Ehre sei Veronica: Traditionelle, in der modernen Phytotherapie wenig genutzte Arzneipflanze
 
Eine der bekanntesten blauen Blumen unserer Heimat ist der Ehrenpreis
 
    Der Echte Ehrenpreis ist eine mehrjährige, krautige, niedrige bis 20 cm hohe Pflanze mit gegenständigen behaarten Blättern und blassblauen in aufrechten Trauben stehenden Blüten. Ehrenpreis wächst in lichten Wäldern Europas, Vorderasiens und Nordamerikas.

    Ehrenpreis heißt mit dem lateinischen Gattungsnamen „Veronica“, und dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Veronica könnte sich von Betonica ableiten, Plinius berichtet, dass eine Betonica genannte Heilpflanze vom keltischen Volke der Vetonen angewendet wurde. Nach einer anderen Theorie kommt die Bezeichnung "Veronica" von "Vera Unica" (medicina), zu deutsch „einzig Wahres (Heilmittel)“. Und schließlich könnte auch eine direkte Verbindung zur Hl. Veronika zum Gattungsnamen geführt haben, denn diese Heilige wurde zur Unterstützung der Wundheilung angerufen.

Auf die Anwendung bei Hautkrankheiten und Wunden deutet auch der deutsche Pflanzennamen hin: Nach einer Erzählung sah einst im Frankenreich ein Jäger einen verwundeten Hirsch, der sich auf einer dicht mit Veronica bewachsenen Stelle niederlegte, von dem Kraut eifrig fraß und dadurch in kurzer Zeit geheilt war. Darüber sehr erstaunt, nahm der Jäger den Saft der Pflanze und ging zu seinem König, der seit Jahren an einer Hautkrankheit litt. Auch der König wurde vollkommen gesund und, um die heilsame Pflanze für alle Zeiten zu ehren und zu preisen, nannte er sie Ehrenpreis.

Im Mittelalter hatte der Ehrenpreis eine sehr große Bedeutung. In einem Kräuterbuch von Hieronymus Bock steht, der Ehrenpreis wäre „eine fürtreffliche Arznei gegen Alters-Auszehrung, Lungen- und Nierenleiden, Tuberkulose, chronische Bronchitis, Entzündung der Harnwege, Gastritis, Leberleiden, Gicht, Ekzeme, Altersjucken, Leberfäule, Lebersucht, zur Magenstärkung, Blutreinigung, gegen Schwindel, Heiserkeit usw.“

Ehrenpreis pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Veronica officinalis L.
    Das lateinische Wort "officinalis" gibt einen Hinweis auf die Apotheke (vergleiche „offizinell“ für „in der Offizin = Apotheke erhältlich“).
Volksnamen:
    Allerweltsheil, Bunger, Grindheil, Grundheilkraut, Hühnerraute, Männertreu, Frauenlist, Veronika, Viehkraut, Wundkraut, Zittli.
Synonyme:
    Male speedwell wort (engl.). Herbe de véronique, Herbe aux ladres (franz.)
Stammpflanze: Veronica offizinalis L. (Wald-Ehrenpreis) aus der Familie der Plantaginaceae (Wegerichgewächse) wurde früher zu den Scrophulariaceae (Braunwurzgewächse) gezählt.

Verwendeter Pflanzenteil: Blühende oberirdische Teile (Herba Veronicae).

Inhaltsstoffe:
    Etwa 0,5 – 1 % Iridoidglukoside (Catalpol, Veronicosid, Verprosid, Ladrosid u.a.); Phenolcarbonsäuren: Chlorogensäure, Kaffeesäure. Weitere Inhaltsstoffe: Flavonoide, Triterpensaponine und Gerbstoffe.

Anwendungsgebiete: In der Volksmedizin bei Asthma bronchiale, Appetitlosigkeit, rheumatischen Beschwerden, Gicht und "Blutreinigung" u. a.

Teebereitung: 1,5 g fein zerschnittenes Kraut wird mit 1 Tasse kochendem Wasser übergossen, nach 10 Minuten abgeseiht und schluckweise mäßig warm getrunken. 1 Teelöffel = etwa 1 g

Unerwünschte Wirkungen: Keine bekannt.
    Anwendung in der Homöopathie: Im HAB 1 ist das frische, blühende Kraut zu finden (chronische Bronchitis, Blasenkatarrh, chronische Hauterkrankungen).