Alkohol: Wie viel ist zu viel?
 
Österreichische Dialogwoche Alkohol 20.-26. Mai
 
370.000 Menschen in Österreich gelten als alkoholkrank. Pro Kopf und Jahr konsumieren Herr und Frau Österreicher rund 12 Liter Reinalkohol – und liegen damit im internationalen Vergleich unter den Top 15 der am meisten Alkohol konsumierenden Länder in Europa.
Alkohol gehört in Österreich zu den gesellschaftlich anerkannten Drogen. Zu viel Alkohol kann aber abhängig machen. Das Tückische: Eine Abhängigkeit entwickelt sich langsam und schleichend, übermäßiger Alkoholkonsum macht nicht nur süchtig, er schädigt auch den menschlichen Körper.
Die Österreichische Dialogwoche Alkohol
Ab welcher Menge wirkt Alkoholkonsum gesundheitsschädigend auf den Körper? Verschiedene Erhebungen belegen, dass die meisten Österreicherinnen und Österreicher wenig darüber wissen. Alkoholabhängigkeit ist hierzulande immer noch ein Tabuthema, problematischer Alkoholkonsum wird nach wie vor verharmlost. Deshalb will die Initiative „Österreichische Dialogwoche Alkohol“ von 20. bis 26. Mai 2019 Alkohol und seine Gefahren offen thematisieren und die Menschen dazu anregen, über den eigenen Alkoholkonsum nachzudenken.
Alkoholkonsum in Österreich
Seit den 1970er Jahren ist der Alkoholkonsum in Österreich zwar rückläufig. 1 Million Österreicherinnen und Österreicher dürften laut Schätzungen jedoch eine "problematische" Menge Alkohol konsumieren, welche längerfristig die Gesundheit schädigt. 14 Prozent haben mittleren Alkoholkonsum, mehr als die Hälfte konsumieren Alkohol in geringen Mengen. Nur 20 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher geben an, keinen oder maximal fünf Mal im Jahr Alkohol zu trinken.

Wirkung von Alkohol
In der gleichen Menge getrunken, hat Alkohol unterschiedliche Auswirkungen auf Menschen: Mehrere Faktoren spielen eine Rolle dafür, wie viel Alkohol vom Körper aufgenommen wird und wie schnell er ins Blut gelangt: die getrunkene Alkoholmenge und wie schnell getrunken wird, wie sehr man an den Alkoholkonsum gewöhnt ist, ob man gerade etwas gegessen hat, das Körpergewicht, genetische Faktoren und das Geschlecht.
Ob man Alkohol besser oder schlechter verträgt, hängt nicht vom Körpergewicht, sondern vom Wasseranteil im Körper ab. Je größer die Wassermenge, desto mehr wird der Alkohol darin verdünnt. Dem entsprechend niedriger ist der Promillewert im Blut und somit auch die negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums.
Da Frauen im Vergleich zu Männern bei durchschnittlich gleichem Körpergewicht eine geringere Muskelmasse und einen höheren Körperfettanteil haben, haben sie auch um ein Drittel weniger Körperwasser. Frauen erreichen daher dieselbe Blutalkoholkonzentration schon bei zwei Drittel derselben Trinkmenge eines Mannes.
Ob man gegessen hat oder nicht – der Körper muss dieselbe Menge an Alkohol verarbeiten. Allerdings wird Alkohol auf nüchternen Magen schneller in den Körper aufgenommen. Essen verzögert lediglich den Alkoholspiegelanstieg im Blut, der Mensch merkt mögliche Effekte des Alkoholkonsums erst später.

(© Österreichische Dialogwoche Alkohol)

Gesundheitliche Auswirkungen von Alkoholkonsum
Die schädlichen Auswirkungen von Alkohol auf den Körper sind vielfältig. Regelmäßiger, erhöhter Alkoholkonsum kann unter anderem zu Tumoren, Herz-Kreislauf-Problemen, höherem Infektionsrisiko, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Magenschleimhaut führen.
GesundheitsrisikoMännerFrauen
Risikoarmer Konsum24g
0,6l Bier oder 0,3l Wein
16g
0,4l Bier oder 0,2l Wein
Problematischer Konsum60g Alkohol pro Tag
1,5l Bier oder 0,75l Wein
40g Alkohol pro Tag
1l Bier oder 0,5 l Wein

Alkoholabhängigkeit
Da Alkohol auf das Belohnungssystem im Gehirn wirkt, kann eine Abhängigkeit entstehen. Von einer Alkoholabhängigkeit spricht man, wenn während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Punkte zutreffen – in diesem Falle ist es angesagt, die Hilfe von Ärzten und Selbsthilfegruppen in Anspruch zu nehmen:
  • Sie haben einen starken Wunsch, Alkohol zu konsumieren – Ihre Gedanken kreisen stets um das nächste Glas.
  • Sie können Ihren Alkoholkonsum nur schwer kontrollieren und es fällt Ihnen schwer, zwei Tage in der Woche auf Alkohol zu verzichten.
  • Sie konsumieren regelmäßig Alkohol, obwohl dies schädliche Folgen hat.
  • Alkoholkonsum nimmt einen wichtigeren Stellenwert im Leben ein als andere Aktivitäten und Verpflichtungen.
  • Sie müssen immer mehr Alkohol zu sich nehmen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
  • Sie spüren körperliche Entzugserscheinungen, wenn Sie keinen Alkohol zu sich nehmen.

Alkohol und Medikamente
Alkohol und Medikamente vertragen sich nicht, sie beeinflussen einander. Alkohol kann die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen, Medikamente können die Wirkung des Alkohols verstärken oder überdecken. Bei der Einnahme von Medikamenten ist daher immer Vorsicht geboten – ob gleichzeitig mit der Medikamenteneinnahme Alkohol getrunken werden darf, sollte stets ärztlich oder im Beratungsgespräch mit einem Apotheker oder einer Apothekerin abgeklärt werden.

Quellen und weiterführende Informationen:
www.dialogwoche-alkohol.at
Infofolder „Wie viel ist zu viel?“
Broschüre Alkoholkonsum und mögliche Folgen (Sozialministerium 2019)
Handbuch Alkohol Bd. 1 (Sozialministerium 2019)

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