Osteoporose: Moderne Arzneimittel bauen Knochen wieder auf
 
 
Osteoporose wird auch Knochenschwund genannt und ist eine Erkrankung, bei der die Knochenmasse so stark vermindert ist, dass es bereits beim Stolpern und Hinfallen zu Brüchen kommen kann. Osteoporose ist eine Krankheit, die uns alle treffen kann. Laut WHO ist Osteoporose eine der häufigsten Erkrankungen des Bewegungsapparates unserer Zeit. Osteoporose ist eine schleichende Krankheit, die jahrzehntelang ohne Symptome verlaufen kann und häufig erst dann entdeckt wird, wenn es zu Knochenbrüchen kommt .

Jede spezielle Osteoporose-Therapie muss von einer Basismedikation, bestehend aus einer Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr begleitet sein. Da es sich bei der Osteoporose um eine chronisch fortschreitende Erkrankung handelt, müssen entsprechende rezeptpflichtige Medikamente über lange Zeit eingenommen werden. Nur so kann dem Masse- und Strukturverlust des Knochens ausreichend entgegengewirkt werden. Auch wenn der durch Osteoporose bedingte Knochenschwund irreversibel ist, können mit den entsprechenden Therapien weitere Knochenbrüche vermieden werden.

Folgende Medikationen stehen in der heutigen Osteoporose-Therapie zur Verfügung:
Die Therapie der Osteoporose gehört in die Hand eines erfahrenen Arztes. Nähere Details zu den einzelnen hier aufgezählten Substanzen (Verfügbarkeit, Verschreibbarkeit, Dosierung, Kontraindikationen, unerwünschte Wirkungen, etc.) siehe Austria-Codex Fachinformation.

Antiresorptiva Zu den Antiresorptiva zählen Bisphosphonate (z. B. Alendronat, Risedronat, Eidronat), Kalzitonin, Östrogene (weibliche Geschlechtshormone), selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM) und aktivierte Formen von Vitamin-D (Vitamin-D-Metabolite). Antiresorptiva können einer stark erhöhten Knochenabbaurate entgegenwirken.

    • Bisphosphonate: Bisphosphonate sind metabolisch stabile organische Pyrophosphatverbindungen, die eine langfristige Knochenschutzwirkung hauptsächlich dadurch entfalten, dass sie sich an der Oberfläche der mineralisierten Knochensubstanz ablagern und so deren Abbau durch Osteoklasten verhindern.
        • Neuerdings steht eine attraktive Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung: Die Osteoporose-Spritze mit dem Wirkstoff Ibandronat, dem ersten und einzigen intravenös injizierbaren Bisphosphonat. Bei dieser innovativen Therapieform – alle drei Monate eine Injektion mit einer praktischen Fertigspritze (3mg/3ml) – können sich PatientInnen und Ärzte auf das gut wirksame, stickstoffhaltige Bisphosphonat Ibandronat verlassen. Auch als Monatstablette hat sich Ibandronat zur Behandlung der Osteoporose in Studien sowie im Klinik- und Praxisalltag vielseitig bewährt.
    • Selective Estrogen Receptor Modulators (SERMS): SERMS sind Verbindungen, die in Abhängigkeit vom Zielgewebe partiell östrogenartige Wirkungen haben, das heißt, dass SERMS im Knochen die osteoklastäre Resorption hemmen und die Knochenneubildung fördern können, ohne die Proliferation in Brustdrüse und Endometrium zu beeinflussen.
    • Hormonersatztherapie: Die HRT ist aufgrund der aktuellen Datenlage und der Neubewertung des Nutzen-Risikoverhältnisses derzeit für die Therapie der Osteoporose nicht zugelassen.
    • Calcitonin: Calcitonin war zur Risikoreduktion von vertebralen Frakturen bei postmenopausaler Osteoporose als Nasenspray zugelassen. Zur Behandlung des Morbus Paget, zur Prävention eines akuten Verlustes an Knochenmasse nach einer plötzlichen Immobilisation und zur Behandlung einer Hyperkalzämie bei malignen Erkrankungen ist eine Injektionslösung zugelassen. Im August 2012 hat die Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) das Nutzen-Risiko-Verhältnis in den verschiedenen Indikationen erneut bewertet: Calcitonin soll zur Behandlung (intranasal) der postmenopausalen Osteoporose nicht mehr gegeben werden. Als Folge wurde der Nasenspray vom Markt genommen. Die Therapie mit Calcitonin in den anderen Indikationen sollte grundsätzlich auf eine Kurzzeitanwendung mit der minimalen effektiven Dosis beschränkt werden.

