Pharmazentralnummer und Strichcode
 
Einheitliche Artikelnummerierung auch in der Apotheke
 
Ohne uns dessen bewusst zu werden, wir leben im Zeitalter der Nummernsysteme. Ohne Zahlenkombination ist eine Identifizierung nicht vorstellbar, gleichgültig ob es sich um eine Telefon- oder Telefaxnummer, die Postleitzahl, Bankleitzahl und Kontonummer, Steuernummer, Betriebsnummer, Versicherungsnummer, Kreditkartennummer, Autonummer usw. handelt. Auch Industrie und Handel sind von identifizierenden Nummern verschiedenster Art nicht verschont geblieben, wie Kundennummern, Rechnungsnummern und Artikelnummern zeigen.

Die Pharmazentralnummer
In den Österreichischen Apotheken wurde im Jahr 1971 die Pharmazentralnummer eingeführt, eine siebenstellige Nummer, die für jedes Arzneimittel und auch sonstige apothekenübliche Produkte festgelegt ist. Sechs Stellen dienen der Artikelidentifizierung, die siebente Stelle hat die Funktion einer Prüfziffer nach Modulo 11.

Link: Wer vergibt die Pharmazentralnummer in Österreich

Die Prüfziffer
Mit Hilfe der Prüfziffer wird bei der elektronischen Bestellübermittlung an den Großhandel geprüft, ob die Pharmazentralnummer richtig übertragen wurde, womit Fehllieferungen aus diesem Grunde ausgeschlossen werden. Beim Eintasten auf der Tastatur oder eines Computers auftretende Tippfehler fallen sofort auf, da dann die Prüfziffer nicht mehr stimmt.

Das Modulo -11-Verfahren
Im sogenannten Modulo-11-Verfahren werden zuerst die einzelnen Ziffern von links nach rechts mit den Zahlen 2 - 7 multipliziert, die errechneten Produkte addiert und die Summe durch 11 dividiert. Der Rest der Division ist die Prü ;fziffer. Ist der Rest und somit die Prüfziffer 10, darf diese Zahl als Pharmazentralnummer nicht verwendet werden.
Mit den Pharmazentralnummern wurden die Lochkärtchen für das Apothekenbestellsystem codiert, der Österreichische Apothekerverlag hat die Pharmazentralnummer in die Preislisten aufgenommen und damit ist auch eine einheitliche Verständigung in der Pharmawirtschaft mit einer Artikelidentifizierung gegeben.

Der Strichcode
Für die Apotheke ist der Strichcode (auch Balken- oder Barcode genannt) eine wesentliche Hilfe bei der Rezeptverrechnung und der Lagerhaltung mittels der POS-Methode. Es werden die Daten direkt am „point of sale“, d.h. zum Zeitpunkt des Verkaufs, erfasst. Von einem Scanner (engl. to scan = abtasten) werden die unterschiedlich breiten und hellen Zwischenräume und dunklen Balken des Codes abgetastet und in Impulse umgesetzt. Nach dem Einlesen des Codes werden alle Daten, die dem Artikel zugeordnet sind, vom Computer abgerufen.
Zur Strichcodierung von Arzneimitteln wird in Österreich der sog. PZN-EAN-Code (Strichcode des Typs 'EAN-13') verwendet.


Der EAN-13 Code
Der EAN-13 Code besteht aus insgesamt 13 Ziffern, wobei die ersten 2-3 Ziffern für das Länderkennzeichen, die nächsten 4 - 5 Ziffern für die EAN-Betriebsnummer (bbn), und die folgenden 5 Ziffern für die individuelle Artikelnummer der Herstellers stehen. Die letzte Stelle ist die Prüfziffer.

Länderkennzeichen:

00 - 09USA und Kanada
20 - 29interne Numerierung
30 - 37Frankreich
40 - 43Bundesrepublik Deutschland
49Japan
50Großbritannien
54Belgien
57Dänemark
599Ungarn
600Südafrika
64Finnland
70Norwegen
729Israel
73Schweden
76Schweiz
80 - 81Italien
84Spanien
87Niederlande
90 - 91Österreich
93Australien
94Neuseeland

Betriebsnummer
Die Ziffern 3 - 7 bilden die Hersteller- oder Betriebsnummer, kurz bbn (bundeseinheitliche Betriebsnummer) genannt. Die Betriebsnummer für österreichische Erzeuger wird von der zentralen Vergabestelle des Wirtschaftsförderungsinstituts der Bundeswirtschaftskammer vergeben.
Bei Ländern, die eine dreistellige Landeskennzahl haben, ist die Betriebsnummer nur vierstellig.

