Wacholder: Eine alte Heilpflanze, auch als Küchengewürz sowie zur Ginherstellung in Verwendung.
 
Als einziges der Zypressengewächse ist der gemeine Wacholder Juniperus communis in unserer Region heimisch
 
Der Wacholder (botanisch Juniperus communis) ist zweihäusig, das heißt es gibt sowohl rein männliche als auch rein weibliche Pflanzen, und nur an letztgenannten wachsen die Wachholderbeeren.

Wacholderbeeren, botanisch gesehen sind es Zapfen, brauchen zwei Jahre, um zu reifen. Erst im Jahr der Ernte verfärben sie sich blauschwarz bereift und können im Spätherbst gesammelt werden. (Fotos: F.Biba)
Der bis zu zwölf Meter hohe Wacholder ist eine charakteristische Baumart der Heidelandschaften und spielt für den Naturschutz und das Landschaftsbild eine bedeutende Rolle. Wacholder bringt aber auch Hilfe in vielerlei Form und ist bis heute aus der Apotheke, der Küche oder der Hausbar nicht mehr fortzudenken. Freilich hatte gerade der Wacholder in früheren Zeiten als Zauberbaum eine noch viel größere Bedeutung: die Zweige mit ihren stechenden Nadeln sollten Kobolde, Druden, Hexen, sogar den Teufel und alle böse Dämonen in die Flucht treiben. Mit Hilfe des Strauches konnte man Hexen und Zauberer erkennen, Wacholder gehörte zu dem "neunerlei Holz", aus dem Schemel gebaut waren, die Zauberer entlarven. Wenn die Milch gut buttern sollte, mußte man mit einem Wacholderstecken darin umrühren, damit sie nicht verhext werden konnte.

Aber auch in der antiken Medizin wurde Wacholder verwendet. Schon bei Dioskorides, dem Leibarzt Neros, kann man nachlesen: "Die Blätter des Wacholder werden.... wider der Nattern biß getrunken..." Plinius (29 - 79 n. Chr.) wußte: "Die Samenkörner sind gut bei Magen-, Lungen- und Seitenschmerzen; sie bringen Schwellungen und Erkältungen zum Abklingen, lindern die Schärfe des Hustens und bringen Geschwüre zum Stillstand. In Wein getrunken festigen sie den Leib, fördern Verdauung und Harn und sind ein Schutz- und Gegenmittel bei Vergiftungen."
Das Pflücken der reifen fleischigen Beerenzapfen (Bild links) kann aufgrund der äußerst spitzen Nadeln eine schmerzhafte Angelegenheit werden.

Wacholder ist ein wichtiges Gewürz, besonders in den Alpenländern, z.B. für die Herstellung von Sauerkraut. Dazu wird frisch geerntetes Kraut mit Gewürzen (Wacholder, Kümmel und optional einigen Lorbeerblättern) einer Milchsäuregärung unterzogen und dadurch haltbar gemacht.
Der Name Wacholder ist im ersten Wortteil auf das althochdeutsche wehal oder wechal zurückzuführen, was lebendig, munter bedeutet. Der zweite Wortteil bedeutet Baum, Strauch (vergleiche engl. tree). Wacholder heißt also munterer, lebensfrischer Baum, wohl wegen seiner immergrünen Blätter. Im Mittelhochdeutschen nannte man diesen Strauch Queckolder (queck = lebendig, munter; heute noch gebräuchlich in quicklebendig). In volkstümlichen Bezeichnungen werden beide Namen abgeändert zu Wäckholder (Eifel), Weckolder (Schwaben), Queckholder (Elsaß), Wachandel (Norddeutschland). In Süddeutschland und Österreich ist auch der Name Kranewitt als Bezeichnung für den Wacholder üblich, daraus abgeleitet der Name Krametsvogel für die Wacholderdrossel. Auch in Ortsnamen - Kronabitten bei Innsbruck, Kramsach im Inntal, Kranzach in Oberbayern - findet man den Kranewitt wieder. Der große Botaniker L.Fuchs schrieb über den Wacholder: "Weckholder, welchen ettliche Kramatsstauden heyßen, würd von den Griechen Arcenthos, von den Lateinischen aber Juniperus genennt. Seine Frücht nennt man Kramatsbees, darumb, daß die Kramatsvögel diese beer gern essen."

Pharmazeutisch wird vom Wacholder (Juniperus communis) die sogenannte "Wacholderbeere" (Fructus Juniperi) verwendet. Es handelt sich aber dabei um keine echten Beeren, sondern das sind die reifen, sorgfältig getrockneten Beerenzapfen (Scheinfrüchte). Auch das Wacholderholz (Lignum Juniperi) ist in der Phytotherapie bekannt.

Die Nutzung der Wacholderbeeren als harntreibendes Mittel (Diuretikum) ist stark umstritten, da die Diurese durch eine (u.U. toxische) Reizung der Nieren ausgelöst wird. Hauptanwendungsgebiet für den Wacholder heute sind Verdauungsbeschwerden wie Aufstoßen, Völlegefühl und Sodbrennen.

Wacholderbeeren sind in der Küche nach wie vor ein beliebtes Gewürz für Fisch, Fleischgerichte, Wild, Marinaden, Sauerkraut. Zudem sind gemahlene Wacholderbeeren Bestandteil verschiedenster Gewürzmischungen.

Große Mengen an Wacholder werden zur Herstellung von Wacholderschnaps, Steinhäger, Gin und Genever verwendet. Wacholdergeist ist ein Branntwein, der ausschließlich aus vergorenen, wässrigen Auszügen der zuckerhaltigen Beeren hergestellt wird. Bei billigeren Wacholderschnäpsen wird dem Alkohol das durch Destillation gewonnene Wacholderöl zugesetzt.

Wacholder genoss schon immer ein hohes Ansehen. Bei den Germanen lieferte er das heilige Holz, das beim Opfer verwendet wurde. Zu profanen Zwecken durfte der Baum nicht gefällt werden. Der Wacholder ist auch heute eine geschützte Pflanze, die Beeren dürfen jedoch gesammelt werden. Das sollte man im Herbst machen, wenn sie blau bereift sind. Zum Trocknen werden die Beeren in dünner Schicht in einem geheizten Raum ausgebreitet. Nach der Trocknung dürfen Sie nicht zu stark geschrumpft sein und müssen einen kräftigen aromatischen Geruch haben.

Der Wacholder wurde zum Baum des Jahres 2002 gewählt. Als einziges der Zypressengewächse ist der gemeine Wacholder Juniperus communis in unserer Region heimisch.