Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse
 
Schilddrüsenhormone greifen in viele Stoffwechselvorgänge des Körpers ein
 

Die Schilddrüse ist zwar ein kleines Organ, produziert aber wichtige Hormone, die viele Bereiche des Stoffwechsels steuern. Schilddrüsenerkrankungen bemerkt nicht so leicht, da sie schleichend beginnen.

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement und wird mit der Nahrung aufgenommen. In der Schilddrüse wird Iod gespeichert und für die Bildung der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Triiodthyronin benötigt. Bei Jodmangel kann es zur Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kommen. Als Folge einer Unterfunktion läuft der Stoffwechsel des Körpers langsamer ab, es können Symptome wie allgemeines Schwächegefühl, verminderte Leistungsfähigkeit, Antriebslosigkeit und rasche Ermüdbarkeit sowie Gewichtszunahme auftreten. Die Erkrankung wird anhand von Blutuntersuchungen nachgewiesen und ist gut behandelbar. Menschen mit dieser Krankheit brauchen in der Regel einen lebenslangen Hormonersatz. Dabei wird Thyroxin als Tablette nüchtern mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen, um die Aufnahme des schlecht resorbierbaren Hormons im Darm zu optimieren.

Das Gegenteil, eine Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen, tritt bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auf. Hier kann es zu einer Vielzahl von Krankheitserscheinungen wie starker Schweißproduktion, beschleunigtem Herzschlag, Gewichtsverlust, Nervosität und Zittern kommen. Bei der medikamentösen Therapie werden den Betroffenen Thyreostatika, das sind Medikamente, die die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen, verordnet. In bestimmten Fällen kann bei einer Schilddrüsenüberfunktion eine operative Therapie erfolgen. Bleibt nach der Operation nicht mehr genügend Schilddrüsengewebe übrig, um den Körper ausreichend mit Hormonen zu versorgen, kommt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion, diese kann jedoch ohne Probleme mit einer Hormonersatztherapie mit Thyroxin (siehe oben) behandelt werden.

Jodmangel führt zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf, medizinisch „Struma“) und zur Ausbildung von Schilddrüsenknoten. Als Vorbeugung wird der wöchentlich ein- bis mehrmalige Verzehr von Seefisch sowie die Verwendung von sogenanntem Jodsalz (Speisesalz mit Natrium- oder Kaliumiodat versetzt) empfohlen. In Österreich ist seit 1963 die Jodierung von Speisesalz gesetzlich vorgeschrieben.

Patienten mit heißen Knoten sollten allerdings vorsichtig sein: Plötzliche Jodgabe (Röntgenkontrastmittel, jodhaltige Desinfektionsmittel) bei bestehenden heißen Knoten kann eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen! Auch bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse kann Jod den Entzündungsprozess weiter forcieren.