Insektenschutz: Wirksames und Problemstellungen
 
Schutz vor Fliegen, Zecken, Gelsen, Kriebelmücken, Milben, Motten und anderen Lästlingen bzw. Schädlingen
 
Wenn wir über Insektenschutz sprechen, sollten wir der Vollständigkeit halber erwähnen, dass es dabei nicht ausschließlich um Insekten geht, vor denen wir Menschen uns schützen wollen oder sollen, sondern dass damit auch zahlreiche andere Arthropoden oder Gliederfüßer gemeint sind, die die Gesundheit des Menschen negativ beeinflussen können.

Arthropoden können in sehr vielfältiger Weise die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen: Als Gifttiere – z. B. Spinnen, Skorpione –, als Erreger von Allergien nach Bissen oder Stichen, als Endoparasiten wie z. B. Fliegenmaden, als Zwischenwirte von Parasiten – z. B. Käfer, Ameisen –, als Vektoren von Pathogenen wie z. B. von Viren, Bakterien, Protozoen, Helminthen –, als Lästlinge oder Schädlinge in Nahrungsmitteln wie z. B. Lebensmittelmotten – und sogar als Auslöser psychischer Irritationen – z. B. Parasitophobie, Insektenwahn – fungieren.

Bereits im Altertum wurde versucht, sich selbst sowie Haustiere und Nahrungsmittel vor Schädlingen zu schützen: So haben sich die Ägypter mit stark riechenden Substanzen eingerieben, um ihren Körper vor Mückenstichen zu schützen; die Römer haben als Mückenschutz Extrakte aus Zypressen und Granatapfelschalen verwendet. Im ersten Weltkrieg wurde einerseits extensiv Pyrethrumpulver am Körper eingesetzt, um die Kleider-, Kopf- und Filzläuse zu vertreiben, andererseits wurde insektenbefallene Bekleidung Rauch- und Hitzebehandlungen unterzogen.


Die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) hat einen 3 bis 7 Millimeter langen, schlanken Körper, schmale Flügel, und lange Beine. – Foto: F.Biba
INSEKTENSCHUTZ ERFOLGREICH BETREIBEN
    Heute stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, Insektenschutz erfolgreich zu betreiben. Die Auswahl der anzuwendenden Methoden richtet sich nach der Zielsetzung und der Fragestellung. Es gibt – zumindest – zwei wichtige Gründe, gegen Arthropoden im Allgemeinen und gegen Insekten im Besonderen, vorzugehen: Zum einen die Bekämpfung von Arthropoden als Überträger einer Infektionskrankheit in einem Endemiegebiet und andererseits die Anwendung individueller Schutzmaßnahmen, um einerseits unangenehme allergische Reaktionen nach Arthropodenstichen oder -bissen zu verhindern und andererseits Arthropoden abzuhalten, potenzielle Krankheitserreger auf den Menschen zu übertragen. Letzteres steht auch im Vordergrund dieser kurzen Übersicht. (Um die chemischen Namen kommt man bei einer seriösen Befassung mit dem Thema nicht herum; auf den jeweiligen Packungen müssen die Inhaltsstoffe angegeben sein. Fragen Sie dazu einfach Ihren Apotheker. Anm. d. Red.)

    Grundsätzlich wird zwischen drei verschiedenen Methoden des Arthropodenschutzes unterschieden:

    PHYSIKALISCHE METHODEN
    Den besten Schutz vor Insekten (und anderen Arthropoden), den größtmöglichen Nutzen und die geringste (weil nicht oder kaum vorhandene) Schadwirkung für Mensch und Umwelt bieten die physikalischen Schutzmethoden; Sie sind der wichtigste Teil der Expositionsprophylaxe.
        Expositionsprophylaxe bedeutet, sich entweder Kontakten mit Arthropoden gar nicht auszusetzen – dies ist in der Regel kaum oder nur sehr beschränkt möglich – oder andererseits Kontakte mit Gliederfüßern durch physikalische
        (gemeint sind damit vor allem mechanische) Barrieren zu verhindern oder zumindest das Risiko für Arthropodenkontakte zu minimieren.

