Frühlingsbote Löwenzahn
 
In der Phytotherapie wird die Pflanze gerne im Rahmen von "Frühjahrskuren" genutzt
 
Er ist nicht nur ein wunderschöner Frühlingsbote, der Löwenzahn wurde bereits im Altertum von griechischen und arabischen Ärzten als Heilmittel geschätzt. Auch heute noch ist er in den Apotheken unter der Bezeichnung Taraxacum officinale in Tees und anderen Zubereitungen erhältlich (das lateinische Wort "officinale" bedeutet, dass die Pflanze als Arzneimittel gilt; vergleiche „offizinell“ für „in der Offizin = Apotheke“).
Die lateinische Bezeichnung Taraxacum ist arabischen Ursprungs und von Tharakhchakon, einer nicht näher feststellbaren Pflanze mit gelben Blüten, abgeleitet. Nach einer anderen Theorie kommt Taraxacum aus dem Griechischen (griechisch taraxis = „Augenentzündung“ und akeomai = „ich heile“), da der Milchsaft des Löwenzahns früher auch zur Behandlung von Augenkrankheiten verwendet wurde.
Die Bezeichnung Löwenzahn kehrt in sehr verschiedenen Sprachen wieder und ist ein Hinweis auf die scharfen Zähne an den Blättern.
Aus dem Löwenzahn wird nach der Blüte die Pusteblume. Die kleinen Früchte werden mit Hilfe ihres „Fallschirms” zur Freude der Kinder in alle Winde geblasen. Bei Gartenbesitzern ist die Pflanze in der Regel nicht so beliebt. Denn der robuste Korbblütler lässt sich praktisch nicht ausrotten und schafft es sogar, zwischen Pflastersteinen und Mauerritzen zu gedeihen.
In der Phytotherapie wird der Löwenzahn aufgrund seiner Wirkung auf das Entgiftungsorgan Leber u.a. gerne im Rahmen so genannter Frühjahrskuren genutzt.

Löwenzahn pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Taraxacum officinale Wiggers s.l.
Volksnamen: Ackerzichorie, Bettseicherwurzel, Butterblume, Kettenblume, Kuhblume, Märzenbusch, Maiblume, Milchblume, Lichtli, Pfaffendistel, Pfaffenöhrlein, Pferdeblume, Pißblom, Pusteblume, Seicherwurzel, Ringelblume, Röhrlichrut, Schmalzblümlein, Wiesenlattich
Synonyme: Dandelion root and herb (engl.); Racine et herbe de dent lion, racine et herbe de pissenlit (franz.). Der englische Trivialname dandelion ist eine Verballhornung des französischen dent de lion (Löwenzahn). Die harntreibende Wirkung der Pflanze wird im französischen „Pissenlit” und im luxemburgischen „Bettseechers” angedeutet.

