Venenbeschwerden
 
Frauen leiden häufiger als Männer an kranken Beinen
 
Venenbeschwerden kommen gehäufter bei Frauen als bei Männern vor, was durch die unterschiedliche Hormonsituation erklärt wird.

Es sind vor allem zwei Mechanismen, die für diese Unterschiedlichkeit verantwortlich sind:

Das 17-Beta-Östradiol setzt im Endothel das Stickmonoxyd frei, ein relaxierendes Gas, das früher als "Endothelial Derived Relaxing Faktor" bezeichnet wurde. Dadurch kommt es zu einer permanenten Weitstellung der arteriellen, aber auch des venösen Schenkels. Dies ist eine der Erklärungen, warum Frauen vermehrt zu Venektasie und zu Varikositas neigen. Diese Tendenz bemerkt man vor allem dann, wenn Frauen verstärkt einen Östrogenstimulus ausgesetzt sind, wie dies während der Schwangerschaft, unter der Pille, aber auch während der Hormonersatztherapie vorhanden ist.

Neueste Erkenntnisse haben aber auch eine andere Erklärung für die bei Frauen häufig auftretende Bereitschaft zu Venenerkrankungen: die Venen sind von einer Collagenschicht umgeben, welche dem Tissue remodelling ebenso unterworfen ist, wie das Collagen des Beckenbodens und anderer collagenhaltiger Organe. Die Matrix-Metallo-Proteinasen gehören zu den verdauenden Enzymen des Collagens, welche durch das Progesteron gehemmt werden. Außerdem stimuliert das Progesteron die Freisetzung des Collagenaseninhibitors TIMP-3.

In Zeiten eines chronischen Progesteronmangels kann die Matrix-Metallo-Proteinase-Aktivität überwiegen und die Collagenschicht der Venen degraduieren, was zu einem verringerten Halt der Venen im Gewebe führt. Auch dies scheint ein Aspekt in der Ätiologie von Venenerkrankungen zu sein. Epidemiologisch findet man in der Prämenopause, wenn das Progesterondefizit auftritt, eine hohe Erkrankungsinzidenz für Venektasien und Varikositas.