Wie gefährlich sind Grippe-Pandemien?
 
Neben der Impfung ist der Einsatz antiviraler Medikamente ein wichtiger Teil der Pandemieplanung
 

In größeren Zeitabständen werden weltweite Influenza („Virus-Grippe“) Ausbreitungen, so genannte Pandemien, beobachtet. Die letzte große Influenza-Pandemie hat vor über 40 Jahren (1968) die Welt heimgesucht, in früheren Jahrhunderten war dies etwa alle 27 Jahre der Fall. Die nächste Grippe-Pandemie ist daher rein rechnerisch überfällig.



Gleicht auf den ersten Blick einer im Ortsbild oft präsenten „Pestsäule“. Die Marien-Säule am Hauptplatz in Frohnleiten erinnert aber an die große Grippe-Epidemie 1729/30.
(Foto: F.Biba)
Bereits vor 2400 Jahren beschäftigte sich Hippokrates (460-375 v. Chr.) mit dem Auftreten der heute als "Influenza" bekannten Krankheit. Der Name „Influenza“ (lat. für „Einfluss“) leitet sich zunächst von der im Mittelalter vorherrschenden Vorstellung ab, alle Krankheiten seien durch bestimmte Planetenstellungen beeinflusst (coeli influencia: Einfluss der Gestirne).

Erst seit dem 15. Jahrhundert wird „Influenza“ nur noch im Zusammenhang mit der „echten Grippe“ verwendet. Die erste gut dokumentierte Pandemie trat 1580 auf, ging wahrscheinlich von Asien aus und drang von dort weiter nach Afrika und Europa vor. In der Vergangenheit kam es innerhalb von 100 Jahren zu drei bis vier Influenza-Pandemien.

Beispiele für Influenza-Pandemien in jüngerer Zeit:
Spanische Grippe (1918–1920), weltweit 500 Millionen Kranke und 40 bis 50 Millionen Tote, Subtyp A/H1N1
Asiatische Grippe (1957), eine Million Tote, Subtyp A/H2N2
Hongkong-Grippe (1968), 700.000 Tote, Subtyp A/H3N2

Bei einer Grippe-Epidemie oder „Grippewelle“ werden 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert, aber die Ausbrüche bleiben lokal begrenzt. Bei Pandemien hingegen verbreiten sich die Viren rasch und mit Infektionsraten von bis zu 50 Prozent über den ganzen Globus. Auslöser ist immer ein neuer Subtyp des Influenza-A-Virus, der auch durch eine Antigenshift (eine Durchmischung von humanen und aviären Gen-Segmenten) entstehen kann. Eine solche Durchmischung von Vogelgrippe- und humanen Influenzaviren kann beispielsweise im Schwein stattfinden, wenn diese Tiere Träger beider Viren sind. Bei der Variante des Subtyps A/H1N1, die Mitte April 2009 entdeckt wurde (bekannt als „Schweinegrippe“), besteht die Furcht, dass die Welt in eine große Pandemie wie 1918/19 stürzen könnte. Dementsprechend intensiv arbeitet die WHO daran, möglichst gut auf einen solchen Ernstfall vorbereitet zu sein, denn sollte es zu einer großen Grippe-Pandemie kommen, dann reichten die weltweiten Vorräte an Impfstoffen bei weitem nicht aus. Neben der Impfung ist daher der Einsatz antiviraler Medikamente, insbesondere von Neuraminidase-hemmern, ein wichtiger Teil der Pandemieplanung.
(Stand Juli 2009)


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Suchbegriffe: Grippeepidemie, Influenzaepidemie, Virusgrippe