Information über Spice
 
Das legale Marihuana
 
Spice, eine Gewürzmischung aus acht verschiedenen Kräutern, avanciert immer mehr zur Trenddroge. Obwohl offiziell als Räucherwerk im Handel, wird Spice wie Marihuana geraucht und erzeugt ähnliche Rauschzustände. Die Mischung ist vorerst freiverkäuflich und legal. Das heißt aber nicht, dass sie ungefährlich ist.

(Text: BMGFJ Abt, III /B/6m GÖG/ÖBIG)

Was ist „Spice“?

Bei den unter den Handelsnamen „Spice" (Spice Silver, Spice Gold, Spice Diamond, ...) in Head- bzw. Smartshops und über das Internet erhältlichen Produkten, handelt es sich um Kräutermischungen, die auch in Österreich als Räuchermischung zur Raumluftaromatisierung angepriesen werden. Die beigelegte Produktbeschreibung suggeriert eine Verwendung als Cannabisersatz, rät jedoch auch ausdrücklich vom Rauchen ab.

Andererseits wird darauf hingewiesen, dass „Spice" von Tabak und Nikotin frei sei, bzw. dass das Produkt zum verräuchern und nicht zum inhalieren bestimmt sei. Dennoch wird „Spice" offenbar aber (auch) geraucht, und wurde bekannt, dass Konsumenten/innen über verschiedene, teils marihuanaähnliche Wirkungen berichten (siehe unten).

 
Rechtliche Lage
Nach derzeitigem Kenntnisstand sind keine nach dem Suchtmittelrecht als Suchtmittel klassifizierten Pflanzen oder Stoffe enthalten, sondern verschiedene exotische Pflanzen(extrakte) wie beispielsweise Lotus. Daher sind die Produkte zurzeit legal erwerbbar. EU-weit wird derzeit geprüft, mit welchen rechtlichen Maßnahmen (Arzneimittelrecht, Konsumentenschutz, Suchtmittelrecht etc.) der Vertrieb von „Spice" verhindert werden kann.

Der Abgrenzungsbeirat im BMGFJ wurde bereits mit der Frage der Klärung eines allfälligen Suchtpotentials befasst.

 
Zutaten
Als Zutaten von „Spice" werden in den Herstellerangaben verschiedene Pflanzen aus der ganzen Welt genannt (z.B. Helmkraut, Blauer Lotus, etc.), die fast alle in ihren Verbreitungsgebieten zu medizinischen oder rituellen Zwecken verwendet werden. Von den in der Kräutermischung enthaltenen Pflanzen ist keine als giftig bekannt. Allerdings ist unklar, welche speziellen Schadstoffe bei der Verbrennung der Mischung entstehen.
 
Wirkung
Berichte von Konsumenten/innen sind in der Frage, ob und wie „Spice" wirkt, uneinheitlich. Die Beschreibungen reichen von „mild & dem Marihuana ähnlich" über „besser und stärker als Marihuana" bis zu „diffus, betonierend, ganz anders als Cannabis". Es gibt jedoch auch Konsumenten/innen die gar keine Wirkung verspürten. Jene die eine Wirkung spüren, beschreiben sie als diffus, mild sedierend und leicht halluzinogen.
 
Psychoaktivität
Der Grund für die von Konsumenten/innen beschriebene Intensität der psychoaktiven Wirkung ist bislang noch nicht restlos geklärt. Einige der Pflanzen enthalten zwar psychoaktive Substanzen, in der Literatur (vgl. Rätsch, 1998) werden aber vergleichsweise eher schwache Wirkungen beschrieben.

Chemische Analysen im Jahr 2007 und 2008 durch verschiedene Labors ergaben, dass „Spice" keine dem Suchtmittelgesetz unterliegenden Substanzen enthält. Ob „Spice" weitere bislang noch nicht identifizierte legale psychoaktive Substanzen enthält, ist anhand der bisherigen Analysen jedoch nicht zu sagen. Entsprechende weitere Untersuchungen im Auftrag des BMGFJ sind in Vorbereitung.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass momentan noch nicht beurteilt werden kann, ob die beschriebene starke psychoaktive Wirkung rein durch die Mischung mehrerer schwach psychoaktiver Pflanzen erklärbar ist, ob eine der Pflanzen eine weitere noch nicht identifizierte psychoaktive Substanz enthält, ob sonstige  Substanzen (synthetisch oder pflanzlich) den verschiedenen Kräutermischungen zugesetzt wird, oder ob die Wirkung auch durch die Erwartungshaltung der KonsumentInnen verstärkt werden kann.

