Absinth: Alkohol und Thujon - nicht unbedenklich
 
 
Absinth besteht aus Auszügen von Wermut, Anis, Fenchel sowie weiterer Kräuter mit einem Alkoholgehalt von bis zu 85 - 90 Volums-Prozent (!) und ist demnach dem oberen Bereich der Spirituosen zuzuordnen und wird in der Regel nur mit Wasser verdünnt getrunken. Die typisch grüne Farbe, deretwegen Absinth auch "die grüne Fee" (französisch: la Fée Verte) genannt wird, kommt von zugesetzten Farbstoffen. Zur Herstellung wird ein Destillat des Wermuts verwendet, Absinthschnaps enthält daher das ätherische Öl, nicht aber die Bitterstoffe. Das erklärt auch, warum Absinth nicht so bitter schmeckt, wie man aufgrund des hohen Bitterwerts des Wermutkrauts vermuten könnte. Andererseits enthält Absinth relativ viel der neurotoxischen Substanz Thujon, denn das ätherische Öl kann bis zu 50 Prozent Thujon enthalten. Das hochprozentige alkoholische Getränk hatte früher den Ruf, abhängig zu machen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden nach sich zu ziehen.

Thujon ist eine farblose Flüssigkeit, die einen mentholartigem Geruch aufweist. Es ist unter anderem in Thuja, Thymian, Wermut, Rainfarn, Rosmarin, Beifuß und im Echten Salbei enthalten. Thujon kann in hohen Dosierungen Erbrechen, Magen- und Darmkrämpfe, Harnverhaltung, in schweren Fällen Benommenheit, Nierenschäden und zentrale Störungen (auch Schwindel, Halluzinationen und Wahnvorstellungen) auslösen. Wässrige Drogenauszüge (z.B. Wermut-Tee) enthalten relativ wenig Thujon.

Ob tatsächlich das Thujon für die früher bei Absinth-Trinkern festgestellten gesundheitlichen Schäden verantwortlich zeichnet, wird heute angezweifelt. Absinth enthielt auch beträchtliche Mengen an Schwermetallsalzen und anderen bedenklichen Bestandteilen, die ganz gewiss dem Körper nicht zuträglich sind. Um dem Absinth das charakteristische Aussehen (milchige Trübung bei Verdünnung bzw. Kühlung) und die typische grüne Farbe zu verleihen, wurden bisweilen Zusatzstoffe, wie z. B. Indigo, Anilingrün, Kupfersulfat, Kupferacetat und Antimontrichlorid hinzugefügt. Ein zusätzliches Problem des Absinths des 19. Jahrhunderts war, dass der verwendete Alkohol oft minderwertig war. Rückblickend wird dies in Verbindung mit dem sehr hohen Alkoholgehalt als die vorrangige Ursache des im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten so genannten Absinthismus angesehen. Beim Absinthismus gibt es ähnliche Symptome wie beim Alkoholismus. Dennoch muss festgestellt werden, dass Thujon neurotoxisch ist.

Dem Wermutwein werden übrigens Auszüge aus Artemisia pontica (Römischer Wermut) zugesetzt, da dessen ätherisches Öl nur wenig Thujon enthält.

Geschichtliches:

Zu den Anhängern des Absinth zählten Künstlern wie Vincent van Gogh und Toulouse-Lautrec, der die Angewohnheit hatte, seinen Absinth nicht mit Wasser, sondern mit Cognac zu verdünnen. Zu diesem Thema malte er auch das bekannte Bild "Die Absinthtrinkerin".

Ein spektakulärer Mordfall am Anfang des 20. Jahrhunderts, bei dem ein Mann im Absinth-Rausch seine Familie tötete, führte dazu, dass Herstellung und Verkauf von thujonhaltigen Getränken in den meisten europäischen Ländern und den USA gesetzlich verboten wurden. Nicht verboten wurde die Absinth-Herstellung in der Tschechoslowakei sowie in den EU-Ländern Spanien und Portugal. Dies führte aufgrund einer EWG-Richtlinie zur 1998 Aufhebung des Absinth-Verbots in der Europäischen Union. Allerdings müssen heute bestimme Obergrenzen der Bestandteile strikt eingehalten werden. Für Absinth und Wermutwein gilt eine Thujon-Obergrenze für die tägliche Aufnahme von 10 μg/kg Körpergewicht.