: Die Pollenallergene gleichen in ihrer Struktur bestimmen Eiweißen in Nahrungsmitteln. Ist das Immunsystem auf eine Pollenart sensibilisiert, reagiert es auch beim Kontakt mit strukturähnlichem Eiweiß anderer Pflanzen. Kreuzallergien können bei Erlen-, Birken- und Haselpollen-Allergikern durch den Verzehr von Mandeln (im Marzipan enthalten), Hasel- oder Walnüssen und Nougat entstehen.

Kurios: Kein Marzipan im Fluggepäck!
Marzipan kann angeblich von Materialscannern, die auf Flughäfen zur Kontrolle vom Handgepäck eingesetzt werden, nicht oder nur schlecht vom Plastiksprengstoff unterschieden werden. Daher sollte der Transport von Marzipan im Personenflugverkehr zwecks schnellerer Abwicklung am Flughafen vermieden werden.