Von Compliance zur Adhärenz: Therapietreue als gemeinsame Aufgabe
 
 
Jeder fünfte Patient, der langfristig Medikamente einnehmen muss, setzt diese vorzeitig ab. Diese Non-Compliance, wie mangelnde Therapietreue bezeichnet wird, gefährdet nicht nur den Behandlungserfolg, sondern verursacht auch hohe Kosten.

Therapietreue im Sinne von Compliance (engl. für Einhaltung, Folgsamkeit) meint, dass der Patient tut, was der Behandler von ihm verlangt. Wir haben es hier also mit einem Modell zu tun, welches durch die Autorität und alleinige Entscheidungshoheit des Arztes charakterisiert ist. Die Verantwortung für die Nichteinhaltung eines Planes läge demnach einseitig bei dem Patienten. Dieses Modell berücksichtigt aber nicht den Umstand, dass Patienten aufgrund eigener rationaler Überlegungen oder aufgrund von Faktoren, die dem Arzt nicht bekannt sind, eine Therapieanweisung nicht befolgen.

Demgegenüber steht bei dem Begriff Adherence (im Deutschen auch Adhärenz) die aktive Zusammenarbeit von Arzt und Patient im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung und Therapiezielvereinbarung im Vordergrund. Für den Arzt heißt dies, auf die Wünsche und persönlichen Lebensumstände des Patienten im Zuge der Therapie soweit möglich einzugehen. Anders als im vormals genutzten Begriff der „Compliance“ geht es hier um ein gemeinsames Festhalten an den Therapieverabredungen unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Patienten, sowie der Faktoren, die es dem Patienten erschweren, das Therapieziel zu erreichen.

Entsprechend hat die Weltgesundheitsorganisation (2003) Adherence definiert als „the extend to which a person´s behavior - taking medication, following a diet, and/or executing lifestyle changes, corresponds with agreed recommendations from a health care provider.“ Man spricht somit von Non-Adhärenz, wenn der Patient sich nicht oder nur unvollständig an die vorher mit dem Behandler vereinbarten Behandlungsabsprachen hält.

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WHO Projekt >Questions to ask about your medicines<