Orale feste Arzneiformen - auf die Galenik kommt es an
 
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Durch Fortschritte der pharmazeutischen Technologie stehen heute Arzneiformen zur Verfügung, welche die Verträglichkeit erhöhen können und die Dosierungsschemata vereinfachen helfen. Arzneimittel können aber nur dann richtig wirken, wenn sie korrekt eingenommen oder angewendet werden. Fragen Sie Ihre Apothekerin, Ihren Apotheker!

Pulver, Tabletten, Dragees und Kapseln: Auf die Galenik kommt es an.
Die Galenik ist die Lehre von den Darreichungsformen (Arzneiformen) und beschäftigt sich mit der Verarbeitung eines Wirkstoffs mit den richtigen Hilfsstoffen in ein gebrauchsfertiges Arzneimittel. Der Begriff Galenik geht auf den im 2. Jahrhundert geborenen griechischen Arzt und Naturforscher Galenos von Pergamon zurück und ist zum einen ein älteres Synonym zu Pharmazeutischer Technologie, zum anderen spricht man von der Galenik eines Arzneimittels. Ein Unterschied in der Galenik eines Arzneimittels kann bei identischem Wirkstoffgehalt zu unterschiedlich ausgeprägter Wirkung führen.

Apothekerinnen beschäftigen sich während ihres Pharmaziestudiums viel mit Galenik bzw. Pharmazeutischer Technologie.



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Arzneiformen: Wie wird der Wirkstoff "verpackt"
TV-Apothekerin Mag.pharm. Sonja Wurst in der Sendung Winterzeit am 25. Jänner 2012 um 17:40 Uhr im ORF 2.

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Zu den festen Darreichungsformen gehören z.B. Pulver, Tabletten, Dragees, und Kapseln. Und da gibt es wieder viele Sonderformen wie magensaftresistente Zubereitungen, Depotarzneiformen, bei denen die Wirkstofffreisetzung durch Retardierung über einen längeren Zeitraum erfolgt oder Sublingual-, Buccal und Schmelztabletten, die nicht einfach geschluckt werden dürfen.

Pulver sind feste Arzneizubereitungen, die aus trockenen mehr oder weniger feinen Teilchen bestehen. Die Pulver enthalten einen oder mehrere Wirkstoffe mit oder ohne Hilfsstoffe. Man unterscheidet abgeteilte (= einzeldosierte) Pulver von mehrfachdosierten Pulvern.

Pulver können
    • peroral (in Wasser eingenommen, evntuell auch als Brausepulver)
    • oder lokal (z.B. als Puder zum Streuen auf die Haut)
angewendet werden.
    • Weiters gibt es Pulver zur Herstellung von Flüssigkeiten (z.B. Antibiotika-Trockensäfte, oder zur Herstellung von Augentropfen oder Injektionslösungen.
    • Bei Atemwegserkrankungen werden Pulverinhalatoren eingesetzt, die das mikronisierte Wirkstoff-Pulver direkt in die Lunge einbringen.

Tabletten sind in Form gepresste feste Zubereitungen aus einem oder mehreren Wirkstoffen. Es wird zwischen mehreren Arten von Tabletten zur peroralen Anwendung unterschieden:
    • nichtüberzogene Tabletten: nach dem Pressvorgang erfolgt keine weitere Behandlung
    • Brausetabletten: müssen in Wasser gelöst werden
    • überzogene Tabletten:
      • Filmtabletten sind mit einem Film überzogen (der verhindert z.B. den schlechten Geschmack eines Arzneistoffes, schirmt Umwelteinflüsse ab oder dient zur Erleichterung der Einnahme)
      • magensaftresistent überzogene Tabletten: sind mit einer im Magensaft unlöslichen Schicht überzogen, die Tablette löst sich erst im Darm auf
      • Tabletten mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (z.B. Retard- oder Depot-Tabletten)
    • Tabletten zur Anwendung in der Mundhöhle z.B. Lutschtabletten, Sublingualtabletten (werden unter die Zunge gelegt) und Bukkaltabletten (in die Backentasche).
      • Schmelztabletten sind plättchenartige Lyophilisate, die im Mund ohne weitere Flüssigkeitszufuhr innerhalb von 30 Sekunden zergehen bzw. sich auflösen. Diese Arzneiform ist praktisch für Präparate, die schnell wirken sollen und für Arzneimittel, die man „unterwegs“ ohne Flüssigkeit einnimmt.

Dragees sind Tabletten mit zusätzlichem Überzug (meist Zuckerguss, oft gefärbt), der Überzug, kann auch säureresistent sein, damit sich das Dragee erst im Dünndarm auflöst. Die Vorteile von Dragees entsprechen im Wesentlichen denen der Filmtabletten.

Teilen und Zerkleinern von Tabletten
Tabletten dürfen generell nur dann geteilt werden, wenn dies laut Herstellerangaben möglich ist. Dragees, Retard-Zubereitungen und magensaftresistente Tabletten dürfen vom Patienten grundsätzlich nicht zerkleinert werden.

Kapseln sind Arzneiformen, bei denen Wirkstoffe zusammen mit den Hilfsstoffen in einer mehr oder weniger elastischen Hülle eingeschlossen sind. Die Hülle besteht meist hauptsächlich aus Gelatine. Auch bei Kapseln kann die Hülle mit einem magensaftresistenten Überzug versehen sein.

Man unterscheidet:
    • Hartgelatinekapseln bestehen aus zwei ineinander gesteckten Hälften und sind in der Regel mit Pulver oder Granulaten gefüllt. Sie sind einfach, ohne großen maschinellen Aufwand, auch in einer Apotheke herzustellen, dürfen aber nur feuchtigkeitsunempfindliche Pulver enthalten.
    • Weichgelatinekapseln können auch mit öligen oder pastösen Massen gefüllt werden. Aufgrund des Herstellungsverfahrens haben sie meist an den Längsseiten eine Naht.

Nicht alle Kapseln werden geschluckt.
    • Zerbeißkapseln (z.B. Nitratpräparate bei Anginapectoris-Anfall) werden im Mund zerbissen, der freigesetzte Wirkstoff wird über die Mundschleimhaut resorbiert.

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