Geheimnisvolle Viren
 
Was ist eigentlich ein Virus und wie unterscheidet es sich von anderen Krankheitserregern?
 
Sasser, Ebola, ILOVEYOU, BSE, Anthrax, Pocken, SARS. Nicht alle der genannten Begriffe bezeichnen Viren im medizinischen Sinne (BSE ist ein Prion, Anthrax ein Bakterium, ILOVEYOU und Sasser sind Computerprogramme), aber alle verweisen auf geheimnisvolle Infektionen. Virus ist heute längst ein Begriff mit vielen Bedeutungen, er ist zu einer Metapher geworden, die nicht nur den Cyberspace erobert hat, von Kunst und Philosophie aufgegriffen wird, sondern auch unser Alltags-Denken bestimmt.

Was macht Viren so geheimnisvoll?

  • Viren nisten sich unbemerkt in den Wirtsorganismus ein.
  • Viren codieren fremde „Betriebs“-systeme zu eigenen Zwecken um und unterlaufen Schutzmechanismen.
  • Viren mutieren und entziehen sich damit häufig erfolgreich den gegen sie gerichteten Maßnahmen.
  • Viren präsentieren sich mit der Minimalausstattung reiner „Informationspakete“.
  • Viren markieren ein Prinzip mit eigenen Regeln und eigener Logik.
  • Viren sind Wesen von unklarem Status, nicht lebendig und auch nicht tot.

Aber was ist eigentlich ein Virus? Was unterscheidet es von anderen Krankheitserregern?
Der Begriff "Virus" (vom lateinischen virus* "Schleim, Saft, Gift") wurde erstmals von Cornelius Aulus Celsus im ersten Jahrhundert vor Christus verwendet. Er wollte damit ausdrücken, dass Krankheiten, in diesem Fall die Tollwut, durch ein "Gift" übertragen wurden. Bis zum 17. Jahrhundert wurde dieser Begriff für alle übertragenen Krankheiten benützt. Eine Unterscheidung zwischen Bakterien und Viren gab es nicht. Im 17. Jahrhundert wurde das Lichtmikroskop erfunden. Seither wurden nur noch Erreger, die nicht im Lichtmikroskop sichtbar waren (also < 200nm), als Virus bezeichnet. Als schließlich 1892 der russische Mikrobiologe Dmitri Iwanowski herausfand, dass der Saft mosaikkranker Tabakblätter auch dann noch ansteckend wirkte, wenn er durch einen Porzellanfilter filtriert wurde, galt die Filtrierbarkeit als wichtigstes Merkmal zur Bestimmung eines Virus – in Abgrenzung etwa zu Bakterien oder anderen Mikroorganismen.

Viren stehen an der Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel, doch sie bilden identische Nachkommen. Man kann sie auch als Lebensformen auffassen, die sich auf das Wesentliche beschränken: sie vermehren sich und setzen sich gegen konkurrierende Moleküle durch. Viren enthalten Erbmaterial (DNA oder RNA), das schützend von einer Proteinhülle umgeben ist. Viren können sich nur im Innern lebender Zellen vermehren, indem sie ihren Wirt unter ihre eigene Kontrolle bringen. Dabei leihen sich von ihm zahlreiche Funktionen aus, etwa den Proteinsyntheseapparat. Manche Viren besitzen nur ein einziges Gen, andere mehr als zweihundert Erbanlagen. Die genetische Information verleiht den Viren eine Vielzahl vorteilhafter Eigenschaften, darunter auch so manchen Trick, sich der immunologischen Abwehr zu entziehen.

Linkempfehlung:
Allgemeines über Viren in medicine worldwide www.m-ww.de/krankheiten/erreger/viren/index.html
*virus (lat., neutrum, daher auch „das Virus“) siehe Eselsbrücke zur lateinischen Grammatik:
Land, Insel, Stadt und Baum auf "-us",
stets weiblich man gebrauchen muss.
Als weiblich merk‘ dir auch humus
sächlich vulgus, virus, pelagus.