Artikelnummer
Die Ziffern 8 bis 12 geben die Artikelnummer des Herstellers an. Diese Nummer wird vom Hersteller selbst gewählt, er hat also die Möglichkeit, 100.000 Artikel zu nummerieren (Artikelnummer 00 000 bis 99 999). Reicht dies nicht aus, kann der Hersteller eine zusätzliche bbn beantragen. Dadurch stehen ihm weitere 100.000 Artikelnummern zur Verfügung.

Prüfziffer
Die letzte Ziffer bildet die Prüfziffer. Ähnlich wie bei der Pharmazentralnummer wird diese Prüfziffer nach einem bestimmten Verfahren, das hier allerdings etwas komplizierter ist (Modulo 10-Verfahren), berechnet. Die Prüfziffer hat unter anderem die Aufgabe, eventuell durch das Lesegerät auftretende Fehler beim Einscannen des Strichcodes zu erkennen.

Der EAN-Strichcode
Ein wichtiger Bestandteil des EAN-Systems ist die graphische Umsetzung der europäischen Artikelnummer in ein Symbol (Strichcode), das sich hervorragend für die optische Erfassung eignet. Der EAN-Strichcode eignet sich für alle Druckarten (auch EDV Ausdrucke wie Tintenstrahl-, Laser- und Thermodruck usw.) und kann auf Materialien wie Papier, Karton, Kunststoffe, Folien, Glas und Blech aufgebracht werden. Der Code kann lage- und richtungsunabhängig auf Distanzen bis zu 15 cm abgelesen werden. Auch bewegliche Lesestifte können zum Einsatz kommen. Der Code ist unempfindlich gegen mechanische Einflüsse wie Kratzer, Scheuerstellen etc. Die besonders hohe Lesesicherheit wird dadurch kaum beeinträchtigt. Nicht zuletzt diese Fakten führten zum beispiellosen, weltweiten Erfolg des EAN-Systems.

Das EAN-Symbol besteht aus einer Serie von parallelen dunklen und hellen Balken, darunter steht in OCR-B-Schrift die europäische Artikelnummer (EAN). Diese OCR-B-Ziffernzeile ist nicht für die maschinelle Lesung vorgesehen. Das Symbol besteht aus zwei Hälften mit jeweils 6 Zeichen, sowie einem Randzeichen und einem Mittelzeichen. Die 13.Stelle (Prü fziffer) ist durch eine zusätzliche Verschlüsselung in der linken Symbolhälfte dargestellt. Man unterscheidet rechtsbündige Zeichen (haben auf der rechten Seite den Randbalken) und linksbündige Zeichen.

Der EAN-Code auf der Arzneimittelpackung
Zur Strichcodierung von Arzneimitteln wird in Österreich der sog. PZN-EAN-Code (Strichcode des Typs 'EAN-13') verwendet.

Der PZN-EAN-Code hat folgenden Aufbau:

90 8888 xxxxxx y90Länderkennzahl 'Österreich'
8888Kennung 'ARGE Pharma'
xxxxxxPharmazentralnummer des Produkts (erste 6 Stellen)
yEAN-13 - Prüfziffer

Beispiel:

Pharmazentralnummer des Produkts
    2444238
Zugehöriger PZN-EAN-Code
    9088882444236

Wie in diesem Beispiel ersichtlich ist, muss die
Prüfziffer der Pharmazentralnummer (im konkreten Fall '8') nicht mit jener der EAN-13 (im konkreten Fall '6') übereinstimmen.

Mit der bislang verwendeten EAN-Nummer des Strichcodes wird lediglich die Art des Artikels identifiziert, nicht aber jedes einzelne Produkt. Als Ausblick soll daher eine Technologie vorgestellt werden, die in verschiedenen Branchen heute schon erfolgreich eingesetzt wird, und die in einigen Ländern auch schon zur Kennzeichnung von Arzneimitteln verwendet wird: Kommt die RFID-Technologie auch in Apotheken? [weiter]