Druckansicht
Forum Alpbach diskutiert Rolle der Apotheken in Österreich
 
HIV-Selbsttests: Bedeutung der Apotheken für die Bevölkerung steigt
 
Die Bedeutung der österreichischen Apotheken für die heimische Bevölkerung nimmt weiter zu. Das geht aus einer hochkarätig besetzten Expertendiskussion am Dienstag im Rahmen der Gesundheitsgespräche des Europäischen Forums Alpbach 2018 hervor.

Auf Einladung der Österreichischen Apothekerkammer analysierten deren Präsidentin Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, der Organisator des Life Ball Gery Keszler, ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres als Präsident der Ärztekammer Österreich sowie Mag. pharm. Gerhard Kaniak, Nationalratsabgeordneter und Apotheker, am Beispiel der seit einigen Wochen rezeptfrei erhältlichen HIV-Selbsttests den Mehrwert von Apotheken für die heutige Gesellschaft.


Im Bild von links nach rechts : Gery Keszler, Life Ball Organisator und selbst chronisch Erkrankter, Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer Österreich, Mag. pharm. Gerhard Kaniak, Nationalratsabgeordneter und Apotheker

Foto: Österr. Apotherkammer/APA-Fotoservice/Pichler
Apotheken erweitern Leistungsspektrum
„Selbsttests aus der Apotheke dienen der Früherkennung einer Infektion mit dem HI-Virus. Bei positivem Testergebnis wird der Patient an eine medizinische Einrichtung weiterempfohlen, um möglichst frühzeitig eine Diagnose erstellen zu können. Diese Diagnose, gefolgt von einer rasch eingeleiteten Behandlung, wirkt sich positiv auf Therapieerfolg und Lebensqualität der betroffenen Person aus. Durch ihre Beratungstätigkeit schaffen Apothekerinnen und Apotheker hier einen immensen Mehrwert für die Betroffenen, den es in dieser Art noch nie zuvor gegeben hat“, erklärte Mursch-Edlmayr.

Die Apothekerkammer habe gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium, Ärzten, der Österreichischen AIDS Gesellschaft und der Aids Hilfe zertifizierte Schulungen für Apothekerinnen und Apotheker sowie standardisierte Beratungsleitfäden erarbeitet. Auch Kundeninformationsbroschüren seien eigens erstellt worden, so die Apothekerkammer-Präsidentin. Und weiter: „Es werden laufend regionale Fortbildungsveranstaltungen und Online-Schulungen angeboten. Jede Maßnahme, die dazu beiträgt, die Hemmschwelle vor einem HIV-Test abzubauen und damit die Menschen frühzeitig der richtigen Diagnose und Therapiemaßnahme durch Ärztinnen und Ärzte zuführen kann, steht für uns Apothekerinnen und Apotheker im Fokus.“ Auch in diesem Bereich komme den Apothekerinnen und Apothekern eine bedeutende Beratungsrolle zu, sagte Mursch-Edlmayr.

„Know Your Status“
Gery Keszler, selbst HIV-Betroffener, unterstrich in seinem Statement die Wichtigkeit der neuen HIV-Selbstests für die ganze Gesellschaft: „Der Test setzt die Hemmschwelle, sich auf HIV untersuchen zu lassen, weiter herunter. Er bedeutet für alle Personen, die ihren Status checken wollen, eine große Chance. Das Motto `Know Your Status‘ ist aktueller denn je“, so Keszler.
Aus Sicht der Ärztekammer handle es sich beim neuen HIV-Selbsttest um ein „gutes Beispiel für eine Kooperation zugunsten der Menschen“, sagte Thomas Szekeres.
„Es ist sicher wichtig, den Menschen einen niederschwelligen Zugang zu einem HIV Schnelltest zur Verfügung zu stellen, um sie möglichst schnell einer profunden Diagnostik und Behandlung zuzuführen. Denn der Umgang mit einem positiven Test-Ergebnis zählt zu den anspruchsvollen Aufgaben in der Medizin und muss von Ärzten übernommen werden“, ergänzte der Ärztekammer Präsident.
Gerhard Kaniak verwies als Nationalrat und Gesundheitspolitiker auf die
wesentliche Rolle, welche Apotheken in der öffentlichen Gesundheitsversorgung sowie bei der Reform des Gesundheitswesens einnehmen würden. „Angesichts der Wichtigkeit des Themas HIV herrscht unter den Regierungsparteien große Einigkeit, wenn es darum geht, die Vorsorge auszubauen", versicherte der Abgeordnete im Rahmen der Diskussionsveranstaltung.


Apotheken immer wichtiger
Die Veranstaltung förderte in Bezug auf den Mehrwert der Apotheken für die Bevölkerung wesentliche Aspekte zu Tage:
  1. Apothekerinnen und Apotheker machen sich für die Prävention und die Früherkennung stark und kümmern sich um die Gesundheitskompetenz der Menschen.
  2. Apothekerinnen und Apotheker schärfen das Bewusstsein für folgenschwere Krankheiten, wie etwa AIDS.
  3. Die Apotheke ist eine enorm wichtige Anlaufstelle für chronisch kranke Patienten.
  4. Betreute Selbstmedikation ist ein Schwerpunkt des Apotheken-Leistungsportfolios.


Informationen zu den neuen HIV-Selbsttests
  • HIV-Selbsttests sind Schnelltests, speziell für Laienanwendung zu Hause konzipiert
  • Derzeit können in Österreich zwei Tests ausschließlich über Apotheken bezogen werden. Bei beiden Produkten handelt es sich um Bluttests:
  • Autotest VHI
  • Insti
  • Durchführung, Ablesung, Interpretation erfolgt durch die betroffene Person selbst
  • Ergebnis innerhalb von 30 Minuten
  • Diagnostisches Fenster ca. 12 Wochen. D.h.: Der Test kann erst 12 Wochen nach dem letzten Risikokontakt eine HIV-Infektion sicher ausschließen.
  • Es kann verkommen, dass der Test ein positives Ergebnis anzeigt, obwohl keine HIV-Infektion vorliegt
  • Positives Testergebnis bedeutet noch keine HIV-Infektion! Jeder positive Test muss daher durch einen spezifischen Labortest (Hausarzt, medizinisch-diagnostisches Labor, Aids Hilfe) bestätigt werden
  • Sicherheit des HIV-Selbsttests: pos. Ergebnis > 99,5%, neg. Ergebnis 99,9%.

Apotheken auf einen Blick
In Österreich spielen die öffentlichen Apotheken eine wichtige Rolle als Gesundheitsnahversorger. Ob Stadt oder Land: Die österreichischen Apotheken liefern Qualität auf höchstem Niveau. Insgesamt beraten rund 6.000 akademisch ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker in 1.400 Apotheken die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Die Beratungskompetenz ist eine der zentralen Leistungen der Apotheker. Zusätzlich erbringen über 350 Apothekerinnen und Apotheker wertvolle Versorgungs- und Beratungsleistungen für die Patienten in den österreichischen Krankenanstalten.

ots-Presseaussendung der Österreichischen Apothekerkammer vom 21. August 2018

Fragen an:
Österreichische Apothekerkammer
Mag. Elisabeth Ort, Wolfgang Müller, MA, MSc
Tel.: 01/404 14 DW 600
E-Mail:
presse@apothekerkammer.at