Neubildung stimulierende Substanzen
    • Teriparatid: Ein Arzneistoff mit einem völlig neuen Wirkprinzip: Teriparatid, ein gentechnisch hergestellten Fragment [PTH (1-34)] des endogenen Parathormons [PTH (1-84)]. Anders als bisherige Osteoporose-Medikamente (die so genannten Antiresorptiva) , die die Aktivität der Osteoklasten (Knochen abbauende Zellen) drosseln, setzt Teripartid an anderen Mechanismen des Körpers an. Um einen knochenanabolen Effekt zu erzielen, ist die intermittierende Applikation Voraussetzung, weil nur dadurch die in Ruhephase befindlichen Osteoblasten („lining cell“) reaktiviert und somit zur Knochenneubildung angeregt werden können. Die Substanz wird 1x täglich subkutan verabreicht. Die Therapiedauer ist auf 18 Monate beschränkt und muss von einer antiresorptiven Behandlung gefolgt werden, um gewonnene Knochenmasse vor neuerlichem Abbau zu schützen. Aufgrund der hohen Kosten im Vergleich zur antiresorptiven Therapie ist die derzeitige Therapie auf Frauen und Männer, die unter laufender antiresorptiver Therapie weitere Wirbelkörperfrakturen erleiden, beschränkt.
    • Fluorid: Fluorid stimuliert die Osteoblastenproliferation und fördert dadurch die Knochenneubildung – ein Effekt, der sich nahezu ausschließlich am trabekulären Knochen bemerkbar macht. Allerdings entspricht die Qualität des unter hoher Dosierung neu gebildeten Knochens nicht der des normalen Knochens. Das könnte die Erklärung dafür sein, dass trotz dieser Wirkung eine signifikante Risikoreduktion für vertebrale Frakturen bisher nur in wenigen Studien nachgewiesen werden konnte. Aufgrund der Tatsache, dass die Senkung der Frakturrate unter der Fluorbehandlung kontrovers berichtet wurde, sollte diese Therapieoption lediglich in speziellen Fällen eingesetzt werden.

Andere Medikationen
    • Strontiumranelat: Experimentelle Untersuchungen weisen auf einen zweifachen positiven Effekt von Strontiumranelat auf den Knochenstoffwechsel hin: Die Substanz fördert die Knochenneubildung durch Stimulation der Proliferation von undifferenzierten Osteoblasten und hemmt gleichzeitig den Knochenabbau durch einen entsprechenden Effekt auf die Rekrutierung und Aktivierung von Osteoklasten.
    • Aktive Vitamin D-Metabolite: In Österreich stehen aus dieser Gruppe Calcitriol und Alfacalcidol zur Verfügung. In einer eingeschränkt aussagekräftigen Studie wurde gezeigt, dass die alleinige Gabe von Calcitriol im Vergleich zu Kalzium das vertebrale Frakturrisiko vermindert. In einer prospektiven Studie fand sich durch Alfacalcidol (mit einer begleitenden Kalzium-Supplementation) lediglich eine tendenzielle Abnahme des vertebralen Frakturrisikos.
    • Anabole Steroide: Anabole Steroide können einen mäßigen Zuwachs der Knochenmineraldichte bewirken, signifikante Daten zur Fraktursenkung liegen jedoch nicht vor. Zusätzlich haben Anabolika einen muskelaufbauenden und kraftfördernden Effekt. Anabole Steroide werden für die Osteoporosetherapie jedoch nur bei spezieller Indikation empfohlen.
    • Kombinationstherapie: Über die Kombination der „spezifischen Osteoporosetherapien“ untereinander liegen in der Literatur sehr wenige, teilweise kontroversielle Daten vor. Eine Kombinationstherapie sollte daher nur in Einzelfällen in Zusammenarbeit mit SpezialistInnen durchgeführt werden.

Neue Medikamente: monoklonale Antikörper gegen Osteoporose

Der 2010 für die Therapie der Osteoporose zugelassene vollhumane monoklonale Antikörper Denosumab vertritt ein neues Prinzip, mit dem Knochendichteverlust entgegengewirkt werden kann. Er interagiert spezifisch und mit hoher Affinität mit dem RANK-Liganden (RANKL = Receptor activator of nuclear factor- B ligand ist ein Zytokin aus der Familie der Tumornekrosefaktoren) und neutralisiert ihn. Damit wird die Osteoklasten-Aktivität im Knochenmark gehemmt. Osteoklasten sind für den Knochenabbau zuständig. Da Denosumab den Knochenabbau blockiert, vermindert es den Knochenmasseverlust.

Aufgrund der Studiendaten ist Denosumab zugelassen zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko und bei Männern, die aufgrund eines Prostatakarzinoms antihormonell behan­delt werden. Denosumab wird zweimal jährlich als Injektion verabreicht. Verglichen mit der traditionellen Behandlung mit oralen Bisphosphonaten führt dies zu einer wesentlichen Verbesserung der Compliance, da eine s.c. Injektion alle sechs Monate anstelle der regelmäßigen Einnahme von Tabletten von den Patienten besser akzeptiert wird. Auch bei dieser Therapie ist wichtig, dass die Patienten zusätzlich mindestens 1000 mg Calcium und 400 IE Vitamin D täglich erhalten.

Schmerztherapie bei Osteoporose
Nach akuter Fraktur und bei Osteoporose bedingten chronischen Schmerzen ist eine wirksame symptomatische Schmerztherapie erforderlich, die entsprechend nationalen und internationalen Empfehlungen nach dem Stufenschema der WHO erfolgen soll.

Knochenbewusste Ernährung
Neben diesen Behandlungsansätzen gehört eine Ernährungsumstellung auf eine kalziumreiche Ernährung zur Basistherapie. Fisch, Milch und Milchprodukte sowie Eier und Kalziumsalze sind dafür geeignet. Die kalziumreiche Ernährung kann durch die Einnahme von Kalzium und Vitamin D in Form von Tabletten oder als lösliches Pulver unterstützt werden. Die Vitamin D-Einnahme muss mit der Kalziumgabe abgestimmt werden. Lesen Sie mehr darüber...

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