    CHEMISCHE METHODEN
    Bei den chemischen Methoden unterscheidet man im Wesentlichen zwischen Insektiziden – Mittel zur Bekämpfung von Insekten und Akariziden als Mittel zur Bekämpfung von Milben und Zecken – einerseits und Repellentien – Arthropoden-abweisende Mittel – andererseits, dabei unterscheidet man zwischen natürlich vorkommenden und künstlich hergestellten Wirkstoffen, d.s.:

    INSEKTIZIDE UND AKARIZIDE
    Insektizide und Akarizide wirken in Abhängigkeit ihrer physikalischen Eigenschaften und ihrer Applikationsweise als Fress-, Kontakt- oder Atemgifte und haben akut neurotoxische Wirkung auf Insekten bzw. Milben.

    Pyrethroide
    Unter den Pyrethroiden ist zwischen dem Naturpyrethrum und unter den synthetisch hergestellten zwischen Typ I-, Typ II- und Nicht-Ester-Pyrethroiden zu unterscheiden. Das Naturpyrethrum ist einerseits ein hoch- und schnell wirkendes Kontaktinsektizid und besitzt andererseits auch repellente Wirkung. Typ I-Pyrethroide wie z. B. Allethrin, Permethrin, Cismethrin wirken vor allem auf die sensiblen und sensorisch-afferenten Neuronen und Nervenbahnen und gelten als weniger akut giftig als die Typ II-Pyrethroide wie z. B. Cyfluthrin, Deltamethrin; Permethrin (Typ I-Pyrethroid) gilt heute als eines der wichtigsten Textilrepellents und wird vor allem zur Imprägnierung von Moskitonetzen, Zelten und Oberbekleidung eingesetzt. Nicht-Ester-Pyrethroide wie z. B. Etofenprox stehen erst seit kurzer Zeit zur Verfügung. Mittel gegen Läuse und Milben können Pyrethroide enthalten. Pyrethroide werden vor allem von professionellen Bekämpfern gegen Schaben, Flöhe, Wanzen und Pharaoameisen eingesetzt.

    Organophosphate
    Organophosphate weisen eine beachtliche Toxizität auf und sollten daher nicht (mehr) angewendet werden.

    Karbamate
    Das bekannte und in Hunde- und Katzenhalsbändern häufig eingesetzte Karbamat Propoxur gilt als hoch insektizid- und akarizidwirkende Substanz; es sollte allerdings nicht mit der Haut des Menschen in Berührung kommen.

    Chlorierte Kohlenwasserstoffe
    Unter den chlorierten Kohlenwasserstoffen ist das Hexachlorcyclohexan das bekannteste; es ist ein hocheffizientes Insektizid und Akarizid und wurde in der Vergangenheit vor allem als Mittel gegen Läuse und gegen Krätzmilben-Befall (Skabies) eingesetzt.

    REPELLENTIEN
    Als Repellentien (aus dem Lateinischen repellere »vertreiben«) – auch Repellens, Repulsivstoff oder Vergrämungsmittel – wird ein Wirkstoff bezeichnet, der von einem Organismus über den Geruchssinn wahrgenommen wird und der diesen abschreckt, ohne ihn zu töten. Man unterscheidet zwischen natürlichen und synthetisch hergestellten Repellentien.

    Natürliche Repellentien
    Ätherische Öle und andere aus Pflanzenextrakten gewonnene, stark riechende Substanzen werden schon seit langer Zeit in der Insektenabwehr, insbesondere gegen Mücken, eingesetzt. Ihre Insekten-abweisenden Eigenschaften wurden bereits Anfang des 20. Jahrhundert wissenschaftlich nachgewiesen. Bei den ätherischen Ölen handelt es sich um Gemische sehr unterschiedlicher Stoffe, meist sind es Terpene, Aldehyde oder Phenole. Ätherische Öle liegen hinsichtlich ihrer repellenten Wirkung unter der Wirkung synthetisch hergestellter Repellentien. Die wirksamsten Substanzen sind das Citronella-Öl und das mittlerweile auch synthetisch herstellbare p-Menthane-3,8-diol. Von der Industrie angeboten werden aber auch Eukalyptus- (Oleum Eucalypti), Sandelholz- (Oleum Santali), Zedernholz- (Oleum Juniper), Lavendel- (Oleum Lavandulae), Zitronen-(Oleum Citri), Neem- (extrahiert aus Azadirachta indica) und Pulegium-Öl (hergestellt aus Mentha pulegium).

