Chinesische Medizin (TCM)
 
Arzneien aus dem Reich der Mitte
 
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), eines der ältesten medizinischen Systeme der Welt, ist auch heute noch von großer Aktualität. Sie fasziniert durch von unserer Medizin sehr unterschiedliche Sichtweisen und Therapiemethoden.

Die Akupunktur hat sich mittlerweile einen festen Platz in der westlichen Medizin erobert. Nun beginnen sich immer mehr Menschen auch für andere Heilmethoden aus dem Reich der Mitte zu interessieren. Doch hier ist Vorsicht geboten und unbedingt ein spezialisierter Arzt oder Apotheker zu Rate zu ziehen. Der chinesischen Medizin liegt ein Jahrtausende altes philosophisches System zugrunde, das für westlich denkende Menschen nicht leicht zu verstehen ist. Die Diagnose in der chinesischen Medizin folgt ganz anderen Prinzipien als in der westlichen Medizin, sie ist kompliziert und erfordert ein gründliches Studium. Bei selbsternannten „Experten“ setzt man seine Gesundheit auf Spiel.

Chinesische Arzneimittel haben oft sehr komplexe Zusammensetzungen. Nur entsprechend ausgebildete Fachleute können hier den Überblick behalten. Bei chinesischen Arzneimitteln handelt es sich auch keineswegs nur um „harmlose Naturprodukte“, die nach dem Motto „Viel hilft viel“ genommen werden können. Falsche Dosierung oder falsche Präparate können der Gesundheit beträchtlichen Schaden zufügen. In spezialisierten Apotheken finden sie Beratung und hochwertige Präparate.

Chinesische Heilmittel können mineralische, tierische (z.B. getrocknete Gifttiere wie Skorpione als Mittel gegen Krämpfe, Echsen-Tee, ein Sud von gedörrten Geckos gegen Asthma, gestößelter Tausendfüßler gegen Rheuma u.v.m.) und pflanzliche Stoffe enthalten. Über 4000 verschiedene Pflanzen kommen dabei zum Einsatz! Einige davon beziehungsweise deren Inhaltsstoffe könnten sich in Zukunft als wertvolle Bereicherung für die westliche Medizin erweisen. Die Überprüfung ihrer Eignung wird allerdings noch einige Zeit brauchen.



Clausena lansium mit ausladender Krone und essbaren Früchten
    Die baumähnliche Pflanze Clausena zum Beispiel birgt offenbar so einen neuen Wirkstoff. Tee aus Clausena lansium (Huang-pi-Tee) wird in einigen Gegenden Südchinas seit langem gegen Grippe, periodisches Fieber, Gelbsucht und Schwellung verwendet. Statistiken haben nun gezeigt, dass in diesen Gegenden weniger Menschen an Hepatitis leiden als in anderen Regionen Chinas. Könnte das vielleicht an diesem Tee liegen? (R. Bauer, Pharmazie in unserer Zeit 1994, 291). Tatsächlich hat sich nun herausgestellt, dass im wässrigen Extrakt getrockneter Blätter von Clausena lansium ein Wirkstoff enthalten ist, der die Leber schützt .

    Eine Art von Artemisia wiederum, verwandt mit dem hier heimischen Wermut und Beifuß, wird in China unter anderem gegen Malaria eingesetzt. Auch hier konnte ein „verantwortlicher“ Wirkstoff gefunden werden.

    Beispiele in Europa
    bekannter chinesischer Phytopharmaka sind Ginseng, die Angelica sinensis Wurzel, Süßholz, Chrysanthemenblüten und -blätter, Rhabarber, Rehmania glutinosa, Ephedra sinica usw.




Literatur Empfehlung
Stöger, Erich A
Arzneibuch der chinesischen Medizin
Monographien des Arzneibuches der Volksrepublik China 1995, 2000 und 2005

Verlag : Deutscher Apotheker Verlag
ISBN : 978-3-7692-3968-3
Loseblattausgabe, 1578 S., 168 schw.-w. Abb.
Erschienen : 2. Aufl. 2005

Pressemeldungen über verunreinigte oder verfälschte chinesische Arzneidrogen verunsichern Heilberufe und Patienten. Mit dem ersten umfassenden deutschsprachigen Werk über die pflanzlichen Heilmittel der Chinesischen Medizin gelingt Ihnen die sichere Identifizierung und Qualitätskontrolle von 330 häufig verlangten Drogen mittels apothekengerechter Prüfmethoden: Mikroskopie, Farbreaktionen, Dünnschichtchromatographie. Weitere Angaben betreffen die Gehaltsbestimmung, die Dosierung sowie die Wirkungen und Indikationen. Drogenmonographien sind aktualisiert und an das Chinesische Arzneibuch 2005 angepasst. Ein wertvolles Nachschlagewerk für die verantwortungsvolle Prüfung und fundierte Verordnung traditioneller chinesischer Arzneidrogen.

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(Österreichische Apotheker-Zeitung ÖAZ)

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    MMag. Erich Stöger
    Magister der Pharmazie sowie der Sinologie und Anthropologie. Chinesisch-Studium an der Taiwan Normal University, seither zahlreiche Monografien von der chines. Pharmacopoeia übersetzt und veröffentlicht. Seit 1990 Analyse von chines. Kräutern und Extrakten für ein Labor in Deutschland. Führt das chinesische Großhandelskräutergeschäft „Plantasia“ in Österreich (beliefert ausschließlich Apotheken). Internat. Referent, Mitautor von einigen Büchern wie „Monographien des Arzneibuches der Volksrepublik China“ 1990, 1995 und 2000 u.a.m.