 
Gesundheitsgefährdung
Die gesundheitlichen Folgen des Rauchens von „Spice" sind noch unklar, v.a. da nicht alle Inhaltsstoffe bekannt bzw. ausreichend erforscht sind. Da „Spice" noch relativ „neu auf dem Markt" ist, gibt es naturgemäß auch noch keine Studien zu einem möglichen Suchtpotential. Auch zu den gesundheitlichen Folgen möglicher Überdosierungen gibt es noch keine Daten. Es kann zurzeit nicht gesagt werden, welche unerwünschten oder sogar schädlichen Auswirkungen mit den beschriebenen „marihuanaähnlichen" Effekten einhergehen. Im Zusammenhang mit den nicht einschätzbaren Risiken ist daher vom Konsum von „Spice" in jedem Fall abzuraten.

Wegen der allfälligen Ähnlichkeit ist hinsichtlich der Wirkungen von Marihuana auf folgendes hinzuweisen:

Durch Cannabis bzw. die Inhalation verbrannten Cannabiskrautes kann im akuten Rauschzustand Stimmung, Wahrnehmung, Reaktions- und Assoziationsvermögen etc. beeinflusst werden, was z.B. im Straßenverkehr und in anderen, die Aufmerksamkeit erfordernden Situationen bedeutsam ist; der Konsum kann verschiedene psychische Effekte auslösen, beispielsweise vorherrschende Stimmungslagen verstärken, es kann zu Ängsten und Verfolgungsideen kommen, der Pulsschlag kann sich beschleunigen etc. Entsprechend höherfrequenter bzw. chronischer Konsum kann mit gravierenden negativen Folgen einhergehen bzw. körperliche Folgen und psychische Abhängigkeit nach sich ziehen.

Ob diese, ähnliche oder andere Folgen auch mit dem Konsum von „Spice" verbunden sein können, lässt sich, wie gesagt, mangels diesbezüglicher umfassenderer Forschungsergebnisse nicht sagen, kann daher aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Fest steht, dass der in der Bewerbung des Produktes verwendete Hinweis, „Spice" enthalte weder Tabak noch Nikotin, keinesfalls als gesundheitlicher Unbedenklichkeitshinweis verstanden werden darf. Die verbrennenden Pflanzen(extrakte) enthalten zwar allenfalls kein Nikotin, können aber ebenso viele gesundheitsschädliche Substanzen beinhalten wie reguläre Zigaretten bzw. deren bei der Verbrennung entstehender Rauch.

Denn beim Abbrennen aller Arten von Rauchwaren, ob sie aus Tabak oder sonstigen Pflanzen, Kräutern oder Gewürzen bestehen, kommt es beim Abbrennen zur Freisetzung von feinstaubähnlichen Teilchen und von Pyrolyseprodukten unterschiedlichster Toxizität. Rauch ist stets ein Gemisch aus Abgasen, Ruß und Dämpfen, giftigen und krebserregenden Verbindungen, sodass auch das Einatmen des Rauchs von Kräuterzigaretten - auch solcher, die keine psychoaktive Wirkung entfalten - nicht gesünder ist als jener von Tabak-Zigaretten.

Davon abgesehen sollte vom Konsum dieser Kräuter trotz der vermeintlich „interessanten" psychoaktiven Effekte aber gerade wegen der unerforschten Wirkungen und Auswirkungen unbedingt Abstand genommen werden, zumal allfällige negative bzw. gesundheitsschädliche Auswirkungen durchaus nicht ausgeschlossen werden können. Nach Expertenmeinung sind zumindest Nebenwirkungen wie Halluzinationen oder Verwirrtheit zu befürchten.

 
Hinweise für Beratung und Prävention

Für die Praxis in Beratung und Prävention gilt hinsichtlich „Spice" das gleiche wie für andere biogene Drogen: Die Frage ob eine Substanz legal oder illegal ist, sagt nichts über mögliche gesundheitliche Risiken des Konsums aus.

Der Wirkstoffgehalt von Pflanzen ist stark von äußeren Einflüssen wie beispielsweise dem Wetter abhängig, die Wirkung ist für Konsument/innen daher schwer kalkulierbar und der Konsum immer mit einem kaum einschätzbaren Risiko verbunden. Die Entwicklung eines Problembewusstseins bezüglich der gängigen Meinung, dass biogene Drogen - weil „bio" - nicht schädlich sein können, wäre anzustreben. Bei „Spice" gilt zusätzlich, dass über mögliche spezifische Gesundheitsgefährdungen noch nichts gesagt werden kann, da eine Kräutermischung konsumiert wird, die möglicherweise unbekannte Substanzen enthält und deren bekannte Inhaltsstoffe noch nicht hinreichend erforscht sind. Darüber hinaus stellt der Konsum der Kräutermischung „Spice" eine Form von Mischkonsum dar, die Kombination zweier oder mehrerer Substanzen kann zu besonders starken Belastungen für Körper und Psyche führen und das Risiko gefährlicher Zwischenfälle erhöhen.