StammpflanzeTaraxacum officinale Wiggers s.l. Familie der Korbblütler (Asteraceae)
Verwendete PflanzenteileWurzel (Radix Taraxaci); blühende oberirdische Teile (Herba Taraxaci)
Offizinell Radix Taraxaci: Bitterwert mind. 100
Species cholagogae: 30 Teile Löwenzahnwurzel, je 20 Teile Kamillenblüte und Pfefferminzblatt, je 15 Teile Faulbaumrinde und Andornkraut
InhaltsstoffeBitterstoffe: Sesquiterpene vom Eudesmanolid- und Germacranolidtyp
Triterpene: Taraxasterol u. a.
Weitere Inhaltsstoffe: Phenolische Verbindungen (Taraxacosid, Phenolcarbonsäuren, Flavonoide), in der Wurzel Kohlenhydrate (Schleim, Fruktose und Inulin), im Kraut mineralische Bestandteile (bis zu 4,5 % Kalium)
AnwendungsgebieteStörungen im Bereich des Galleabflusses; Beschwerden im Bereich von Magen und Darm wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsbeschwerden; zur Anregung der Diurese (Harnausscheidung durch die Nieren).
Der diuretische und saluretische Effekt (= Ausscheidung von Wasser und Salzen wie Natrium, Kalium, Chlorid und Bikarbonat fördernder Effekt) ist stärker ausgeprägt als bei anderen harntreibenden Arzneidrogen (z. B. Schachtelhalmkraut). Die Wirkung wird mit dem hohen Kaliumgehalt erklärt. Die cholagoge (Galle entstauende) Wirkung wird auf die Sesquiterpene zurückgeführt.
GegenanzeigenEntzündungen oder Verschluss der Gallenwege; Darmverschluss
NebenwirkungenWie bei allen bitterstoffhaltigen Drogen können superazide Magenbeschwerden auftreten.
Wechselwirkungenkeine bekannt
TeebereitungEtwa 1-2 Teelöffel voll Löwenzahn werden mit einer Tasse (ca. 150 ml) Wasser kurz aufgekocht und nach ca. 15 min abgeseiht.
Empfohlene Dosierung
Löwenzahnkraut: mittlere Tagesdosis: 3-4mal täglich 4-10 g Droge.
Löwenzahnwurzel mit Kraut: mittlere Tagesdosis: 3mal täglich 3-4 g pro Tasse.
Löwenzahnwurzel: mittlere Tagesdosis: 4,5 g Droge.
Berechnungsgrundlage: 21 g Löwenzahnkraut, 10,5 g Löwenzahnwurzel mit Kraut, 4,5 g Löwenzahnwurzel.
Dosierung der Tinkturtäglich 3 x 10 – 15 Tropfen
Dauer der AnwendungZubereitungen aus Löwenzahn sollen kurmäßig 4 bis 6 Wochen angewendet werden.
Anwendung in der HomöopathieHAB 1; Löwenzahn, die ganze, frische, blühende Pflanze
Anwendungsgebiet: Lebererkrankungen und Verdauungsbeschwerden

Sammeltipps
Löwenzahn muss im Frühjahr, in den Monaten April und Mai gesammelt werden. Häufiger Kontakt mit dem Milchsaft der frischen Pflanzen kann bei empfindlichen Personen Hautreaktionen auslösen. Das reicht von braunen Verfärbungen, die erst nach Tagen wieder verschwinden, bis zu Juckbeschwerden (Kontaktdermatitis).
Hinweis: Manche Menschen glauben, dass Löwenzahn giftig ist, weil er weißen Milchsaft enthält („alle Pflanzen mit weißem Milchsaft sind giftig“). Diese Faustregel stimmt für Wolfsmilch-Arten (z.B. Weihnachtsstern), der Löwenzahn und dessen Milchsaft ist aber ungiftig.

Verwechslungsmöglichkeiten
Löwenzahn ist sehr leicht mit anderen Pflanzen der Gattung Taraxacum zu verwechseln, die sehr ähnlich aussehen und manchmal nur durch die Form der Samen unterschieden werden können. Auch die ebenfalls Löwenzahn genannten Arten aus der Gattung Leontodon sowie das Gewöhnliche Ferkelkraut sind sehr ähnlich. Die Blütenstandsstiele dieser Pflanzen sind jedoch nicht hohl.

Sonstige Verwendung
Aus den gelben Blüten kann man einen wohlschmeckenden, honigähnlichen Sirup oder ein Gelee als Brotaufstrich zubereiten. Die jungen, nur leicht bitter schmeckenden Blätter werden gerne auch als Salat verarbeitet. Aus der getrockneten Wurzel der Pflanze wurde früher ein Ersatzkaffee hergestellt (Zichorienwurzelersatz). Seit einigen Jahren laufen in Europa und Nordamerika wieder Versuche, Löwenzahn zur Kautschukgewinnung einzusetzen. Bislang wird Naturkautschuk ausschließlich aus dem südamerikanischen Gummibaum Hevea brasiliensis gewonnen.




Quelle: Phytokodex
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