Bitterorangen und ihre Bedeutung in der Pharmazie
 
Die Orange gilt als Vitamin C-Spender und die Schale wird als Aroma in der Küche eingesetzt, aber die Orange kann mehr.
 
Bitterorangen werden in der Pharmazie zur Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion eingesetzt, sie wirken appetitanregend und verdauungsfördernd. Aber auch in der Küche haben Bitterorangen ähnliche Aufgaben, man denke etwa an das gute englische Frühstück mit der Bitterorangenmarmelade.

Aus der äußeren Schicht der Fruchtschale („Pericarpium Aurantii amari“ bzw. im Europäischen Arzneibuch „Aurantii epicarpium et mesocarpium“ genannt) werden auch verschiedene Zubereitungen in der Apotheke gewonnen: Offizinell sind u.a. der Fluidextrakt (Extractum Aurantii amari fluidum, mit einem Bitterwert von mind. 500) der Sirup (Sirupus Aurantii amari), weiters ist Bitterorangenschale enthalten in Tees (z.B. Species amaricantes), sowie Bestandteil bei der Herstellung von Tinkturen (Tinctura amara).

Die Hauptinhaltsstoffe der Bitterorangenschale:
Ätherisches Öl: 1-2,5 %, Hauptkomponente Limonen.
Bitterstoffe: bitter schmeckende Flavonoide: Neohesperidin, Naringin (Zuckerkomponenten für Geschmack bedeutsam).
Nicht bittere Flavonoide: Hesperidin, Rutosid.
Weitere Inhaltsstoffe: Furanocumarine, Pektin, Carotinoide.


Der Fluidextrakt oder Sirup riecht aromatisch, schmeckt würzig-bitter und dient u.a. zur Geschmacksverbesserung etwa im Hustensaft.

Hilft die Bitterorange beim Abnehmen?
Augenblicklich werden im Handel eine Vielzahl von Präparaten als Nahrungsergänzungsmittel beworben, die Extrakte aus der Bitterorange Citrus aurantium ssp. aurantium in Kapselform enthalten und aufgrund des Synephringehalts zur „natürlichen Gewichtsreduktion“ beworben werden. Besonders boomen derzeit Chinesische Schlankmacher. Meist enthalten diese Wundermischungen (auch) Ephedrin-Alkaloide, anstelle des in Verruf geratenen Ephedrins werden jetzt häufig „natürliche Ephedrin-Alternativen“ (Synephrin) aus Bitterorangenextrakten beworben.

Untersuchungen zeigten, dass viele dieser Produkte Synephrin nicht nur aus natürlichen pflanzlichen Quellen (wie vom Hersteller propagiert) enthalten, sondern eine Anreicherung der Präparate mit synthetisch hergestellten Alkaloiden und Koffein erfolgt war. Die Einstufung derartiger Erzeugnisse ergibt zweifelsfrei, dass es sich um nicht zugelassene und daher illegale Arzneimittel handelt.

Vor hochdosierten Synephrin-haltigen nicht zugelassenen Schlankheitsmitteln aus dubiosen Quellen (Versandhandel, Internet) wird zu Recht gewarnt: Besonders in Kombination mit Koffein und koffeinhaltigen Pflanzenprodukten kann Synephrin gravierende Nebenwirkungen haben: Bluthochdruck, Muskelzittern, erhöhte Körpertemperatur und Nervosität. Bei langfristiger und hochkonzentrierter Einnahme drohen auch Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und psychische Veränderungen. Schon mehrfach wurde in Europa und den USA sogar von Todesfällen nach der Einnahme solcher Kombinationsprodukte berichtet.

Wieviel Synephrin ist in der Bitterorangenschale und in den Zubereitungen aus der Apotheke?
2007 hat man am Institut für Pharmazeutische Biologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn die Arzneibuch-Zubereitungen aus der Bitterorange untersucht. Die Analysen zeigen, dass die Arzneibuchdroge Aurantii epicarpium et mesocarpium Ph.Eur. das Alkaloid Synephrin in einer Konzentration von im Schnitt nur 0,07% enthält. Aufgrund dieser Ergebnisse wurden die Arzneibuch-Zubereitungen als unbedenklich eingestuft.

Wichtige Ratschläge
Bestellen sie Schlankheitsmittel keinesfalls aufgrund von Inseraten, aus denen nicht ersichtlich ist, wer hier anbietet (Postfachadresse, nur Telefonnummer)

    • Hier hat jemand etwas zu verbergen – aus gutem Grund vermutlich!
Um ein paar Kilos abzuspecken, braucht man keine Wundermittel!
    • Bewußter essen und mehr bewegen ist nicht nur gesünder, sondern auch effizienter!
Besorgen Sie Ihre Arzneimittel nur aus der Apotheke!