Weihrauch pharmazeutisch-fachlich beurteilt
 
 

Die Weisen aus dem Morgenland mit ihren Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe sind ein häufiges Motiv in der bildenden Kunst.
»Weihrauch als Rauschmittel«, »Weihrauch als Krebserreger« oder doch »Weihrauch als Medikament« – was ist wirklich dran an diesen effektheischenden Schlagzeilen?

Wie bei anderen pflanzlichen Wirkstoffen kommt es auch beim Weihrauch auf Zubereitung und Dosis an. Es besteht ein Unterschied darin, ob die Weihrauchkörner auf einer heißen Metallplatte zum Schmelzen gebracht werden oder auf einer glühenden Kohle, ob Olibanumöl in der Duftlampe mit Wasser verdunstet oder ohne Wasser »verdampft«. Nur ins offene Feuer darf man das Harz nicht geben, da es sich entzündet und verbrennt ohne viele Duftstoffe abzugeben.
Welches Molekül für den charakteristischen Geruch verantwortlich ist, konnte noch nicht heraus gefunden werden.

Die Hypothese, dass bei Verbrennung von Weihrauch bzw. durch enzymatische Vorgänge beim Kauen des Harzes das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) entstehe, konnte bislang nicht bestätigt werden. Heute kennt man über 250 Inhaltsstoffe und Pyrolyseprodukte, die sich bei der Verbrennung von Weihrauch bilden. Bei der Pyrolyse kann auch der polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff Benzo[a]pyren (3,4-Benzpyren) entstehen, der bei sich der unvollständigen Verbrennung von organischen Stoffen bildet und infolge dessen weit verbreitet ist. Benzo[a]pyren ist eine der am längsten bekannten und untersuchten krebserregenden Substanzen im Tabakrauch, eine dem Passivrauchen vergleichbare Gefährdung durch das Einatmen von Weihrauch wird diskutiert.
Nicht zu verachten ist der synergistische Effekt: körpereigene Endorphine können Entspannung und Stimmungsaufhellung verstärken.

In der indischen Ayurvedamedizin wird Weihrauch schon lange als Heilmittel eingesetzt. Die entzündungshemmende Wirkung wird auf die in Weihrauchextrakt vorhandenen Boswelliasäuren zurückgeführt. Es sind verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die Trockenextrakt aus Boswellia serrata enthalten, im Handel. In der Homöopathie wird Weihrauch bei der Indikation "Kratzen im Hals, Heiserkeit" angewandt.

Quelle: Österreichische Apothekerzeitung ÖAZ 26/2002.

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