Wundversorgung: Narbenbildung kann man vorbeugen
 
Tipps von der Apothekerin
 
Wird die Haut durch eine äußere Einwirkung verletzt, entsteht eine Wunde. Wie kein anderes Organ besitzt jedoch die menschliche Haut die Fähigkeit, verlorene Zellen vollwertig zu ersetzen. Verletzte Hautschichten wachsen zusammen, indem die Wunde zuerst mit einem Blutgerinnsel verschlossen und dann von innen mit einem Bindegewebe aufgefüllt wird.

Wundpflegemittel kommen bei oberflächlichen Schürfwunden, Kratz- und Risswunden und anderen Reizzuständen der Haut zum Einsatz und verbessern den Heilungserfolg, indem sie die Haut befeuchten, Wunden abdecken und die Granulationsgewebebildung fördern. Salben auf Dexpanthenolbasis sind gut haut- und wundverträglich, auch Zinkoxid-Salben sind zu empfehlen, da diese ein Austrocknen der Wunde verhindern. Lebertran als Zusatz hat eine hautpflegende Wirkung, Hamamelisextrakt kann entzündungshemmend eingesetzt werden und Wundpflegesalben mit Harnstoff reichern die Haut mit Feuchtigkeit an. Gerne genommen werden auch Salben mit dem ätherischen Öl der Kamille.

Für Wunden, die zur Narbenbildung neigen, stehen besondere Präparate zur Verfügung. Die Anwendung dieser Mittel sollte bereits direkt nach der Wundheilung begonnen werden, man kann aber auch bei bereits länger vorhandenen Narben gute Erfolge verbuchen. Je früher allerdings das Narbengewebe gepflegt wird, um es weich und geschmeidig zu halten, desto größer ist die Chance, dass die Narbe glatt, funktionstüchtig, elastisch, widerstandsfähig und kosmetisch unauffällig wird.

Narbenpflege
Das Narbengewebe enthält keine Schweißdrüsen oder Haarwurzeln und ist auch anders gefärbt. Erst nach Jahren verliert sich die meist rötliche Verfärbung und die Narbe verblasst. Mehr Probleme verursacht die fallweise überschießende Produktion von Narbengewebe, die unter der Bezeichnung »Keloid« bekannt ist. Diese Bindegewebswucherung entsteht erst Wochen bis Monate nach der Abheilung der Verletzung und hebt sich strangförmig von der Haut ab. Manchmal juckt sie auch, doch in erster Linie stört sie kosmetisch. Es gibt Salben bzw. Gele die die Keloidbildung mehr oder weniger unterdrücken und auf jeden Fall dazu beitragen, dass das Narbengewebe locker und geschmeidig wird. Zur Verfügung stehen Salben, die Heparin, Allantoin und Zwiebelextrakt enthalten. Neuerdings gibt es auch äußerlich anzuwendende Silikon-Produkte. Unter der dünnen Silikonschicht entsteht ein Feuchtigkeitsgleichgewicht, das den Heilungsprozess in dem Maße fördert, dass die Narbe nach durchschnittlich zweimonatiger Therapiedauer nur noch als blasse Kontur zu sehen ist. Während dieser Behandlung kann die Narbe auch überschminkt werden.

Narbenbildung kann man auch vorbeugen, indem man die Wundheilung möglichst ungestört ablaufen lässt. Das bedeutet, eine heilende Wunde nicht belasten, kein Zug, kein Druck, keine starke Dehnung. Wichtig ist Geduld bei der Narbenbehandlung: Narbiges Bindegewebe ist sehr schlecht durchblutet und wächst langsam. Jeder Behandlungserfolg kann daher erst nach längerer Zeit sichtbar werden.

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Tipps:
    • Dass jede Wunde zu reinigen und zu desinfizieren ist, ist mittlerweile hinlänglich bekannt.
    • Bitte keine Wundsalbe auf offene Wunden geben! Von Wundpudern ist man überhaupt abgekommen. Auch Wundbenzin hat auf Wunden nichts verloren, es eignet sich aber sehr gut, um Klebereste von Pflastern zu entfernen.
    • Die feuchte Wundheilung mit Gel-Kompressen oder Salbenverbänden gilt als state of the art, da so die Granulation und Epithelisation ungleich schneller und komplikationsfreier erfolgt. Nässende Wunden benötigen Gele, Cremen sind dann anzuwenden, wenn sich gerade neues Gewebe bildet und Salben dienen zur Behandlung von Wunden, die schon mit einer Kruste bedeckt sind.

    TV-Apothekerin Mag. Haase zum Thema
    "Narbenbildung kann man vorbeugen" in der Sendung
    „Herbstzeit“ am 17.10.2007: Beitrag als Video abspielen
    (Windows Media-Audio-/Videodatei 340 KBits/s)