Zeitverschiebung auf Reisen: Umstellung der Arzneimittel-Einnahme-Zeiten
 
Was Sie bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten beachten sollten
 
Zu einer Zeitverschiebung kommt es bei jeder längeren Flugreise in Ost-West-Richtung. Bei Flügen in Ostrichtung dauert die Anpassung bei den meisten Reisenden länger als bei Flügen in Westrichtung. Für den Organismus von Bedeutung wird die Zeit, wenn mindestens drei Zeitzonen auf einmal überschritten werden. Die Rhythmik von Nahrungsaufnahme und Wach- und Schlafphasen zwischen Abflug- und Ankunftsort differiert dann so stark, dass sich der Biorhythmus erst nach einigen Tagen der neuen Ortszeit anpassen kann. In dieser Umstellungsphase ist die allgemeine Leistungsfähigkeit deutlich erniedrigt, es können Schlaf- und Verdauungsstörungen auftreten ("Jet Travel Syndrom"). Für die Zeit der Umstellung sind unter Umständen leichte Schlafmittel bzw. Verdauungspräparate anzuraten. Vor allem ist körperliche Schonung empfehlenswert.

Ein weiteres Problem, das die Zeitverschiebung mit sich bringt, entsteht für Patienten, die ein Medikament auf Dauer einnehmen müssen (auch die "Pille"). Generell kann man sagen, dass die Einnahme von Medikamenten wie Insulin, die immer an Mahlzeiten gekoppelt sind, weniger Probleme machen. Zu beachten ist allerdings, dass der Blutzuckerspiegel während eines langen Fluges öfter kontrolliert werden sollte. Verlängert sich der Tag für den Patienten, muss unter Umständen zusätzlich Insulin gespritzt werden, wird der Tag kürzer, dann entsprechend weniger. Das Ausmaß lässt sich mit folgender Faustregel leicht berechnen: Die innerhalb von 24 Stunden nötige Insulindosis reduziert sich um den Bruchteil, der sich aus der Zeitverschiebung ergibt. Ein Beispiel: Wenn sie bei einer Reise nach Ostasien Ihre Uhr z.B. um 6 Stunden vorstellen, reduziert sich der Insulinbedarf am Reisetag um 6/24, also um ein Viertel. An den folgenden Aufenthaltstagen im Gastland brauchen Sie dann die normalen Insulindosen – natürlich nach entsprechender Blutzuckerkontrolle, damit auch die jeweilige Kost und die Bewegung berücksichtigt werden. Bei Reisen Richtung Westen gelten die umgekehrten Vorzeichen, d.h. die Insulinmenge ist entsprechend der Zeitverschiebung am Reisetag zu erhöhen, zweckmäßigerweise durch eine zusätzliche Insulindosis.

Bei Medikamenten wie Antibiotika kommt es darauf an, einen bestimmten Wirkstoffspiegel im Körper konstant aufrecht zu erhalten. Deshalb sollten diese Arzneimittel immer im gleichen Abstand eingenommen werden. Muss man beispielsweise 2 x täglich eine Tablette nehmen, so könnte bei Flugreisen Richtung Osten unter Umständen eine Dosis ausfallen, während in Richtung Westen eine zusätzliche Dosis eingeschoben werden müsste.

Andere Medikamente, wie zum Beispiel Glukokortikoide, müssen der Empfindlichkeit des Organismus während des Tagesablaufs angepasst werden (siehe Stichwort Chronopharmakologie). Für diese Medikamente muss ein exakter Einnahmeplan erstellt werden, der die Zeitumstellung vor Ort mit der langsameren Umstellung der eigenen Biorhythmen in Einklang bringt. Man geht meist von einer „Anpassungsgeschwindigkeit" von zwei Stunden pro Tag aus. Folglich werden diese Medikamente bei Reisen ostwärts dann jeweils zwei Stunden früher, westwärts zwei Stunden später eingenommen, bis der Einnahmezyklus wieder komplett ist.
Tipp vom Apotheker: Hilfreich ist es, dafür eine eigene Uhr zu verwenden.
Beispiel: jemand muss täglich um 8 Uhr ein Kortisonpräparat nehmen: Auf der Reise wird die "Arzneimitteluhr" jeden Tag um 2 Stunden vor (ostwärts) oder um zwei Stunden zurück (westwärts) gestellt, solange, bis sie mit der Ortszeit übereinstimmt. Immer wenn es auf der "Arzneimitteluhr" 8:00 ist, nimmt man das Medikament.
Für die Antibabypille auf Reisen gibt es eigene Einnahme-Empfehlungen.

Unproblematischer ist die Anpassung bei Arzneimitteln mit genügend langer Halbwertszeit, da der Wirkstoffspiegel bei diesen Medikamenten länger aufrecht bleibt, spielt die Zeitverschiebung keine so große Rolle. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!


Einige allgemeine Beispiele: Einnahme von Arzneimitteln unter Beachtung der Zeitverschiebung.

Zeitverschiebung: - 6 Stunden (z.B. Flug Mitteleuropa - USA)
    übliche Einnahme um 8 Uhr MEZ
    Einnahme am Abflugtag um 10 Uhr MEZ
    1. Tag: Einnahme 6 Uhr Ortszeit USA
    2. und jeder weiterer Tag: Einnahme um 8 Uhr Ortszeit USA.
    (Umstellung beim Rückflug analog Zeitverschiebung + 6 Stunden)
Zeitverschiebung: + 6 Stunden (z.B. Flug Mitteleuropa - Thailand)
    übliche Einnahme um 8 Uhr MEZ
    Einnahme am Abflugtag um 6 Uhr MEZ
    1. Tag: Einnahme 10 Uhr Ortszeit (Thailand)
    2. und jeder weitere Tag: Einnahme um 8 Uhr Ortszeit (Thailand)
    (Umstellung beim Rückflug analog Zeitverschiebung - 6 Stunden)