Scharf und wirksam: der Cayennepfeffer
 
Besonders bewährt bei Muskelschmerzen, Hexenschuss sowie bei Nervenschmerzen
 
Die roten und gelben Chilischoten (die Frucht wird standardsprachlich und kulinarisch als Schote bezeichnet, es handelt sich botanisch gesehen jedoch um eine Beere – also „Chilibeeren“) bzw. das aus ihnen hergestellte Pulver, der Cayenne-Pfeffer, sind an Scharfstoffen besonders reich. Botanisch wird diese Paprika-Sorte Capsicum annuum var. acuminatum, oft auch als oft als Cayenne bezeichnet. Diesen Namen haben die Früchte von der Hafenstadt Cayenne in Guayana auf den ehemals berüchtigten Strafinseln, den Teufelsinseln. Und tatsächlich ist der Cayenne-Pfeffer teuflisch scharf. Der Hauptinhaltsstoff, das Capsaicin, ist nämlich noch in einer Verdünnung von 1 : 100.000 geschmacklich nachzuweisen.

Paprika (Chili) in der Pharmazie - Foto: M. Großmann / pixelio.de
Paprika in der Pharmazie

Stammpflanze:
Capsicum annuum L., Capsicum frutescens L. u. a. (Solanaceae - Nachtschattengewächse)
Bezeichnungen:
Paprika, Chili, Peperoni, Pfefferoni oder Peperoncini
Inhaltsstoffe:
Capsaicinoide (Menge und Zusammensetzung variieren je nach Paprikasippe), ätherisches Öl, Farbstoffe, fettes Öl.
Verwendeter Pflanzenteil:
Reife, getrocknete Früchte (Fructus Capsici).
Offizinell:
Fructus Capsici, Extractum Capsici, Tinctura Capsici.

    Cayennepfeffer
    Neben seiner Verwendung als Gewürzpulver, welches aus getrockneten und gemahlenen Früchten der Pflanze gewonnen wird, werden pharmazeutische Zubereitungen aus dem Cayennepfeffer zur Schmerzlinderung eingesetzt.

    Anwendungsgebiete
    Zur äußerlichen Anwendung! Die lokale Applikation von Paprikazubereitungen führt initial zu einem Wärmegefühl. Dann werden bestimmte Botenstoffe in den Nerven gehemmt und dadurch die Schmerzempfindung gelindert. Besonders bewährt hat sich die Anwendung bei Muskelschmerzen oder bei Hexenschuss sowie bei Nervenschmerzen.

    Nach jeder Anwendung sollten die Hände gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.

    Gegenanzeigen
    Selbstverständlich dürfen die Scharfstoffe nicht auf geschädigter Haut und nicht bei Überempfindlichkeit gegenüber Paprika angewendet werden. Bei ausgedehnter Dauer oder wiederholter Anwendung capsaicinhaltiger Arzneimittel an der gleichen Applikationsstelle kann es zu einer Schädigung sensibler Nerven kommen.

    Arzneiformen:
    Salben und Cremen, flüssige Zubereitungen und Schmerzpflaster.

    Wichtig: Der Paprika-Inhaltsstoff Capsaicin kann zu verschiedenen Schmerzpflastern verarbeitet werden:
    • Cayennepfefferextrakt – Pflaster enthalten 11 mg Capsaicin, sind rezeptfrei und werden vor allem zur Linderung von Muskelschmerzen (z.B. im unteren Rückenbereich) eingesetzt. Diese Pflaster können einmal pro Tag angewendet werden und mindestens 4 bis zu 12 Stunden auf der Haut verbleiben. Vor der Anwendung eines neuen Pflasters im selben Applikationsgebiet muss mindestens 12 Stunden abgewartet werden.
    • Die sogenannten Capsaicin – Pflaster enthalten 179 mg Capsaicin, dürfen nur unter medizinischer Aufsicht und nur einmal 30 bis maximal 60 min lang angewendet werden und sind rezeptpflichtig. Wegen der schmerzhaften Hautreizung durch diese hohe Capsaicinkonzentration muss die Stelle vor der Applikation mit dem Lokalanästhetikum Lidocain behandelt werden. Handschuhe anziehen, Haare gegebenenfalls entfernen (nicht rasieren – Hautverletzungen...)! Diese Pflaster werden v.a. zur Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen, die nicht an Diabetes leiden, verordnet. Nach der Anwendung eine Behandlungspause einlegen, die Therapie mit hochdosierten Capsaicin-Pflastern kann alle 90 Tage wiederholt werden.

    Allgemeine Vorsicht beim Umgang mit Cayennepfeffer:
    Die Scharfstoffe reizen Schleimhäute äußerst intensiv, und da sie kaum wasserlöslich sind, kann man sie auch nur schwer abwaschen. Vor allem sollte man darauf achten, sich nach Kontakt mit den Händen nicht die Augen zu reiben. Von der Haut kann man die Capsaicinoide mit Öl abwaschen. Diesen Effekt macht man sich übrigens auch bei zu stark mit Cayenne-Pfeffer gewürzten Speisen zunutze. Wird das Brennen im Mund unerträglich, dann hilft kein Wasser, sondern ölhaltige und fetthaltige Emulsionen, wie Joghurt oder Milch.




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    Scharf und wirksam: der Cayennepfeffer
    Manche möge es gerne scharf und verwenden viel Chili im Essen. Unsere Apothekerin Mag.pharm. Sonja Wurst setzt die scharfen Schoten ganz anders ein.

    Quelle: Heute Leben, 28.11.2012 – 17:30 ORF 2

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