Der akute Durchfall ist eine der häufigsten Reisekrankheiten.
 
Ein Mittel dagegen sollte in keiner Reiseapotheke fehlen.
 
Schätzungsweise jeder zweite bis dritte Fernreisende erlebt eine unangenehme Überraschung: Reisediarrhoe, auch schlicht und einfach Durchfall genannt. Auf Reisen gerät auch eine ansonsten geregelte Verdauung leicht aus dem Lot. Während die einen unter Verstopfung leiden, plagt die anderen das Gegenteil. Von einer Diarrhoe spricht man dann, wenn es mehr als dreimal am Tag zu wässrigen Stühlen kommt. Der Durchfall ist aber nicht die Erkrankung, sondern das Symptom.

Ursache können Klimawechsel, ungewohnte Ernährung, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Stress durch lange Autofahrten oder Flugreisen sein. Auch Medikamente wie Antibiotika oder magnesiumhältige Mittel gegen Sodbrennen können verantwortlich sein. Am häufigsten sind aber Krankheitskeime schuld, die mit Speisen und Getränken aufgenommen werden. Dazu gehören Bakterien wie bestimmte Stämme des an sich harmlosen Darmbewohners Escherichia coli, Salmonellen und Shigellen. Viren, zum Beispiel Rotaviren, können ebenfalls zu Durchfall führen. Die Bakterien sondern Giftstoffe ab, die den Stoffwechsel der Darmwandzellen stören. In der Folge gelangen vermehrt Salze und Wasser in den Darm und es kommt zum Durchfall.

Zu den wichtigsten Dingen gehört nun, den Verlust an Wasser und Salzen wieder auszugleichen. Am besten dazu geeignet sind Getränke (abgefüllt oder abgekocht), die Salze und dazu Zucker enthalten - so kann der Körper die Salze besser aufnehmen. Es gibt auch fertige Elektrolytpräparate, die vor dem Trinken in abgekochtem Wasser oder Mineralwasser (ohne Kohlensäure) aufgelöst werden.

Meist hört der Reisedurchfall zwar nach drei Tagen wieder von selbst auf. Wenn man sich aber nicht drei Tage in unmittelbarer Nähe einer Toilette aufhalten kann und will, dann können Medikamente, die den Wirkstoff Loperamid hydrochlorid enthalten, helfen, den Durchfall zu stoppen. Sie sollten aber ohne ärztliche Kontrolle nicht länger als zwei Tage eingenommen werden, denn diese Mittel hemmen zwar die Darmbewegung, bekämpfen aber nicht die Ursache des Durchfalls. Bei längeren Bus- oder Flugreisen sind die schnellen Durchfallstopper aber unverzichtbar (nicht geeignet für Kinder unter 8 Jahren).

Ist die Darmflora geschädigt, können sogenannte Probiotika, das sind definierte lebende Mikroorganismen, welche den Darm in aktiver Form erreichen und dort gesundheitlich wünschenswerte Wirkungen entfalten, eine große Hilfe sein. Entsprechende Arzneimittel, die auch vorbeugend eingenommen werden können, gibt es in der Apotheke.

Nun ist Durchfall schon für gesunde Erwachsene eine Belastung, für Kinder und alte Menschen kann ein Durchfall sogar gefährlich werden. Der Flüssigkeitsverlust kann den Körper „austrocknen“. Für Kinder und alte Menschen ist daher die Zufuhr von wenn möglich speziellen Elektrolytlösungen die wichtigste und vorrangige Maßnahme. Kleinkinder und Säuglinge mit akutem Durchfall sollten weiter gestillt werden. Eine Teepause wird heute nicht mehr empfohlen.

Damit der Notfall Durchfall erst gar nicht eintritt, eine alte Regel für tropische Länder aus der Kolonialzeit: „Boil it, cook it, peel it or forget it“. Oder: „Nur essen, was gekocht, gebraten oder geschält ist.“ Auf Eis, Eiswürfel, Salat, ungeschältes Obst, rohes Fleisch und rohe Meeresfrüchte sollte man besser verzichten.

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Immer wieder in Diskussion: Cola und Soletti – eine sinnvolle Notlösung??
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Vogel Wolfgang Vogel, Gastroenterologe von der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Innsbruck, stellt dazu fest: Zu bedenken sei, dass mit dem Erbrechen vor allem Flüssigkeit und Blutsalze - in erster Linie Natrium, Kalium und Chlorid - verloren gehen. Prof. Vogel und empfiehlt, diese durch trinken von gezuckertem Wasser oder milden Tees zu ersetzen, die man auch leicht salzen kann. "Konventionelles glukosehältiges (!) Cola (kein „Cola-light“) mit Soletti ist hier sicherlich auch eine mögliche Alternative", meint der Gastroenterologe angesichts der unendlichen Diskussion um Kamillentee und Zwieback versus Cola und Soletti.

Darüber hinaus verweist er auf spezielle Elektrolytlösungen zum Trinken, die standardisiert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen werden und in den Apotheken erhältlich sind. Die Besserung geht in der Regel mit einer Zunahme des Appetits einher, und die Aufnahme von Suppen oder wenig fetthaltiger, leicht verdaulicher Nahrung ("Hausrezepte") wird in langsam zunehmenden Portionen wieder möglich.

Indikationen für ärztliche Hilfe
"Bei Jugendlichen und Erwachsenen, die keine zusätzliche Erkrankung haben, lässt sich durch alleinige vorsichtige orale Aufnahme oben genannter Getränke das drohende Flüssigkeitsdefizit problemlos ausgleichen", meint Wolfgang Vogel. Wenn sich das Erbrechen über mehrere Tage hinzieht, empfiehlt Vogel, immer ärztliche Hilfe zu suchen, um eine Substitution des Flüssigkeitsdefizits durch Infusionen zu ermöglichen. Ebenso, wenn Kleinkinder, Gebrechliche, Betagte oder Patienten mit Begleiterkrankungen intensiv und über mehrere Stunden erbrechen.