FSME
 
Impfung ist der einzige Schutz
 
Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist an die Zeckenaktivität gebunden, in Mitteleuropa im Frühsommer. Es sind aber auch Erkrankungen in anderen Jahreszeiten bekannt. Die Arbo-B-Viren werden beim Zeckenstich (event. auch durch ungekochte Milchprodukte) in Endemiegebieten übertragen.

Erreger: FSME-Virus, ein Flavivirus

Infektionsquelle: Das Virus zirkuliert zwischen Zecken und Kleinsäugern, insbesondere Mäusen, aber auch Vögeln, Rehen und Rotwild. Durch einen Zeckenstich gelangen die Viren in die Blutbahn des Menschen und können von dort die Krankheit auslösen. Zudem kann die Virusübertragung auch oral durch den Konsum von nichtpasteurisierter Milch oder Milchprodukten (insbesondere Ziegen- oder Schafsmilch) erfolgen. FSME wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Übertragung: Die Übertragung des Virus auf den Menschen erfolgt in Europa im Wesentlichen durch infizierte Zecken (Holzbock, Tick borne). Zecken halten sich bevorzugt in Wäldern in nicht zu trockenen Lagen in hohem Gras und Gebüsch sowie in losem Laub auf. Die Hauptaktivität der Zecken liegt im Frühjahr (Mai/Juni) und im Spätsommer (September), die Übertragung findet allerdings während der ganzen warmen Jahreszeit bis spät in den November statt. FSME-Viren kommen nur bis zu Höhenlagen vor, in denen die mittlere Jahrestemperatur über 8˚C liegt, d.h. im Bergland über 1.400 m gibt es keine FSME.

Inkubationszeit: Gewöhnlich ca. 7-14 Tage, durchschnittlich 8 Tage, Einzelfälle 3-28 Tage

Krankheitsbild: Nur bei 10-30 % der Infizierten kommt es tatsächlich zur Erkrankung, die typischerweise in 2 Phasen verläuft:

    1. Es kommt zunächst zu grippeähnlichen Symptomen mit mäßigem Fieber (in der Regel nicht über 38°C), Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindelgefühl. Der Großteil der Betroffenen wird nach dieser Erkrankungsphase wieder ganz gesund. Nach einem fieberfreien Intervall von etwa einer Woche (bis zu 20 Tagen) kommt es
    2. bei 50% dieser Patienten zu einer Meningitis, bei etwa 40% zu einer Meningoenzephalitis mit Fieber, Erbrechen, meningealen Reizerscheinungen, vereinzeltem Auftreten von Stupor oder Koma. Etwa ein Drittel der Betroffenen zeigt nach durchgemachter Erkrankung langandauernde Folgeschäden, es kann jedoch selbst nach schweren Verläufen zur völligen Heilung kommen. Bei 1–2% der Erkrankten mit ZNS-Beteiligung führt die Erkrankung zum Tod. Schwere Krankheitsverläufe treten häufiger bei Erwachsenen auf.
Diagnose: durch Nachweis der Antikörper im Blut.

Behandlung: keine spezifische, wie bei den meisten anderen Viruskrankheiten.

Verbreitung und Bedeutung: Die FSME-Virus-übertragenden Zecken kommen in weiten Teilen Europas und in Asien vor. Kein FSME-Risiko besteht auf der Iberischen Halbinsel, in Großbritannien, den Benelux-Ländern und Dänemark (ausgenommen Insel Bornholm). Österreich gehört zu den am stärksten von der FSME betroffenen Ländern in Zentraleuropa. In Österreich ist kein Bundesland FSME-frei, daher ist die Impfung für alle in Österreich lebenden Personen und für Reisende in österreichische Risikogebiete zu empfehlen. Vor Beginn der großen Impfaktionen traten in Österreich zwischen 300 und 700 Erkrankungsfälle jährlich auf. Die Fallzahlen sind bei einer Impfrate von etwa 85% der Bevölkerung auf 41 bis 113 Erkrankungen jährlich zurückgegangen. Die Effektivität der FSME-Impfung beträgt für geimpfte Personen 95-99%. Die FSME-Impfung schützt gegen alle bekannten FSME-Virus-Subtypen.

Impfschema:
Grundimmunisierung: FSME-Immun® - 2. Teilimpfung nach 1-3 Monaten und 3. Teilimpfung 5-12 Monate nach 2. Teilimpfung; Encepur® - 2. Teilimpfung nach 1-3 Monaten und 3. Teilimpfung 9-12 Monate nach 2. Teilimpfung
Schnellimmunisierung: FSME-Immun®: 0/14 Tage (3. Teilimpfung nach 5-12 Monaten); Encepur®: 0/7 Tage/21 Tage
Auffrischungsimpfungen: 1. Auffrischung 3 Jahre nach Grundimmunisierung bzw. 12-18 Monate nach dem Encepur® Schnellimmunisierungsschema. Danach bis zum vollendetem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre, ab dem 60. Lebensjahr alle 3 Jahre.
Booster- und Auffrischungsimpfungen sollten möglichst immer VOR der Saison verabreicht werden.
Die FSME Impfung ist ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Vor dem Erreichen dieses Alters, frühestens ab dem 7. Lebensmonat, darf die Impfung nur in Eigenverantwortung des verabreichenden Arztes nach sorgfältiger Nutzen-Risikoabwägung und ausführliche Information der Eltern durchgeführt werden.

FSME Impfung nach Zeckenstich:
Da FSME Immunglobulin human nicht mehr verfügbar ist, wird empfohlen:

ImpfanamneseEmpfohlene Vorgangsweise
Keine FSME Impfung:Impfung 4 Wochen nach Zeckenstich
Nach der 1. Teilimpfung:
≤ 14 Tage danach:

ab dem 15. Tag bis 1 Jahr danach:




> 1 Jahr danach:
2. Teilimpfung 4 Wochen nach Zeckenstich

bis 48 Stunden nach Zeckenstich: 2. Teilimpfung
> 48 Stunden nach Zeckenstich: 2. Teilimpfung 4 Wochen nach Zeckenstich

bis 48 Stunden nach Zeckenstich: Impfung (1)
> 48 Stunden nach Zeckenstich: Impfung 4 Wochen nach Zeckenstich (1)
Nach 2 oder mehr Teilimpfungen:Impfung wenn nach Impfschema fällig oder sogar überfällig (2)
FSME Impfung nach Zeckenstich
(1) Serologische Kontrolle empfohlen. Falls dies nicht möglich ist, gilt diese Impfung als 1. Teilimpfung der Grundimmunisierung.
(2) Serologische Kontrolle empfohlen, wenn seit der letzten Impfung mehr als 10 Jahre vergangen sind.

Bei unklarem Abstand zum Zeckenstich Vorgehen wie bei >48 Stunden nach Zeckenstich.

Aktueller Österreichischer Impfplan


(Aktualisierung: 03/2019)