Phytopharmaka und traditionelle europäische Medizin (TEM)
 
Im Studienplan Pharmazie hat die Pharmakognosie nach wie vor einen hohen Stellenwert
 
Immer mehr Patienten vertrauen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) oder der aus Indien stammenden Ayurveda Heilkunst und vergessen, dass es auch in Europa eine Tradition gibt, die der TCM absolut gleich zu setzen ist. In der traditionellen europäischen Medizin (TEM), die mit Namen wie Hahnemann, Mayr, Aschner, Kneipp und Hippokrates verbunden wird, galt die Phytotherapie lange Zeit als wichtigste Heilkunst. In der westlichen Medizin werden über 300 Pflanzen als Arzneimittel verwendet. Dementsprechend groß ist auch das Einsatzgebiet.

Häufig zur Anwendung kommen Pflanzen in der Selbstmedikation. Unter dem Deckmantel „rein pflanzlich“ kommen aber auch Präparate in den Handel, die den wissenschaftlichen Kriterien der Phytotherapie in keiner Weise entsprechen und deren behauptete Wirkung in das Reich der Märchen und Sagen gehört. Nicht jede gemähte Wiese macht ein Phytopharmakon. „Bei Phytopharmaka handelt es sich um pflanzliche Arzneimittel, die immer als Stoffgemische angewendet werden, und die in ihrer Qualität dem Stand der Wissenschaft entsprechen“, definiert die Österreichische Gesellschaft für Phytotherapie. Wie andere Arzneimittel auch, müssen Phytopharmaka den gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit entsprechen und Zulassungsverfahren bestehen.


Aus der Bibliothek der Apothekerkammer
Phytotherapie ist ein höchst attraktives Forschungsgebiet, die Extraktcharakteristik zum Beispiel steckt immer noch voller Herausforderungen. Gerade die Mischung und das Zusammenspiel von vielen (es können Hunderte sein) Inhaltsstoffen in einem Pflanzenextrakt kann die heilende Wirkung ausmachen. Welche Wirkstoffe das im einzelnen sind, ist in vielen Fällen noch nicht geklärt.

Die moderne rationale Phytotherapie basiert auf der traditionellen europäischen Phytotherapie, erhebt aber darüber hinaus den Anspruch, neben vorhandenem Erfahrungsmaterial naturwissenschaftliche Bewertungsmaßstäbe zu verwenden und die Wirksamkeit der enthaltenen Pflanzen sowie der Zubereitungen und Kombinationen jeweils anhand von Studien belegt zu haben.

Im Studienplan Pharmazie hat die Pharmakognosie nach wie vor einen hohen Stellenwert, sodass Apothekerinnen und Apotheker eine umfassende Ausbildung über biogene Arzneimittel und damit auch über Phytopharmaka erhalten.

Abbildung oben: Das Kreütter Buch, Darin Underscheidt, Nammen und Würckung der Kreutter, Stauden, Hecken und Bäumen, sampt jhren Früchten, so in Teutschen Landen wachsen… Alles durch H. Hieronymum Bock auss langwiriger vnd gewisser erfarung beschrieben, Straßburg 1545.