Europäisches Forum Alpbach diskutiert Sicherheit als Geschäftsmodell für Apotheken
 
Apothekerkammer: Im Mittelpunkt stehen immer Patientinnen und Patienten
 
Bei den Gesundheitsgesprächen widmete sich die Partnersession der Österreichischen Apothekerkammer gestern der Frage, wie man angesichts der steigenden Arzneimittelfälschungen und des globalen Problems der Lieferengpässe von Medikamenten die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Arzneimitteln auch in Zukunft gewährleisten kann.

„Fast die Hälfte der Menschen in Österreich weiß nicht, dass der Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten im Internet verboten ist. Im besten Fall ist eine Medikamentenfälschung für den Betroffenen wirkungslos, im schlimmsten Fall gesundheitsschädigend oder sogar tödlich. Die Zahlen zeigen einen erschreckenden neuen Rekord bei illegalen und gefälschten Medikamenten. Sichere und geprüfte Arzneimittel erhält man ausschließlich über die Apotheken. Hier haben aufgrund der strengen Auflagen, Sicherheitskontrollen und der engmaschigen Lieferkette Fälscherbanden keine Chance“, erklärt Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer in ihrem Eingangsstatement.

v.l.n.r. Dr. Clemens Martin Auer (BM für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz), Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr (Präsidentin Österr. Apothekerkammer), DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche (AGES), Peter Habeler (Extrembergsteiger), Roland Schaffler (ÖKZ) - Foto: Österr. Apothekerkammer/APA-Fotoservice/Hetfleisch
Lieferengpässe von Arzneimitteln – globale Lösungen gefragt
„Wir brauchen ein funktionierendes EU-Netzwerk der Behörden, um den schnellen Zugang zu geprüften, hochwertigen, wirksamen und sicheren Arzneimitteln auch in Zukunft sicher zu stellen, denn die Verfügbarkeit von Medikamenten wird ein immer wichtigeres Thema. Bei Lieferengpässen von lebenswichtigen Medikamenten können unter anderem über eine Sonderregelung Kontingente aus anderen Ländern für die Versorgung in Österreich zugekauft werden “, sagt DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin Geschäftsfeld Medizinmarktaufsicht, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH sowie Vorsitzende des EMA-Managementboards. „Ein ganz entscheidender Aspekt dabei ist, die Produktion von Arzneimitteln und Wirkstoffen innerhalb Europas nachhaltig zu stärken. Hier sind wir alle gefordert, gemeinsam an einem Strang zu ziehen“, appelliert Wirthumer-Hoche zur Zusammenarbeit.

Sicherheitsaspekte beim alpinen Klettern – eine Gratwanderung
Peter Habeler, Extrembergsteiger schildert: „Beim Bergsteigen, wenn man es extrem betreibt, sollte man seine eigenen Grenzen kennen, sonst wird es mitunter schnell lebensgefährlich. Aber es gibt natürlich viele Sicherheitsaspekte, die man bei einer Bergtour berücksichtigt und die jahrelangen Erfahrungswerte, die man im Rucksack hat, kann einem keiner nehmen – genauso wie die eigene Verantwortung jedes Menschen für die eigene Sicherheit.

Globale Bestrebungen gegen Lieferengpässe
Dr. Clemens Martin Auer, Sonderbeauftragter für Gesundheit im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz sieht das globale Problem bei Lieferengpässen wie folgt: „Von der pharmapolitischen Seite her haben wir es mit zwei Paradoxien zu tun. Wir haben einerseits innovative hochpreisige, für viele nicht mehr leistbaren Medikamente zur Verfügung. Dieses Thema ist politisch heiß. Und anderseits haben wir bei den Generika sehr geringe Arzneimittel-Preise. Das hat zur Folge, dass es da keine ökonomischen Anreize für die Industrie gibt, diese herzustellen. Es braucht endlich ein wirklich partnerschaftliches System, in dem das öffentliche Gesundheitssystem zusammen mit der Pharmawirtschaft Modelle gegen Lieferengpässe entwickelt.“
Zusammenfassend stellt Mursch-Edlmayr fest: „Der täglich steigende Beratungsaufwand in der Apotheke zeigt klar, dass zusehends verunsicherte Menschen vertrauensvoll Rat suchen. Dabei ist es wichtig, dass das Bedürfnis nach Sicherheit im Umgang und der Beschaffung von Arzneimitteln nicht nur Apothekerinnen und Apotheker erfüllen. Im Sinne einer optimalen Arzneimittelversorgung gehört es selbstverständlich dazu, dass alle involvierten Gesundheitsberufe konstruktiv zusammenarbeiten. Da sehe ich durchaus Verbesserungspotential“,so Mursch-Edlmayr weiter.
Zu den kurzfristig realisierbaren Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation erklärt die Apothekerkammer-Präsidentin: „Wir brauchen Transparenz und tagesaktuelle Informationen für Ärzte und Apotheker zum Stand der Lieferbarkeit von Arzneimitteln, damit die Verfügbarkeit bereits bei der Verschreibung berücksichtigt werden kann. Für trotzdem auftretende Versorgungsprobleme bedarf es der Entwicklung gemeinsamer Strategien zur flexiblen Patientenversorgung und unbürokratischen Erstattung. Wir Apothekerinnen und Apotheker stehen konstruktiven Lösungen, die zum Wohle der Menschen sind, immer aufgeschlossen gegenüber.“


ots-Presseaussendung der Österreichischen Apothekerkammer vom 21. August 2018

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