Phytotherapie: Pflanzliche Arzneimittel nach naturwissenschaftlichen Grundsätzen
 
Heute kennt man rund 3000 Pflanzen mit heilender Wirkung
 
Die Pflanzenheilkunde ist die älteste Methode zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. Das erste Heilkräuterbuch soll schon 3000 vor Christus in China verfasst worden sein. Auch im alten Ägypten, dem persischen Reich, in der griechischen und römischen Antike wurde das Wissen über unzählige pflanzliche Arzneimittel niedergeschrieben.

So galt die mehr als hundert Schriften umfassende Enzyklopädie Galens, des Leibarztes mehrerer römischer Kaiser – u. a. Marc Aurel –, lange Zeit als Bibel der Ärzte. Der noch heute gebräuchliche Begriff der galenischen Pharmazie, der Zubereitung von pflanzlichen Substanzen zur Arznei, geht auf den berühmten Mediziner und Forscher zurück. Umfassende Studien über medizinische Eigenschaften und Anwendungen von einheimischen und ausländischen Pflanzen verdanken wir auch der Äbtissin Hildegard von Bingen.

Als verstärkt chemisch-synthetische Arzneimittel zum Einsatz kamen, geriet die Kräuterheilkunde etwas ins Hintertreffen. Eine Trendumkehr gab es Ende des 19. Jahrhunderts, als das Motto lautete: Zurück zur Natur. Besonders stark bemühte sich Pfarrer Sebastian Kneipp darum, das verschüttete Kräuterwissen wieder auszugraben.

Wissenschaftlich belegt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte schließlich Henri Leclerc den Terminus „Phytotherapie“ ein. Sie schöpft zwar aus dem überlieferten Wissen über Heilpflanzen, ist jedoch mehr als Kräuterheilkunde. Die moderne Phytotherapie erbringt nämlich den naturwissenschaftlichen Nachweis der therapeutischen Nutzung der Drogen. Klinische Erfahrungen und pharmakologische Erkenntnisse sind ein wesentliches Kriterium in der Herstellung und zur Zulassung von Phytopharmaka. Nicht umsonst ist die Phytotherapie ein Zweig der Schulmedizin.

Auf der Suche nach neuen Arzneimitteln

Heute kennt die Medizin rund 3000 Pflanzen mit heilender Wirkung. Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen durchforsten Wissenschaftler weltweit die Flora unterschiedlichster Regionen, ja selbst das Meer wird nach Pflanzen mit vorbeugenden oder heilenden Substanzen (z. B. Braunalgen) durchkämmt. Eine Pflanze, von der man sich erwartet, dass sie nützliche Wirkstoffe beinhaltet, wird gesammelt, zu Pulver verarbeitet und dann in vielen Untersuchungsschritten und Analysen auf ihre Eigenschaft als potenzielles Arzneimittel hin überprüft.

Bevor also eine Substanz zu einem Arzneimittel weiterentwickelt wird, muss sie sich unzähligen „Härtetests“ unterziehen. Und dann hat sie noch einen langen Weg bis zur Zulassung vor sich. Diese erfolgt erst, wenn in Laboranalysen und klinischen Testreihen die Wirksamkeit eindeutig nachgewiesen ist.

Quelle: Apotheken Journal