Arzneiformen: Pille, Kapsel, Inhalator
 
Oft gibt es verschiedene Darreichungsformen von ein und demselben Wirkstoff.
 
Weil Menschen und Krankheiten so verschieden sind, gibt es auch so viele verschiedene Arzneimittel und Arzneimittelformen. Die Anwendung ist nicht immer einfach: Auch in Ihrer Apotheke sagt man Ihnen, wie es funktioniert.

Oft gibt es verschiedene Darreichungsformen von ein und demselben Wirkstoff. Er kann in Tabletten, Kapseln, Zäpfchen, Tropfen oder noch anders „verpackt“ sein. Abgesehen von der Dosis hat nämlich auch die „Darreichungsform“ einen großen Einfluss auf die Wirkung eines Arzneimittels. Zäpfchen zum Beispiel haben den Vorteil, dass der Wirkstoff rascher ins Blut gelangt. Die Schleimhaut des Darms lässt ihn schneller passieren als der Magen. Außerdem lauern im Darm keine aggressiven Verdauungsenzyme oder gar Magensäure. Die Vielfalt der Darreichungsformen macht es für Arzt und Apotheker leichter, ein für den jeweiligen Patienten passendes Präparat zu finden.

Ein Beispiel: die Acetylsalicylsäure (ASS), ein schmerzstillender und entzündungshemmender Arzneistoff, der gegen Kopfweh und andere Schmerzen sowie gegen Fieber wirkt, aber auch zur Vorbeugung von Herzinfarkt geeignet ist. Im Prinzip kann man für alle diese Anwendungsgebiete eine Tablette schlucken. Wenn man aber einen empfindlichen Magen hat, ist das weniger günstig. Für diesen Fall empfehlen sich besonders magenverträgliche Präparate mit einem Überzug, der sich erst im Darm auflöst. Soll die Wirkung besonders rasch eintreten wie zum Beispiel bei plötzlichen Kopfschmerzen, nimmt man am besten Brausetabletten. Dabei wird der Wirkstoff schon gelöst aufgenommen und gelangt rascher ins Blut. Für unterwegs gibt es Kautabletten. "Pille" ist übrigens auch die Bezeichnung für eine Arzneiform, Pillen wurden früher händisch in der Apotheke angefertigt ("gedreht"). Diese kugeligen Arzneizubereitungen sind heute veraltet. Der Ausdruck "Pille" wird nun in der Umgangssprache für orale Verhütungsmittel, manchmal aber auch für andere überzogene Tabletten (Dragees) verwendet.

In verschiedenen Präparaten können auch verschiedene Hilfsstoffe wie Farb- und Konservierungsmittel enthalten sein. Wer das eine oder andere nicht verträgt, hat durch die Vielfalt der Arzneimittelformen die Möglichkeit, auf ein anderes Präparat auszuweichen.

Schließlich werden immer neue Darreichungsformen entwickelt. Es gibt Medikamente auch als Pflaster, Nasenspray oder im Inhalator oder Dosieraerosol. Damit das Arzneimittel richtig wirkt, muss man sich genau an die Einnahmehinweise halten. Das erfordert mitunter einige Übung und erzeugt Erklärungsbedarf. Dem kommt man in Ihrer Apotheke gerne entgegen.

Moderne Arzneiformen

Neue Arzneiformen werden entwickelt, um Fehler bei der Dosierung und Einnahme zu verringern, die Anwendung patientenfreundlicher zu machen und damit mehr Therapietreue (Compliance) zu erreichen. Neue Arzneiformen sind in ihrer Anwendung einfacher, sicherer, und sparen dadurch Kosten ein. Viele der neue Arzneistoffe könnten in herkömmlichen Arzneiformen gar nicht angewendet werden.

Sublingualtabletten

Sublingualtabletten sind rasch lösliche Tabletten, die unter oder auf die Zunge gelegt werden. Gegen starkes Erbrechen bei einer Chemotherapie gibt es den antiemetischen Wirkstoff in gefriergetrockneter Form. Die Tablette zerfällt sofort auf der Zunge und kommt gelöst in den Magen ohne große Flüssigkeitsmenge, wie bei einer Brausetablette.

