Holunder - nicht nur pharmazeutisch betrachtet
 
Hollerblüten für Küche und Keller – einige Rezeptvorschläge
 
Von Mai bis Juni trägt der Holunderstrauch seine weißen Blütendolden, die würzig-süß duften und die in der Phytotherapie, in der Homöopathie und in der Küche vielfältige Verwendung finden.

Vor dem Apothekerhaus in Wien wächst ein prächtiger Holunderstrauch.
(Foto: F. Biba)
Es gibt nur wenige Pflanzen, die in der Volksmedizin so beliebt sind, wie der Holunder. Aber nicht nur als Heilpflanze, auch als Wohnsitz der beschützenden Hausgöttin war der Holunder im Volk berühmt. Es ist daher kein Zufall, dass der bis zu 7 m hohe Strauch häufig direkt vor Scheunen, Stallungen und bäuerlichen Wohnhäusern wächst. Benannt ist der Hollerbusch nach der germanischen Göttin Holla oder Holda - althochdeutsch von hold, huld – sie ist eine freundliche und milde Göttin, Schirmherrin der Liebenden und Fruchtbarkeitsgöttin, die wir als Frau Holle vor allem durch das Grimm-Märchen kennen (dort werden die weißen Blüten in Federn verwandelt und als Schnee auf die Erde geschüttelt).

In den Alpen durfte der Holunder an keinem Haus fehlen. Im Inntal hielt man ihn für einen so edlen Baum, dass man den Hut vor ihm ziehen solle, denn es sei alles gesund und heilkräftig an ihm. In den Holunderbaum würde nie ein Blitz schlagen. Unter seinem Schutze hielt man sich vor jedem Unfall, Schlangen und Hexen sicher. Im Schlaf unter dem Holunderbaum träume man schön und man würde von Elfen, den Holden der Holla, umtanzt. Es galt als Frevel, einen Holunder zu fällen. Unglück, Leid und schwere Krankheit drohte dem, der es dennoch wagte.

Die Göttin Holla hat übrigens viele Namen: Holda, Hulda, Hollermutter, im Alpenraum auch unter Percht, Berchta, Berta; im nordeuropäischen Sprachraum unter Hel bekannt. Viele Städte in Europa erinnern noch heute an die Göttin: Helsinki, Perchtoldsdorf, Berchtesgarden (Garten der Percht), Hollabrunn (Brunnen der Holle!). Aber auch Holland, die Reinprechtsdorferstraße, oder Namen wie Prechtl und Schwarzenberg (schwarze Percht) oder die Stadt Perg in Oberösterreich lassen sich möglicherweise auf die Göttin zurückführen.

Holunder pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Sambucus nigra L.

Volksnamen: Elderbaum, Holunder, Holler, Husholder, Keilken, Kisseke, Schwarzholder, Schwitztee, Fliedertee, Zickenblüten, Betscheletee. Im Englischen heißt der Holunderstrauch Elder-Tree, was Ahnenbaum heißt.

Stammpflanze: Sambucus nigra L. (Sambucaceae)

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten (Sambuci flos)

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl: bis 0,14 %, von butterartiger Konsistenz aufgrund des hohen Anteils an freien Fettsäuren (Hauptkomponente Palmitinsäure) Flavonoide: ca. 3,5 %, Hauptkomponente Rutin. Weitere Inhaltsstoffe: Triterpene (vorwiegend als Fettsäureester), Phenolcarbonsäuren, Schleime, Gerbstoffe.

Verwendung: Als schweißtreibendes Mittel bei fiebrigen Erkältungskrankheiten, wobei der Holunderblütentee (man verwendet häufig auch Kombinationen mit Lindenblüten) in möglichst heißem Zustand getrunken werden soll.

Empfohlene Dosierung: Etwa 2 Teelöffel voll (3-4 g) Holunderblüten werden mit einer Tasse (ca. 150 ml) siedendem Wasser übergossen und nach ca. 5 Minuten durch ein Teesieb abgeseiht.

siehe auch: Mit der Kraft des schwarzen Holunders durch die Erkältungszeit

Anwendung in der Homöopathie: Homöopathische Holunder-Arzneimittel werden aus den frischen Blättern und Blüten bereitet und finden z.B. als Schnupfenmittel für Kleinkinder und Säuglinge sowie zur Stärkung des Immunsystems Anwendung.

