Pharmakovigilanz
 
Die Überwachung von Arzneimitteln nach ihrer Zulassung
 
Viele unerwünschte Arzneimittelwirkungen eines Präparates werden bereits während der klinischen Prüfung erkannt und finden sich in der Fach- bzw. Gebrauchsinformation des "fertigen" Präparates. Manche Nebenwirkungen - z.B. unerwünschte Wirkungen, die aus der Langzeitanwendung des Präparates resultieren oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln - werden jedoch erst bekannt, wenn das Präparat auf dem Markt ist und breitere Anwendung findet. Andere können in klinischen Studien kaum untersucht werden, wie z.B. die Einnahme während der Schwangerschaft oder eine Überdosierung. Die weltweite, systematische Dokumentation und Sammlung solcher Fälle im Rahmen der "Postmarketing Surveillance" ist die einzige Möglichkeit, auf diesen Gebieten zu fundierten Daten zu gelangen, die dann an die Anwender weitergegeben werden können.

Einen wichtigen Beitrag kann der Apotheker bei der Beobachtung und Weiterleitung von Arzneimittelviel- und Mißbrauch leisten, denn der Apotheker ist aufgrund seiner Funktion und seiner täglichen Arbeit am ehesten dazu geeignet in diesem Bereich Verdacht zu schöpfen. Das gilt sowohl für ärztlich verordnete Medikamente als auch für den Bereich der Selbstmedikation sowie für die Kombination beider. Der Apotheker kann feststellen, wenn ein Patient sich von verschiedenen Ärzten das gleiche Medikament verschreiben läßt oder zu einem verordneten Medikament ähnliche Präparate aus dem Freiverkauf erwirbt.
Meldungen aus einem Spontanerfassungssystem erlauben keine Schlußfolgerungen zur absoluten Häufigkeit oder zur Inzidenz der beobachteten Risiken.
Ein weiterer Punkt, wo der Apotheker einen wichtigen Beitrag zur Arzneimittelsicherheit liefert ist die Qualitätskontrolle. Der Apotheker war schon immer verpflichtet Identität, Reinheit und Gehalt der von ihm abgegebenen oder verarbeiteten Drogen, Wirk- und Hilfsstoffe zu prüfen und die Verantwortung für die ordnungsgemäße Qualität zu übernehmen. Auch bei den Fertigarzneimitteln melden die Apotheker alle ihnen bekannt gewordenen Qualitätsmängel direkt an die Arzneimittelüberwachung. In der Klinik hat der Apotheker außerdem die Möglichkeit durch die Auswertung von Antidotordern das Auftreten von Arzneimittelnebenwirkungen zu eroieren. Das Medikamtenprofil, welches dem Apotheker durch die Anforderungen der Stationen bekannt ist, liefert weitere Anhaltspunkte die es ermöglichen unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu verifizieren.
Eine bisher vor allem im angloamerikanischen Raum praktizierte Methode ist die Betreuung der Patienten durch den Apotheker auf Station. Durch die Synergie des medizinischen Wissens der Ärzte und des pharmazeutisch-pharmakologischen Wissens der Apotheker, können unerwünschte Wirkungen eher erkannt, die Therapie für den Patienten optimiert und somit auch die Arzneimittelsicherheit weiter erhöht werden und Kosten im Gesundheitssystem gesenkt werden.

Zur Studie der EU-Apotheker: Pharmakovigilanz in Europa