Pflaster oder Transdermal-Therapeutisches-System

Beim Pflaster oder Transdermal- Therapeutischen- System sind die Arzneistoffe wie in einem Sandwich verpackt. Der Wirkstoff gelangt über die Haut in den Körper und nicht über den Magen-Darmtrakt. Durch den speziellen Schichtaufbau ist eine gleichbleibende Wirkstoffabgabe gegeben. Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Nicht alle Hautstellen sind gleich durchlässig und nicht alle Arzneistoffe geeignet über die Haut aufgenommen zu werden. Die Pflaster dürfen nur an die vom Hersteller empfohlenen Stellen geklebt werden.

Pflaster dürfen keinesfalls an Stellen geklebt werden, die stark in Bewegung sind z.B. Oberarm- oder Beinmuskeln oder auf behaarte Hautstellen. Auch ein Vorbehandeln der Haut mit Alkohol oder Desinfektionsmittel verändert die Durchlässigkeit für den Arzneistoff.

Schmerzpflaster haben den Vorteil für den Patienten, dass er nur alle 72h Stunden an die "Einnahme" des Schmerzmittels denken muss. Hormonpflaster– sowohl für Frauen, als auch für Männer - oder Nikotinpflaster zur Raucherentwöhnung sind weitere Anwendungsgebiete.

Siehe auch unter: Pflaster werden die Spritze ersetzen

Nasalsprays

Nasalsprays werden rasch über die Nasenschleimhaut aufgenommen und die Wirkung des Arzneimittels kann sofort eintreten. Der Wirkstoff gelangt direkt in die Blutbahn ohne vorher im Magen- Darmtrakt verändert oder zerstört zu werden.

Anwendungsgebiete der Nasalsprays sind Osteoporosebehandlung mit Calcitonin, Migränebehandlung oder Hormonbehandlung beim Bettnässen.

Besonders reizende Arzneistoffe oder Arzneistoffe, die schwer löslich sind, können diesen Weg nicht nehmen. Nasalsprays sind auch für Kinder geeignet.

Zur hormonellen Behandlung des Bettnässens werden Nasalsprays eingesetzt. Da der Arzneistoff nicht in den Rachen abrinnt, kann die gesamte Menge Arzneimittel genau dosiert aufgenommen werden.

Inhalatoren

In der Asthmatherapie werden mit Hilfe von Inhalatoren Arzneistoffe direkt in die Lungengefäße eingebracht.

Die Arzneistoffteilchen müssen eine bestimmte Größe haben, damit sie überhaupt dorthin gelangen können. Wasserdampftropfen z. B. kommen gerade bis in den Rachen. Lange Zeit, mangels einer besseren Möglichkeit, wurden die Arzneistoffe mit Treibgas versetzt und als Suspension eingeatmet. Die Dosis war je nach Technik (Schütteln, Auslösen, Körperhaltung ) sehr unterschiedlich. Bei den neuen Inhalatoren wird die Pulvermenge genau dosiert und durch den eigenen Atemzug gesteuert inhaliert. Durch den Wegfall des gleichzeitigen Auslösens des Sprühstoßes und Einatmens ist die Anwendung einfacher geworden. Die Patienten sparen durch die genaue Dosierung Arzneimittel ein. Das ist besonders bei den "sogenannten" Entzündungshemmern – den Cortisonen von Bedeutung.

Pens

Die wichtigste Anwendung von Pens ist der Insulintherapie. Pens sind stets spritzfertig und es ist kein mühsames Aufziehen mehr notwendig.

Die Anzahl der Spritzutensilien ist deutlich reduziert. Mit einem Pen ist das Spritzen einfacher geworden und es gibt wesentlich weniger Dosierungsfehler beim Ablesen der Insulinmenge. Weiters sind feinere Nadeln im Eisatz, was das Stechen weniger schmerzhaft macht. In den Patronen der Pens ist bei gleicher Insulinmenge weniger Flüssigkeit und auch das schont das Gewebe rund um die Einstichstelle.

Weiters sind Pens in der Migränetherapie im Einsatz. Auch die Thromboseprophylaxe kann selbständig durch tägliche Selbstinjektion mittels Pen zu Hause durchgeführt werden.

Das Eryhtropoetin zur Blutbildverbesserung nach einer Chemotherapie kann ebenfalls durch die Einführung der Pens zu Hause und ohne zusätzliche Hilfe gespritzt werden.