Die Thrombosen der Österreicher
 
Auch durch längeres beengtes und unbewegtes Sitzen auf einer Reise kann es zur Thrombusbildung kommen.
 
    Thrombosen treten gerade in der Reisezeit vermehrt auf, werden jedoch häufig nicht rechtzeitig erkannt. Dadurch kann es zu einer Lungenembolie kommen, die bei jedem fünften Patienten tödlich verläuft. Ein besonderes Risiko für Thrombosen haben Krebspatienten: Tumorbedingte Thrombosen sind die zweithäufigste Todesursache bei Krebs.
    Pro Jahr erkranken rund zwei von 1.000 Frauen an einer Thrombose, Männer sind etwas seltener betroffen. Das Tückische an Thrombosen ist, dass die Beschwerden zu Beginn der Erkrankung uncharakteristisch sind. Oft tritt nur ein Schwere- und Spannungsgefühl im betroffenen Bein auf, später kommt es meist zu Schmerzen in der Wade und zur Schwellung des Beines, dabei kann sich die Haut auch bläulich verfärben. Wird die Thrombose nicht rechtzeitig erkannt – nur rund 30 Prozent der Thrombosepatienten haben diese typischen Anzeichen – kann es zu einer mitunter lebensgefährlichen Lungenembolie kommen: „Die gefährlichste und gefürchtetste Komplikation von Thrombosen ist die Lungenembolie, die bei einem Fünftel der Patienten tödlich verläuft“, weiß Univ.-Prof. Dr. Sabine Eichinger, von der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie an der Univ.-Klinik für Innere Medizin I am AKH Wien. Eine spontan auftretende Kurzatmigkeit oder stechende Brustschmerzen können auf die Lungenembolie hinweisen. Durch die plötzliche Überlastung des Herzens besteht dabei zusätzlich die Gefahr eines Herzstillstandes.

    Zu weiteren Informationen: Auch durch längeres beengtes und unbewegtes Sitzen (über 5 Stunden) auf einer Reise, hauptsächlich im Flugzeug, aber auch in Bus oder Bahn, wird der Blutfluss in den tiefen Beinvenen verlangsamt, es kann zur Thrombusbildung kommen. Weiter auf www.reisethrombose.at/

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    Neue Studie: Wo entsteht eine Thrombose?
    Die Ergebnisse einer neuen Studie bieten Erkenntnisse zur Ursache von Thrombosen: Die Studie wurde vom University Medical Center Utrecht (UMCU) in den Niederlanden in Zusammenarbeit mit der University of Cambridge in Großbritannien durchgeführt. Die Studie war insbesondere bei der Ermittlung des genauen Ortes, an dem sich das von-Willebrand-Faktor-Protein an Kollagen heftet, erfolgreich – dem ersten Schritt bei der Thrombusbildung.
    Diese Entdeckung macht es nun möglich, mit der Entwicklung eines Arzneimittels zu beginnen, das die Plättchenadhäsion blockiert, was einen wichtigen Schritt bei der Thrombosebehandlung markiert.
    Die Arteriosklerose oder arterielle Thrombose beginnt damit, dass die Gefäßinnenwand rau wird, was dazu führt, dass die Plättchen stecken bleiben. Dies kann schließlich zur Bildung von Blutgerinnseln führen.
    Verstopft die Thrombose das Blutgefäß vollständig, so wird das nachgeordnete Gewebe nicht mit Sauerstoff versorgt, und es kommt beispielsweise zur Infarktbildung im Herzen oder im Gehirn. Die arterielle Thrombose entsteht da, wo die Fließgeschwindigkeit des Blutes hoch ist und das Vorhandensein des von-Willebrand-Faktors wichtig für die Plättchenadhäsion ist.
    Die Plättchen kleben an den beschädigten Gefäßwänden aufgrund eines »adhäsiven Proteins« dem von-Willebrand-Faktor Protein, das nach seinem Entdecker Erik von Willebrand benannt ist. Dieses Protein bildet eine Brücke zwischen den Plättchen und dem Kollagen, einem Schlüsselbaustein der Gefäßwand, die in den beschädigten Gefäßen exponiert ist.
    Nach Professor P.G. de Groot, Forscher an der UMCU, werden „weitere Untersuchungen es uns ermöglichen, die Adhäsion von Blutplättchen an arteriosklerotischen Blutgefäßwänden zu reduzieren.
    Das könnte neuen Therapien die Tür aufstoßen und uns ermöglichen, die klinischen Folgen von Arteriosklerose, d.h. die Thrombusbildung zu beeinflussen.“

Quelle: Österreichische Apotheker-Zeitung ÖAZ 16/06