Unerwünschte Wirkungen: Bei Verwendung der Blüten in der angegebenen Dosierung sind keine Nebenwirkungen zu befürchten. Vorsichtiger sollte man mit Blättern und Rinde sein, die zu Magen- und Darmreizungen führen können. Unreife Holunderbeeren sind schwach giftig. Aus den Beeren lassen sich Säfte und Mus zubereiten, die allerdings nicht roh genossen werden sollten.

Holunderblüten für Küche und Keller – einige Rezeptvorschläge

In Teig getaucht und ausgebacken sind Holunderblüten eine ausgesprochene Spezialität. Zubereitung: 250 g Mehl, 1 Prise Salz, 2 Eigelb, 1/4 trockener Weisswein zu einem Teig mixen und dann eine Stunde ruhen lassen. Anschließend Schnee aus 2 Eiweiß mit 1 gehäuften Esslöffel Zucker vermischen und locker unter den Teig heben. Die gewaschenen Holunderblüten (auf einem Tuch zum Trocknen ausbreiten - falls die Blüten noch feucht sind, nehmen sie den Teig später nicht an) in den Teig tauchen und im heißen Fett nacheinander goldgelb ausbacken. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen und mit Staubzucker und Zimt bestreuen und sofort essen.

Auch Robinienblüten (Robinia pseudoacacia L.; Falsche Akazie) können auf gleiche Weise verwendet werden (Vorsicht: Vergiftungen sind durch Verwechslung mit Goldregen schon vorgekommen!)

Holunderblütenwasser: ein alkoholfreier Durstlöscher

Für das Holunderblütenwasser werden die von vier frischen Dolden abgezupften Blüten in ein Gefäß gegeben, ein Liter abgekochtes erkaltetes Wasser, in dem zwei Messerspitzen Weinsteinsäure aufgelöst wurden, darübergeschüttet. Abgedeckt das Ganze einen Tag ziehen lassen, mit Honig süßen.

Holunderblütensirup

Man gibt ca. 50 Blütendolden in ein großes Gefäß mit 7 Liter Wasser, in dem 10 dag Zitronensäure aufgelöst sind und lässt diese Mischung 24 Stunden stehen. Nach dem Abseihen kommt Saft und Schale von einer unbehandelten Zitrone und einer Orange dazu. Nun wird pro Liter Flüssigkeit ca. ½ kg Zucker dazugegeben und der Saft in einem großen Topf so lange erhitzt, bis die Flüssigkeit klar wird. In Flaschen abgefüllt auskühlen lassen – fertig ist der Sirup!

"Kaisergspritzter" (mit wenig Alkohol)

1/4 Weißwein, 3/4 Soda bzw. Mineral
1 - 4 cl Holunderblütensirup - je nach Geschmack
zur Dekoration ein paar Holunderblüten in den Krug streuen; na dann gutes Gelingen und Prost!

„Holundersekt“

7 -10 Dolden Holunderblüten, 1 Kilo Zucker, ca. 7 Liter Wasser, 30 g Zitronensäure und zwei in Scheiben geschnittenen Zitronen werden in ein großes Gefäß, einen Steintopf oder ähnliches gegeben und zugedeckt 24 - 48 Stunden am sonnigen Fenster stehen gelassen. Sobald Perlen aufsteigen ist das Getränk fertig, nun wird abgeseiht und in Flaschen mit Patentverschluss gefüllt, da sich beim Gären Druck entwickelt. Nach ca. 10 Tagen Reifungszeit an einem kühlen dunklen Ort dürfte der „Sekt“ fertig sein. Die Zubereitung gelingt nicht immer, falls sich auch nach 3 Tagen in der Sonne keine Perlen bilden oder die Blüten Schleim absondern, so muss der Ansatz verworfen werden.

Holunderblütenessig

Etwa 100g Blüten waschen, vorsichtig trockenschleudern und mit 1 Liter milden Weinessig auffüllen. 1 Esslöffel rote Pfefferkörner zugeben. Das Gefäß 14 Tage an einem warmen Ort stehen lassen, dann abseihen und in Flaschen umfüllen. In England und Frankreich wird Holunderblütenessig gerne für Fischgerichte verwendet.

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Mit der Kraft des Schwarzen Holunders durch die Erkältungszeit