Lipidsenker zur Behandlung erhöhter Blutfette
 
Ernährungsumstellung sowie eine vermehrte körperliche bzw. sportliche Aktivität für den Therapieerfolg wichtig.
 
Unter Blutfetten (Lipiden) versteht man im allgemeinen Cholesterin und Triglyceride. Beide erfüllen im Körper wichtige Funktionen und sind unschädlich, wenn ihre Konzentrationen im Normbereich liegen. Allerdings kann eine zu hohe Konzentration von Cholesterin und Triglyceriden im Blut zur Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) beitragen und ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Durch die zu reichliche Zufuhr von tierischen Fetten mit der Nahrung steigt das Cholesterin im Blut an. Wenn der Wert über 160 mg% liegt, wird das Fett bereits in den Gefäßen abgelagert. Wenn der Gesamtcholesterin-Wert über 200 mg% liegt, bleibt das Fett länger dort. Wenn dann noch das "gute" HDL-Cholesterin zu niedrig ist, kann das "böse" LDL-Cholesterin nicht mehr aus den Blutgefäßen herausgeholt werden.

    • Der LDL-Wert („böses Cholesterin“) sagt etwas darüber aus, ob mehr Cholesterin in die Gefäßwand eingebaut wird, das heißt: je höher der gemessene Wert, desto mehr Risiko!
    • Der HDL-Wert („gutes Cholesterin“) gibt Auskunft, ob mehr Cholesterin aus den Gefäßwänden abgebaut wird: je höher der gemessene Wert, umso weniger Risiko
Ein zu hoher Cholesterinspiegel lässt sich durch leichte und fettarme Kost und körperliche Bewegung um jeweils 10 bis 15 Prozent senken. Reichen diese Lebensstilfaktoren nicht aus, müssen Medikamente (Lipidsenker) eingesetzt werden. Aber auch gilt: zusätzlich zu den lipidsenkenden Arzneimitteln ist die Ernährungsumstellung sowie eine vermehrte körperliche bzw. sportliche Aktivität für den Therapieerfolg wichtig.

Wichtige Arzneimittel zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen
(aus: E. Beubler „Kompendium der Pharmakologie“)

Zur Behandlung stehen Arzneimittel mit unterschiedlichen Angriffspunkten zur Verfügung. Die erste Gruppe stellen die sogenannten Hemmstoffe der Cholesterinsynthese in der Leber dar. Als Folge der Hemmung wird die Leberzelle gezwungen, aus dem Blut mehr LDL-Cholesterin aufzunehmen, um den körpereigenen Bedarf an Cholesterin zu decken. Die sogenannten Fibrate greifen in den Fettstoffwechsel der Leber ein und senken so den LDL-Cholesterinwert. Die Ionenaustauscher verhindern durch Bindung der Gallensäure im Darm die Rückresorption der Gallensäuren und zwingen damit die Leber, aus dem LDL-Cholesterin neue Gallensäuren zu bilden. Der relativ neuartige Wirkstoff Ezetimib ist ein im Darm wirkender, selektiver Cholesterinwiederaufnahmehemmer und gehört somit zur vierten Gruppe der Lipid senkenden Arzneistoffe.

Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.

Cholesterin-Synthese- Hemmer
Statine (HMG-CoA-Reduktasehemmer) – sie hemmen die Eigenproduktion von Cholesterin und fördern die Aufnahme von LDL-Cholesterin in Körperzellen. Dadurch sinkt der Cholesterinspiegel im Blut.
      Wirkungen: Statine sind heute die Mittel der Wahl bei der Prävention koronarer Herzkrankheiten und bei der Prävention von Reinfarkten. Sie senken das Serumcholesterin um etwa 45% und das LDL Cholesterin dosisabhängig bis zu 55%. Die Triglyzeride werden leicht erniedrigt und das HDL-Cholesterin leicht erhöht. Darüber hinaus haben sie positive Wirkungen auf das Endothel, steigern die Revaskularisierung ischämischen Gewebes, hemmen die Plättchenaggregation und stabilisieren atherosklerotische Plaques.
      Wirkungseintritt und -dauer: Statine sollen erst nach einer dreimonatigen cholesterinsenkenden Diät und dann einmal täglich, in der Regel abends, mit Flüssigkeit verabreicht werden. Dosisanpassungen erfolgen in großen Intervallen, die cholesterinsenkende Diät soll beibehalten werden.
      Nebenwirkungen: Statine sind allgemein gut verträglich. Nebenwirkungen können gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Juckreiz und Mundtrockenheit sein. Ein Anstieg der Serumtransaminasenwerte ist kein Anlass zum Therapieabbruch. Vereinzelt kommt es zu Myopathien.
      Kombinationsmöglichkeiten: Statine können mit Ionenaustauschern oder mit Ezetimib zur Verbesserung der Wirkung kombiniert werden. Eine Kombination mit Fibraten ist nur bei strenger Indikation zulässig, da die Inzidenz einer Rhabdomyolyse steigt.
      Wechselwirkungen: Statine werden über das CYP 3A4 System abgebaut. Wird dieses Enzym durch Arzneimittel wie Itraconazol, Clarythromycin oder Fibrate bzw. durch Grapefruitsaft gehemmt, kommt es zu einem Blutspiegelanstieg an Statinen und zu einer Risikoerhöhung hinsichtlich Myopathien bzw. Rhabdomyalgien.
      Gegenanzeigen: Aktive Lebererkrankungen, sowie Schwangerschaft und Stillzeit.

