Hepatitis B
 
Impfung auch im Österreichischen Impfplan empfohlen
 
Kinderimpfung

Die Impfung gegen Hepatitis B (HBV) ist im kostenfreien Impfprogramm enthalten und wird im Rahmen der 6-fach Impfung nach dem 2+1 Schema im 3., 5. und 12. (-14.) Lebensmonat geimpft. Nach der Grundimmunisierung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter ist eine Auffrischungsimpfung ab dem vollendeten 7. bis zum vollendeten 15. Lebensjahr empfohlen. Routinemäßige weitere Auffrischungsimpfungen oder Titerkontrollen sind nur bei Risikopersonen notwendig. Bei fehlender Grundimmunisierung soll die Hepatitis B-Immunisierung spätestens mit Pflichtschulaustritt durchgeführt werden, da das Infektionsrisiko ab diesem Alter steigt.

Erwachsenenimpfung
Die HBV-Impfung kann in jedem Lebensalter nachgeholt werden und ist allgemein empfohlen. Es stehen monovalente sowie bivalente Totimpfstoffe (in Kombination mit Hepatitis A) zur Verfügung. Nach der Grundimmunisierung im Erwachsenenalter (keine Risikogruppen) werden generell keine weitere Auffrischungsimpfungen oder Titerkontrollen empfohlen. Da aber 5 %-10 % der Geimpften keine ausreichende Impfantwort erreichen, sind bei Personen mit erhöhtem Risiko (s.u.) Titerkontrollen und bei Bedarf Auffrischungsimpfungen empfohlen.

Indikation für Titerkontrollen und Auffrischungsimpfungen
Folgenden Personen werden Titerkontrollen bzw. Auffrischungsimpfungen empfohlen:

  • Kontakt mit an Hepatitis B-Erkrankten oder HBsAg-Trägerinnen und HBsAg-Trägern
  • chronische Lebererkrankung
  • häufiger Bedarf an Plasmaprodukten (z.B. Hämophilie)
  • Prädialyse- und Dialysepatientinnen und Dialysepatienten
  • bestehende oder zu erwartende Immundefizienz bzw.-suppression, bei HIV-Infektion
  • riskantes Sexualverhalten und somit hohes Infektionsrisiko (Sexualpartnerinnen und Sexualpartner von Personen, die HBsAg-positiv sind, häufiger Partnerwechsel)
  • intravenöser Drogengebrauch
  • Infektionsrisiko durch Blutkontakte mit möglicherweise infizierten Personen, wie zum Beispiel Personen in Gefängnissen
  • Reisende in Gebiete mit hoher Hepatitis B-Infektionsprävalenz
  • Personal mit beruflichem Risiko wie z.B. Ärztinnen und Ärzte und Personal medizinischer Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen einschließlich Auszubildende dieser Berufe, Reinigungspersonal von Gesundheitseinrichtungen, Personen, die beruflich Injektionsnadeln einsammeln oder entsorgen sowie Personal plasmafraktionierender Unternehmen
  • Personen, die in Berufsfeldern mit spezifischem Risiko tätig sind, unter anderem Entsorgungs- und Abfallwirtschaft sowie Abfall-, Abwasser-, Entsorgungs-, Reinigungs-, Bestattungsdienste, betreute Einrichtungen und Personal von Einrichtungen für Menschen mit einer geistigen oder psychischen Behinderung, Erste Hilfe, Feuerwehr, Fußpflege, Justiz/Haftwache, Landwirtschaft, Piercing- oder Tattoostudios, Polizei, Rettungsdienst, Sexarbeit, Verterinärmedizin
  • Personen in der Betreuung/Versorgung von Flüchtlingen und Unterkünften für Flüchtlinge/Asylsuchende, auch in Erstanlaufstellen

Impfschema
Grundimmunisierung im 1. Lebensjahr: 2+1 Schema: 2. Dosis nach 2 Monaten, 3. Dosis 6-12 Monate nach 2. Dosis Grundimmunisierung ab dem vollendeten 1. Lebensjahr: 2. Dosis nach 1-2 Monaten, 3. Dosis 6-12 Monate nach der 2. Dosis.
Schnellimmunisierung (Schema 0/7/21): 2. Dosis nach 7 Tagen, 3. Dosis 14 Tage nach der 2. Impfung (entspricht 21 Tage nach der 1. Impfung), 4. Dosis 11 Monate nach der 3. Impfung.
Die Hepatitis B-Impfung kann auch als Kombinationsimpfung mit Hepatitis A gegeben werden. Auffrischungsimpfung: Nur nach Säuglingsimpfung im Schulalter auffrischen, routinemäßige Auffrischung sonst nicht erforderlich.
Schwangerschaft oder Stillen stellen keine Kontraindikationen für die Impfung dar!

Erkrankung, Epidemiologie und Bedeutung
Das hochinfektiöse Hepatitis B-Virus (HBV) gehört weltweit zu den häufigsten viralen Infektionserregern des Menschen. Es wird über Sexualkontakt, Blutkontakt mit Schleimhaut oder nicht-intakter Haut, durch Nadel- und Schnittverletzungen sowie vertikal übertragen. In Ländern mit hoher HBV Inzidenz ist diese Übertragung von der infizierten Mutter auf das Neugeborene während des Geburtsvorgangs der Hauptübertragungsweg. Während bei den Neugeborenen die HBV-Infektion in 90 % einen chronischen Verlauf nimmt, ist das bei Erwachsenen nur in weniger als 5 % der Fall. Die Inkubationszeit beträgt etwa 75 (30-180) Tage. Die Infektion kann (abhängig u.a. vom Alter und der Infektionsdosis) subklinisch verlaufen, zu akuter Hepatitis oder fortschreitender chronischer Leberentzündung bis zur Leberzirrhose führen, wobei letztere mit einer deutlich eingeschränkten Lebenserwartung und einem erhöhten Risiko für Leberzellkarzinome einhergeht. 20-30 % der Erwachsenen mit chronischer HBV-Infektion entwickeln Leberzirrhose oder hepatozelluläres Karzinom, 25 % der chronischen Virusträgerinnen und Virusträger sterben als Erwachsene an primärem Leberkrebs oder an Zirrhose. HBV verursacht weltweit 60-80 % der primären Leberkarzinome. Hepatitis B stellt somit ein großes globales Gesundheitsproblem dar. Laut Schätzungen der WHO leben weltweit 257 Millionen Menschen mit HBV-Infektion (HBs-Antigen positiv). Allein 2015 verursachte HBV 887.000 Todesfälle, hauptsächlich verursacht durch Komplikationen wie Leberzirrhose oder hepatozelluläres Karzinom. In Österreich wird die Zahl der chronischen HBV Trägerinnen und Träger auf etwa 1,2 % der Bevölkerung geschätzt, das sind etwa 100.000 Personen
Da der Mensch der einzige epidemiologisch relevante Wirt ist und hocheffiziente, exzellent verträgliche Impfstoffe zur Verfügung stehen, hat sich die WHO die weltweite Ausrottung von HBV zum Ziel gesetzt. Daher empfiehlt sie die Immunisierung aller Personen gegen Hepatitis B.


Informationen stammen auszugsweise aus dem Impfplan 2019. Für weitere Informationen und genaue Impfschemata: Der Österreichische Impfplan 2019