Kräutersammler sollten die Pflanzen lieben und dabei auch Naturschützer sein
 
Tipps von Ihrer Apothekerin
 
    Abbildung: Die Schlüsselblume, Himmelschlüssel oder Primel (aus dem Lateinischen "Primula", bedeutet "die Erste"), ist von März an auf Wiesen zu finden und blüht dort bis Mai. Pharmazeutisch werden die Primelblüten mit Kelch (Flos Primulae cum calycibus) oder ohne Kelch (Flos Primulae sine calycibus) und der Wurzelstock mit Wurzeln (Primulae radix) zu Tees und zu Arzneimitteln bei Atemwegserkrankungen verarbeitet.

    Eins wunderschön blühende Primelwiese lädt zum Pflücken und Sammeln ein. Was ist generell dabei zu beachten?

    Kräuter selber sammeln?
    Das Interesse, Heilpflanzen selbst zu sammeln, steigt. Es ist eine schöne Freizeitbeschäftigung und besonderer Ausdruck der Naturverbundenheit, wenn man die Kräuter in ihrer natürlichen Umgebung kennenlernt und im wahrsten Sinn des Wortes begreift. Lesen Sie dazu weiter unten Tipps von Ihrer Apothekerin.


    Kräutersammler sollten die Pflanzen lieben und dabei auch Naturschützer sein!
    Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) sind weltweit bereits etwa 4.000 Heilpflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet. Der Handel mit gefährdeten Arten wird im Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen CITES geregelt. Etwa 350 Heilpflanzen stehen aufgrund des CITES Abkommens derzeit weltweit unter Schutz – ein Handel mit diesen Pflanzen oder mit Präparaten daraus ist nur unter besonderer Kontrolle erlaubt, zum Beispiele: das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis). Näheres in der WWF Broschüre.

Tipps von Ihrer Apothekerin:
      • Sammeln Sie nur Wildkräuter, die Sie genau kennen. Vor allem im zeitigen Frühjahr sind Jungpflanzen leicht zu verwechseln. Leider kommt es immer wieder zu Vergiftungen, ganz besonders tragisch sind die oft tödlichen Verwechslungen, wenn sich im selbst gepflückten Bärlauch einige Stämmchen vom giftigen Aronstab, von den Blättern des Maiglöckchens oder von der Herbstzeitlose befinden.
      • Besorgen Sie sich einen guten Pflanzenführer und nehmen Sie das Buch auch mit, wenn Sie nicht auf Kräuterpirsch sind: Das schärft ihren Blick für die Natur.
      • Etliche Pflanzenarten stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gesammelt werden. Beachten Sie, dass es hier länderweise Unterschiede geben kann. Einen Überblick über die geschützten Pflanzen geben die Listen, die bei den Bezirksbehörden erhältlich sind.
      • Selbstverständlich sollte sein, dass man nicht in Naturschutzgebieten Pflanzen sammelt.
      • Manchmal gibt es in einer Pflanzenfamilie seltene Unterarten, die nicht gesammelt werden dürfen. Etwa seltene Primelarten, wie z.B. die Mehlige Schlüsselblume (Primula farinosa) die unter Naturschutz steht.
      • Für Heilkräuter, die nicht unter Naturschutz stehen, gilt: Eine maßvolle Nutzung für den persönlichen, privaten Gebrauch ist erlaubt. Dabei dürfen aber keine erheblichen Nachteile für die Natur und andere Nutzer entstehen. Jedenfalls verboten sind Nutzungen im Rahmen von organisierten Sammelaktionen oder zu Erwerbszwecken.
Zusammenfassung: Kräuter selbst zu sammeln und zu verarbeiten, erfordert einige Voraussetzungen wie botanische Kenntnisse, aber auch die Kenntnis über
      • geeignete Standorte,
      • den richtigen Erntezeitpunkt und
      • die richtige Weiterverarbeitung (Trocknung, Zerkleinerung etc.)
Schon deshalb und selbstverständlich auch unter Berücksichtigung des Naturschutzes ist es von Vorteil, Heilkräuter nicht selbst zu sammeln sondern in der Apotheke zu kaufen. Bei den Heilpflanzen aus der Apotheke hat man nicht nur die Garantie, dass die Qualität überprüft wurde, sondern kann auch sicher sein, dass beim Anbau und bei der Ernte alle Umweltvorgaben und der Naturschutz eingehalten wurden.