Triglyceridsenker
Fibrate – diese senken hauptsächlich die Triglyceride.
      Wirkungsmechanismus: Fibrate beeinflussen mehrere Stoffwechselwege der Lipoproteine in der Leberzelle. Unter anderem aktivieren sie eine Lipoproteinlipase und damit den Abbau triglyzeridreicher Lipoproteine. Sie steigern die Fettsäureoxidation und beeinflussen die Synthese verschiedener Apo-Lipoproteine.
      Wirkungen: Unter Fibraten nimmt die Plasmakonzentration von HDL-Cholesterin zu, Gesamt- und LDL-Choiesterin werden leicht gesenkt. Fibrate werden hauptsächlich für die Behandlung von Hyperlipoproteinämien mit erhöhten Triglyceriden eingesetzt.
      Dosierung: Fibrate werden einmal täglich - morgens oder abends - eingenommen.
      Nebenwirkungen: Nebenwirkungen können gastrointestinale Beschwerden, Impotenz und eine Erhöhung der Leberenzyme sein. Es besteht wie bei den Statinen die Gefahr einer Myositis, die in Kombination erhöht ist.
      Kombinationsmöglichkeiten: Bei der Kombination mit Colestyramin soll ein Abstand von zwei Stunden eingehalten werden, da Colestyramin die Resorption der Fibrate hemmt.
      Wechselwirkungen: Fibrate verstärken die Wirkung von Cumarinen und ebenso die Wirkung von Sulfonylharnstoffen und Insulin. Fibrate sollen nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern eingesetzt werden. Bei gleichzeitiger Gabe von Fibraten mit Statinen erhöht sich die Gefahr einer Rhabdomyolyse.
      Gegenanzeigen: Gegenanzeigen sind schwere Lebererkrankungen, sowie Nierenfunktionsstörungen und Schwangerschaft und Stillzeit.
    Hemmstoffe der Gallensäure-Resorption
    Ionenaustauscher
    Vertreter: Colestyramin
        Wirkungsmechanismus: sie binden Gallensäuren im Darm und führen zu einer vermehrten Umwandlung von Cholesterin in Gallensäuren und damit zu einem Absinken der Cholesterin- Konzentration im Blut.
        Wirkungen: Colestyramin senkt das LDL Cholesteri n und das Serumcholesterin um 20-30%. Triglyceride und HDLCholesterin können leicht, selten auch stärker ansteigen.
        Dosierung, Wirkungseintritt und Wirkungsdauer: Die Dosierung sollte einschleichend erfolgen: am 1. Tag ein Beutel, am 2. Tag zwei Beutel, etc. Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt für den Erwachsenen 12-16g Colestyramin
        (3-4 Beutel). Bei Bedarf kann bis auf 24g täglich erhöht werden.
        Nebenwirkungen: Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden Übelkeit, Erbrechen und Sodbrennen: Colestyramin vermindert die Resorption fettlöslicher Vitamine, ein Vitaminmangel ist erst nach längerer Behandlungsdauerzu erwarten. Weitere Nebenwirkungen in vielen Organsystemen sind möglich.
        Kombinationsmöglichkeiten: Bei Kombination von Colestyramin mit anderen Arzneimitteln sollen diese zeitversetzt erst nach zwei Stunden eingenommen werden. Bei der Kombination von Colestyramin mit Statinen wird deren Wirksamkeit verbessert.
        Wechselwirkungen: Colestyramin kann die Resorption vieler anderer, vor allem saurer Arzneimittel wie Cumarinderivate, Penicilline und Schilddrüsenpräparate verzögern oder herabsetzen.
        Gegenanzeigen: Gegenanzeigen sind Obstruktionen der Gallenwege, schwere Nierenfunktionsstörungen und Hyperparathyreoidose.
    Hemmstoffe der Cholesterin-Resorption
    Vertreter: Ezetimib
        Wirkungsmechanismus: Ezetimib hemmt selektiv die Resorption von Nahrungs- Cholesterin, von Cholesterin aus der Galle und von Phytosterolen aus dem Darm. Dadurch wird weniger Cholesterin zur Leber transportiert.
        Wirkung: Ezetimib vermindert die Cholesterinresorption um ca. 50% und in der Folge sinkt der LDL-Cholesterinspiegel um etwa 20%. Auch Triglyzeride und HOL-Cholesterin werden günstig beeinflusst.
        Nebenwirkungen: Ezetimib hat sehr wenig Nebenwirkungen, die sich auch kaum von Placebo unterscheiden.
        Kombinationsmöglichkeiten: Ezetimib ist zur Monotherapie und zur Kombination mit Statinen oder Fibraten geeignet. So kann die Statin-Dosis in Kombination mit Ezetimib um den Faktor acht reduziert werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
        Wechselwirkungen: Ezetimib hat keinen Einfluss auf das Cytochrom P450 System; Wechselwirkungen sind zur Zeit keine bekannt.
        Gegenanzeigen: Gegenanzeigen sind schwer eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion.


    Welche Medikamente im Einzelfall am besten geeignet sind, und welche Nebenwirkungen oder Risiken vorkommen können, sollte in einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt geklärt werden. Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.

    In sehr schweren Fällen kann durch eine maschinelle Blutwäsche außerhalb des Körpers der Blutfettgehalt gesenkt werden.