Die Zaubernuss Hamamelis und ihr Einsatz in der Apotheke
 
Phytopharmaka, die hauptsächlich bei Haut- und Venenerkrankungen empfohlen werden
 

Aus Hamamelis werden pflanzliche Arzneimittel mit zusammenziehender (gerbend-abdichtender) und entzündungshemmender Wirkung hergestellt. (Foto: © Department of Pharmacognosy, Universität Wien)
    Die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) ist ein 3 – 5 m hoher Strauch mit haselnussähnlichen Blättern, der im östlichen Nordamerika von Mexiko bis Kanada beheimatet ist. Im Spätherbst bzw. frühem Winter, nachdem das verfärbte Laub abgefallen ist, erscheinen die angenehm duftenden gelben Blüten mit korallenartig geformten schmalen Kronblättern. Bei Schnee und Kälte rollen sich die Blütenblätter zusammen, um sich wieder zu öffnen, sobald das Wetter wieder freundlicher wird.

    Seit dem 18. Jahrhundert wird der Strauch auch bei uns in Gärten und Parkanlagen kultiviert und gehört zu den wenigen im Winter blühenden Arten. Die Früchte, eiförmige, holzige, dicht behaarte Kapseln, bilden sich erst im Sommer des nächsten Jahres. Sie springen bei der Reife im oberen Teil auf und schleudern die beiden schwarzen Samen meterweit heraus.

    Der Name Hamamelis setzt sich aus dem griechischen hama (gleichzeitig) und melon (Apfel, Frucht) zusammen, da der Strauch im gleichen Jahr vor der Blüte Früchte trägt. Auch die deutsche Bezeichnung soll angeblich auf diese botanische Besonderheit hinweisen. Nach einer anderen Überlieferung kommt „Zaubernuss“ von dem geheimnisvollen Knackgeräusch, das beim Aufspringen der reifen Fruchtkapseln im Herbst zu hören ist.

Hamamelis pharmazeutisch betrachtet
Pharmazeutisch verwendet werden die im Herbst gesammelten Laubblätter (Hamamelidis folium) und die im Frühjahr von Ästen und Zweigen gelöste Rinde (Cortex Hamamelidis).

Stammpflanze: Hamamelis virginiana L. (Hamamelidaceae)

Synonyme: Virginische Zaubernuss, Zauberhasel, Amerikanische Zaubernuss, herbstblühende Zaubernuss, Hexenhasel, Virginia-Zaubernuss.

Inhaltsstoffe:
Die Blätter enthalten 3 – 10 % glykosidische Gerbstoffe, Flavonoide und 0,01 – 0,5 % ätherisches Öl.
Die Rinde enthält etwas mehr (8 – 12 %) Gerbstoffe (Hauptbestandteil Hamamelitannin) und ca. 0,1 % ätherisches Öl.


Zubereitung:
Hamameliswasser (Aqua Hamamelidis): Destillat aus frischen Zweigen, 1 Teil entspricht 1 Teil Zweige. Im Hamameliswasser sind keine Gerbstoffe enthalten, da sie nicht wasserdampfflüchtig sind.


Wässriger Hamamelisextrakt, gewonnen durch das Aufkochen der Zweige und Äste, wurde bereits von den Indianern Nordamerikas vielfältig zur äußerlichen Behandlung von Wunden und Blutungen sowie bei Entzündungen angewendet.

Offizinell: Hamamelidis folium: mind. 3,0 % Gerbstoffe

Anwendungsgebiete:
Wissenschaftlich belegt: Leichte Hautverletzungen, lokale Entzündungen der Haut und der Schleimhäute, Hämorrhoiden, Krampfaderbeschwerden.
Erfahrungsmedizin: Innerlich zur Unterstützung der Therapie akuter Durchfallerkrankungen, atopisches Ekzem.


Empfohlene Dosierung:
Für Umschläge bereitet man eine Abkochung aus 5-10 g Rinde in ¼ Liter Wasser; bei Entzündungen in der Mundhöhle wird 1 Teelöffel (= ca. 2-3 g) Hamamelisrinde 10 – 15 Minuten in 150 ml Wasser gekocht und noch warm durch ein Teesieb gegeben. Der so bereitete Tee kann mehrmals täglich für Mundspülungen empfohlen werden. Den Tee aus Hamamelisblättern bereitet man, indem 1 Teelöffel (ca. 2 – 3 g) Blätter mit 1 Tasse (ca. 150 ml) siedendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben wird.

Fluidextrakt: 3mal täglich 2-4 ml.
Extrakt: mittlere Einzeldosis: 0,1 g
Hamameliswasser: Unverdünnt oder im Verhältnis 1:3 mit Wasser verdünnt für Umschläge.


Anwendung in der Homöopathie: aus der frischen Rinde von Wurzeln und Zweigen wird das Homöopathikum Hamamelis bereitet. Es wird innerlich und äußerlich besonders zur Behandlung von Verletzungen der Weichteile mit schmerzhafter venöser Blutfülle, Blutungen und Periodenschmerzen genutzt.

Hamamelis zur Hautpflege: Die in der Rinde und in den Blättern enthalten Wirkstoffe mit zusammenziehenden und entzündungshemmenden Eigenschaften werden auch in Kosmetikprodukten eingesetzt. So beispielsweise in Rasier- oder Gesichtswässern, um die Haut nach einer Rasur oder einer Kosmetikbehandlung wieder zu beruhigen.