Fortbildungswoche in Saalfelden 2003: Herz-Kreislauf-Erkrankungen
 
WHO "Risikopatienten besser informieren": die Apotheker bereiten sich darauf vor
 
In den Industriestaaten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die führende Todesursache. In Österreich sterben jährlich über 40.000 Menschen an den Folgen kardiovaskulärer Erkrankungen, weltweit sind es 12 Millionen Tote pro Jahr. Mehr als jeder zweite tödliche Herzinfarkt oder Schlaganfall könnte aber nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verhindert werden, und zwar durch ausreichende Versorgung der Risikopatienten mit Medikamenten sowie durch gesunden Lebensstil.

Seit Jahrhunderten kennen die Menschen das Geheimnis einer guten Gesundheit: regelmäßiges, ausgewogenes Essen und angemessene Bewegung. Dieses Wissen wird durch uralte Erkenntnisse wie auch durch epidemiologische Daten bestätigt. So ist bekannt, dass gesunde Essgewohnheiten und moderate körperliche Bewegung das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls und von Diabetes (Typ II) reduzieren können.

Gesund leben – in Bewegung bleiben war auch das Motto des Weltgesundheitstages 2002.

Eine der wesentlichen Ursache für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht ist fehlende körperliche Bewegung. Nach Schätzungen der WHO führt der Mangel an Bewegung zu mehr als zwei Millionen Todesfällen im Jahr. Ungesunde Ernährung, unzureichende körperliche Bewegung und Rauchen zusammen führen zu 80% der vorzeitigen Herzkranzgefäßerkrankungen. Bewegungsmangel erhöht auch das Risiko von Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterinspiegel.

Das Metabolische Syndrom
Die häufigsten Stoffwechselerkrankungen der westlichen Welt sind Übergewicht, Insulinresistenz (Diabetes Typ II), erhöhte Blutfette und Hypertonie. Nicht zu Unrecht werden diese vier lebensstilbedingten Symptome auch „Das tödliche Quartett“ genannt, denn sie sind hauptverantwortlich für atherosklerotische Veränderungen im Blutgefäßsystem. Hypertonie ist ein wichtiger eigenständiger Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt. Das Risiko von HypertoniepatientInnen, einen Schlaganfall zu erleiden, ist fast dreifach erhöht. Liegen weitere Anzeichen des Metabolischen Syndroms vor, und raucht der Patient, steigt das Risiko nochmals um das Achtfache.

Fortbildung: Von der Meerzwiebel zur Stammzelltherapie

Bereits im alten Ägypten stand die Meerzwiebel in hohem Ansehen und ist um 1500 v.Chr. im Papyrus Ebers zur Behandlung der Herzschwäche erwähnt. Heute laufen klinische Versuche mit der Stammzelltherapie, dazwischen liegt der gesamte Bereich der modernen medikamentösen Therapie und Prophylaxe, der naturgemäß bei der Apothekertagung im Mittelpunkt des Interesses steht. Die Fortbildungstagung der Apothekerkammer gibt aber auch Gelegenheit, mit Spezialisten über weitere Forschungsergebnisse und Trends bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu diskutieren. Dazu gehören die Darstellung der Möglichkeiten bei der Aufdehnung von Gefäßverengungen außerhalb des Herzens (periphere Angioplastie) durch Ballondilatation, Stents oder Endoprothesen ebenso wie die Indikationen, Zielstellungen und mögliche Komplikationen bei der Stammzelltherapie: Die Begriffe Gen- und Stammzelltherapie werden heutzutage oft wie Zauberworte oder Wundermittel gehandelt und erwecken bei den Patienten viele, derzeit nicht zu realisierende Hoffnungen. Die Entwicklung gehe aber in den nächsten 5 bis 10 Jahren dahin, adulte Stammzellen zu Herzmuskelzellen "umzufunktionieren" und damit durch Infarkt geschädigtes Herzmuskelgewebe zu ersetzen.

Im Informationszeitalter werden an erfolgreiche Fortbildungsveranstaltungen neue Aufgaben herangetragen.
Nur durch eine breit gefächerte und kontinuierliche Wissensvermittlung kann der Wissenszuwachs auch in die Praxis transportiert werden. Die gewaltigen Fortschritte in der medikamentösen Therapie bringen in der Anwendung oft nicht die gewünschten Erfolge. Eine jüngst veröffentlichte Studie (die Ergebnisse wurden in Buchform veröffentlicht: Heuer, Heuer, Lennecke: „Compliance in der Arzneitherapie“, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart) kam zu dem Ergebnis, dass sich Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders leichtsinnig verhalten: Mehr als 93 Prozent nehmen ihre verordneten Tabletten nicht, falsch oder nicht regelmäßig ein. Aufklärung ist daher bei diesen Erkrankungen nicht nur für die Prävention, sondern auch zur Verbesserung der Compliance wichtig. Grund genug, dieses Jahr erstmals auch einen Vortrag, der sich speziell mit dem Thema „Kommunikation mit Kranken“ beschäftigt, in das wissenschaftliche Programm aufzunehmen.
Das naturwissenschaftliche Wissen mit dem Erfahrungswissen in optimaler Weise zu kombinieren — dies war und ist stets unser Bestreben. Evidence Based Medicine ist als Schlagwort heute in aller Munde. Die Grundlagen therapeutischer Entscheidungen werden zunehmend hinterfragt, gesicherte Daten werden mit dem Begriff EBM charakterisiert. Ein besonders für die Praxis in der Apotheke abgestimmter Vortrag beschäftigt sich – erstmals bei einer unserer Tagungen – mit dem Thema „Phytopharmaka und EBM“. Und als Ergänzung bietet die Apothekerkammer im Vormittagsprogramm ein „EBM-Schnupperseminar“ an, mit den Schwerpunkten: Literatursuche (auch im Internet), Bewertung von Studien und Voraussetzungen zur Umsetzung. Sehr praxisnahe „Updates“, ebenfalls am Vormittag, (Das Blutdruck-Projekt der Apotheker, Bewegung als Medizin, Reisemedizin, Herz- und Kreislaufpräparate in der Apothekenpraxis) runden das Programm in Saalfelden ab. Eine Fortbildungsveranstaltung auf höchstem Niveau in einem Ort, der durch zentrale Lage, hervorragende Tagungsbedingungen in der Kongresshalle und nicht zuletzt durch touristische Attraktionen die besten Möglichkeiten bietet.