Drogen: Abhängigkeit, Sucht und Therapie
 
Die Ursachen für Sucht und Abhängigkeit sind vielfältig
 
Heute verkürzen viele Menschen ihre Lebenserwartung: Sie trinken zuviel Alkohol, rauchen stark, nehmen missbräuchlich Medikamente oder Rauschmittel, sogenannte Drogen.

Ursprünglich verstand man unter Drogen pflanzliche Stoffe, die eine Wirkung auf den Menschen haben, wie etwa Heilkräuter. Daher der Ausdruck "Drogerie". Heute versteht man darunter Stoffe, die das Erleben, die Befindlichkeit und Wahrnehmung beeinflussen, also munter machen oder beruhigen, die Angst nehmen, den Schlaf fördern, das Wohlbefinden steigern, Schmerzen betäuben, die Leistungsfähigkeit steigern: dazu gehören etwa Alkohol, Opiate, Kokain, Kaffee, Tabak und verschiedene Gruppen von Medikamenten.

In nahezu jeder Kultur, in jeder Epoche wurden solche Substanzen konsumiert, wenn auch die Einnahme und Verwendung oft strengen Ritualen unterworfen war. Wie viele Dinge im Leben, sind diese Substanzen an sich weder gut noch schlecht - es kommt auf den Umgang damit an. Ein Messer kann ein Werkzeug sein, als silbernes Tafelbesteck ein Statussymbol, als Taschen- oder Fahrtenmesser der Stolz eines Pfadfinders oder ein Mordinstrument.

Und auch heute muss der Umgang mit verschiedenen potentiellen Suchtstoffen nicht in jedem Fall zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder zur Sucht führen. In unseren modernen Industriegesellschaften scheint aber die frühere kulturelle Einbettung des Drogengebrauchs einer individuellen Suche nach Betäubung gewichen zu sein. Die so entstandenen Gefahren für den Einzelnen und die Gesellschaft sind nicht zu unterschätzen und müssen sehr ernst genommen werden.

Die Gewohnheit, Probleme mit chemischen Mitteln aber auch mit bestimmten Verhaltensweisen unsichtbar zu machen, der daraus resultierende Missbrauch, können zur Dauerstrategie werden. In diesem Prozess kommt es zu einer zunehmenden Einengung und Verlust von Möglichkeiten das Leben zu gestalten und zu bewältigen.

Die Ursachen für Sucht und Abhängigkeit sind vielfältig: Frühe seelische Verletzungen in der Kindheit und Jugend, persönliche Krisen und soziale Verwerfungen, ein ungünstiges Umfeld und besondere negative Erlebnisse können zur Sucht führen. Ob und zu welchem Suchtmittel ein Mensch greift, hängt maßgeblich von den Vorbildern ab, die ihn umgeben: Wenn wir allerdings von Sucht und Abhängigkeit sprechen, so muss betont werden, dass das Suchtproblem in Österreich weder an Illegale Drogen noch an die sogenannte Jugend gebunden ist. Für Österreich schätzt man 30.000 Abhängige von sogenannten "harten" illegalen Drogen (Heroin und Kokain), 150.000 Medikamentenabhängige (meist Frauen) und 350.000 Alkoholabhängige (meist Männer). Die Kosten zur Behandlung der Sucht und der häufigen Folgeerkrankungen gehen in die Milliarden, insgesamt schätzt die WHO die gesellschaftlichen Kosten allein des Alkoholmissbrauchs auf 5-6 % des Bruttosozialproduktes eines Landes.

Apotheker - auch für Drogenkranke da

Drogenkranke bekommen in der Apotheke Ersatzmedikamente - eine oft schwierige Aufgabe für die Apotheker.

Die Gesellschaft muss mit der Tatsache leben und umgehen, dass es Drogenkranke gibt. Einen wesentlichen Beitrag zur Betreuung der Drogenkranken leisten Apotheker, indem sie die verschriebenen Ersatzmedikamente abgeben und für deren kontrollierte Einnahme sorgen. Wenn ein Drogenkranker mit der Dauerverschreibung des Arztes in die Apotheke kommt, muss der Apotheker dafür sorgen, dass die Einnahme unter seiner Aufsicht erfolgt. Das ist oft nicht einfach. In den Apotheken können Drogenkranke auch sterile Spritzen bekommen. Manche Apotheken betreuen bis zu 100 Drogensüchtige.

Entzug und Heilung von der Sucht gelingt zwar nur selten. Doch schon die konsequente Einnahme von Ersatzmedikamenten ist ein Erfolg. Manchen Drogenkranken wird dadurch die Rückkehr in eine annähernd normale Existenz, zu Arbeit und sozialem Leben möglich. Deshalb gibt es das Drogenersatzprogramm, das von der Krankenkasse bezahlt wird. Damit sollen die Süchtigen auch von der Straße geholt und von der Beschaffungskriminalität fern gehalten werden. Für einige ebnet das schließlich doch den Weg zur Heilung.

Eine bei der Substanzen, die bei der Substitutionstherapie verwendet werden, ist das Methadon. Es wird in Wasser gelöst und schmeckt sehr bitter. Deshalb wird es in der Apotheke üblicherweise mit Sirup vermischt. Der Sirup soll außerdem verhindern, dass sich die Kranken das Methadon spritzen anstatt es zu schlucken. Beim Spritzen tritt die Wirkung nämlich schneller und massiver ein. Die hohe Konzentration an Zucker ist aber ausgesprochen schlecht für die Venen.

Das Drogensubstitutionsprogramm in der Apotheke hat noch eine andere Seite: der tägliche Besuch in der Apotheke bekommt für einige Süchtige auch eine gewisse soziale Funktion.

Alkohol, Medikamente, Nikotin, Spielsucht oder illegale Drogen - um den Kreislauf der Abhängigkeit zu durchbrechen, kann professionelle Unterstützung wertvolle Hilfe leisten. Nähere Informationen geben die Drogen-Beratungsstellen sowie das Anton Proksch Institut, 1230 Kalksburg, Mackgasse 7-11.