Anti-Drogen-Tag am 26. Juni
 
Apotheker sind auch für Drogenkranke da
 
Illegale Drogen sind ein globales Problem. Schätzungsweise leiden weltweit fast 30 Millionen Menschen, die Drogen konsumieren, laut dem World Drug Report 2017 des UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) an Drogenkonsumstörungen. Zwölf Millionen davon sind Menschen, welche sich die Drogen injizieren.
Todesfälle durch Überdosierung sind in den meisten Fällen auf Opioide zurückzuführen und machen etwa ein Drittel bis die Hälfte aller drogenbedingten Todesfälle aus. Dennoch hat nur jeder sechste problematische Drogenkonsument Zugang zu Behandlungseinrichtungen gegen die Drogenabhängigkeit. Dabei sind die Kosten für eine Behandlung weitaus geringer als jene, die durch unbehandelte Drogenabhängigkeit (Gefängnisse, Arbeitslosigkeit, Strafverfolgung, gesundheitliche Folgen) verursacht werden. Untersuchungen zeigen, dass für jeden US-Dollar, der in eine evidenzbasierte Behandlung investiert wird, bis zu 7 US-Dollar allein in Bezug auf die Kosten für Drogenkriminalität und Strafjustiz gespart werden.
Anti-Drogen-Tag am 26. Juni
Mit dem internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel sollen globale Maßnahmen und die Zusammenarbeit im Kampf gegen Drogen gestärkt werden, um eine internationale Gesellschaft ohne Drogenmissbrauch zu erreichen. Er wurde 1987 von der UNO-Generalversammlung ausgerufen und findet jedes Jahr im Gedenken an den 26. Juni 1987 statt, als die „Internationale Konferenz zu Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel“ bei einer Tagung in Wien ein „Umfassendes, multidisziplinäres Konzept für künftige Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs“ verabschiedet hat.

Situation in Österreich
Aktuellen Schätzungen zufolge konsumieren in Österreich zwischen 35.000 und 38.000 Personen risikoreich Opioide, meist in Kombination mit anderen illegalen Drogen, Alkohol oder Psychopharmaka. Dabei deuten Daten aus dem Drogenmonitoring darauf hin, dass weniger junge Personen in einen risikoreichen Opioidkonsum einsteigen als in früheren Jahren.
Drogensucht findet nach wie vor in Ballungszentren häufiger statt als in ländlichen Gebieten - etwa die Hälfte der Drogenkonsumenten lebt in Wien. Etwa drei Viertel der Betroffenen sind Männer. Nur neun Prozent der Betroffenen sind unter 25 Jahre alt, 39 Prozent sind 25 bis 34 Jahre und 52 Prozent sind 35 Jahre oder älter. Sniffen spielt beim Opioidkonsum in Österreich nach wie vor eine Rolle – im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern der EU.
2017 befanden sich geschätzt 24.245 Personen in drogenspezifischer Behandlung. Knapp 10 Prozent davon (etwa 2.379 Personen) konsumieren nur Cannabis. Rund 84 Prozent sind Personen, welche Opioide konsumieren. Die Behandlungsrate von Personen mit Opioid-Problematik stieg über die letzten Jahre erheblich und liegt derzeit bei über 50 Prozent.
Für 2017 wird von 154 Todesfällen aufgrund von Drogenüberdosierung ausgegangen. Die Anzahl drogenbezogener Todesfälle ist somit niedriger als im Jahr davor. 15 % aller Drogentoten sind jünger als 25 Jahre – diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben, aber niedriger als in den Jahren vor 2016.
Unter den Jugendlichen und jungen Erwachsene (15–24 Jahre), die ein Mal in ihrem Leben illegale Drogen konsumiert haben, ist Cannabis jene Droge, mit der die häufigsten Konsumerfahrungen gemacht wurden (30 bis 40 Prozent dieser Personengruppe). Etwa zwei bis vier Prozent haben schon einmal Ecstasy, Kokain und Amphetamine konsumiert, rund ein bis zwei Prozent Opioide und „Neue Psychoaktive Substanzen“ (NPS) (auch „Research Chemicals“ oder „Legal Highs“ genannt).

Apotheker sind auch für Drogenkranke da
Einen wesentlichen Beitrag zur Betreuung der Drogenkranken leisten unsere Apothekerinnen und Apotheker, indem sie die verschriebenen Ersatzmedikamente abgeben und für deren kontrollierte Einnahme sorgen. Diese Ersatzmedikamente, welche der Drogenkranken im Zuge seiner Substitutionstherapie bekommt, werden in der Apotheke oft magistral und individuell für den einzelnen Patienten hergestellt. Wenn ein Drogenkranker mit der Dauerverschreibung des Arztes in die Apotheke kommt, muss der Apotheker dafür sorgen, dass die Einnahme unter seiner Aufsicht erfolgt. In den Apotheken können Drogenkranke auch sterile Spritzen bekommen.
Entzug und Heilung von der Sucht sind ein sehr schwieriger Prozess, der leider nicht oft gelingt. Doch schon die konsequente Einnahme von Ersatzmedikamenten ist ein Erfolg. Manchen Drogenkranken wird dadurch die Rückkehr in eine annähernd normale Existenz, zu Arbeit und sozialem Leben möglich. Deshalb gibt es das Drogenersatzprogramm, das von der Krankenkasse bezahlt wird. Damit sollen die Süchtigen auch von der Straße geholt und von der Beschaffungskriminalität ferngehalten werden. Für einige ebnet die Behandlung mit Ersatzmedikamenten schließlich doch den Weg zur Heilung. Das Drogensubstitutionsprogramm und der damit verbundene tägliche Besuch in der Apotheke hat für einige Süchtige auch eine gewisse soziale Funktion.
In den letzten Jahren wurde die Kooperation der Apotheken und der Gesundheitsbehörden mit den substituierenden Ärzten optimiert. Diese hat zum Ziel, Risiken unsachgemäßer Handhabung von Substitutionsmitteln durch Patientinnen und Patienten einzudämmen.

Quellen und weiterführende Informationen:
Bericht zur Drogensituation 2018 in Österreich (im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, Lissabon und des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz)
https://www.unodc.org/
World Drug Report 2017
Austria Country Drug Report 2019
http://www.emcdda.europa.eu/countries/drug-reports/2019/austria_en
Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht