Nebenwirkungen
 
Die Hälfte aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen wäre vermeidbar
 
Nach einer amerikanischen Meta-Analyse, die im «Journal of the American Medical Association» (JAMA 1998; 278: 1200-1205) veröffentlicht wurde, leiden 6,7 Prozent der Klinikpatienten in den USA an schweren unerwünschten Arzneimittel-Nebenwirkungen. Unter schweren unerwünschten Arzneimittelwirkungen versteht man solche, die einen irreversiblen Schaden zurücklassen, zur Krankenhausaufnahme führen oder die Krankenhausaufnahme verlängern.

Experten sehen diese Studie aber nicht als Aufforderung, verordnete Medikamente erst gar nicht einzunehmen:

  • Denn man muss sich immer fragen, was mit den Betroffenen passiert wäre, wenn man sie nicht behandelt hätte.
  • Allerdings: Mindestens 50%, nach manchen Schätzungen sogar 80% der unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind vermeidbar. Denn Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf Medikamente, dies betrifft sowohl die Wirksamkeit als auch die Nebenwirkungen. Mögliche Ursachen für diese Unterschiede sind Medikamentenwechselwirkungen, Alter, Ernährungsstatus, Nieren- und Leberfunktion, und die Aktivität der Arzneimittel abbauenden Enzyme. Die Variabilität der Funktion dieser Enzyme ist Ursache dafür, dass bei gleicher Dosierung eines Medikaments Intensität und Dauer von Wirkungen und Nebenwirkungen von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein können.

Pharmakogenetik und Pharmakogenomik sind daher heute wichtige Forschungsgebiete geworden, in absehbarer Zeit werden Tests zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe die Arzneimitteltherapie an den Genotyp des Patienten angepasst werden kann. Die medikamentöse Behandlung wird sich dadurch wesentlich ändern, individuelle Arzneimittelauswahl und -dosierung wird einen neuen Stellenwert bekommen.

Neben der genetischen Veranlagung spielt aber auch die Ernährung eine große Rolle. Broccoli, Grapefruitsaft, Zigaretten und Kaffee können ebenfalls unerwünschte Arzneimittel-Nebenwirkungen auslösen oder verstärken.

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