    Synthetisch hergestellte Repellentien
    Die Synthese künstlicher Insekten-repellenter Substanzen wurde vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv und systematisch betrieben; dies nicht zuletzt aufgrund der beiden Weltkriege und der damit verbundenen hohen Exposition von Tausenden Soldaten für Infektionskrankheiten – z. B. Malaria, Gelbfieber, Dengue-Fieber, Fleckfieber, Pest – vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten.

    DMP
    DMP Dimethylphthalat hat große Wirksamkeit gegen Fliegen, Mücken, Kriebelmücken, hämatophage Milben. Nachteil: Es ist ein starkes Lösungsmittel für Kunststoffe und ist nierenschädigend, möglicherweise sogar krebserregend.

    DEET
    Das DEET N,N-Diethyl-3-methylbenzamid stellt das wichtigste und am weitesten verbreitete Hautschutzmittel dar. Die optimale Anwendungskonzentration beträgt zwischen 20 und 40 %; DEET wirkt insektizid und akarizid; die Schutzdauer beträgt durchschnittlich 4,2 Stunden. In zu niedrigen Konzentrationen zieht die Substanz allerdings Insekten an. Bei oraler Aufnahme bzw. großflächigem Auftragen auf die Haut wurden vor allem bei Kindern ZNSStörungen, Krämpfe, Ataxien, Hypertonie, Atemnot, aber auch Enzephalopathien, Kopfschmerzen und Verhaltensstörungen beobachtet. Vorschriftsmäßig angewendete DEET-haltige Präparate mit Anwendungskonzentrationen unter 30 % gelten als sicher.

    IR3535
    IR3535 ist besonders gut wirksam gegen Stech- und Sandmücken, die Schutzdauer beträgt zwischen 2 Stunden (Anopheles gambiae) und 7,5 Stunden (Aedes aegypti); die optimale Anwendungskonzentration liegt mit 20 % etwas unterhalb jener des DEET und gilt deshalb als ein sicheres Mittel für den Einsatz bei Kindern.

    Piperidinderivate
    Die beiden Piperidinderivate A13-3722 und KBR 3023 wurden erst in den 1980er und 1990er Jahre hergestellt. Beide Wirkstoffe sind hinsichtlich repellenter Wirksamkeit und Wirksamkeitsdauer dem DEET vergleichbar. Der ursprünglich aus dem Zitronen-Eukalyptusbaum isolierte Wirkstoff wird heute synthetisch hergestellt und hat eine sehr hohe repellente Wirkung gegen Stechmücken. Diese soll sogar jene des DEET und der Piperidinderivate übertreffen. Soweit bekannt ist, weist p-Menthane-3,8-diol keine giftigen Eigenschaften auf. p-Menthane-3,8-diol sollte Kindern unter 3 Jahren jedoch nicht verabreicht werden.

    Biologische Methoden
    Unter den biologischen Methoden sind die Impfungen gemeint, die durch Sensibilisierung des Immunsystems – z. B. durch Verabreichung von Tot- oder Lebendimpfstoffen – verhindern (sollen), dass Infektionen mit Krankheitserregern wie z. B. dem Gelbfieber-Virus – zum Ausbruch von Krankheiten führen.

    Autor: Univ.-Prof. Dr. Herbert Auer,
    Leiter Abt. f. Med. Parasitologie
    Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin
    Zentrum für Pathophysiologie,
    Infektiologie und Immunologie
    Medizinische Universität Wien

    Quelle: DA Juli 2011 Die Apotheke - das kostenlose Kundenmagazin
    Herausgeber: Österreichischer Apotheker-Verlag

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