Insektenschutz aus der Apotheke
 
Welt-Moskito-Tag am 20. August
 
Jedes Jahr am 20. August erinnert der Welt-Moskito-Tag an die Entdeckung des britischen Arztes Sir Ronald Ross im Jahr 1897, dass die weiblichen Moskitos (Stechmücken) Malaria zwischen Menschen übertragen können.

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Bei warmen Sommertemperaturen haben auch sie Saison: die surrenden Quälgeister, die uns die langen Tage, vor allem aber die Abende und Nächte vermiesen. Aber auch bei Reisen speziell in Tropengebiete sind unsere Apotheken die erste Anlaufstelle für eine umfangreiche Beratung über den Schutz vor Insektenstichen.

Der Stich heimischer Insekten verursacht in der Regel nur allergische Reaktionen wie Juckreiz, Schwellung und Hautrötung, tropische Stechmücken und Fliegen dagegen können oft Krankheiten übertragen. Deshalb ist es oberstes Ziel des Insektenschutzes, bereits den Anflug von Gelse und Co. mit Hilfe von Repellents zu verhindern.

Insektenabwehr durch Repellents

Repellents sind Substanzen, die Bremsen, Fliegen, Stechmücken aber auch Zecken fernhalten, indem sie den Geruchssinn der Insekten stören, diese aber im Gegensatz zu Insektiziden nicht abtöten. Durch Verdunstung entsteht auf der Haut oder den Kleidern ein dünner Duftmantel, der die Insekten abstößt oder verhindert, dass diese den Geruch des Wirtes wahrnehmen. Eine höhere Konzentration führt bei Repellents nicht zu einer stärkenen Wirksamkeit, sondern verlängert die Wirkdauer, das heißt, das Präparat muss seltener angewendet werden. Die Wirkdauer hängt aber nicht nur von der Zusammensetzung der Präparate ab. Auch der individuelle Körpergeruch des Anwenders, hohe Temperaturen oder starkes Schwitzen beeinflussen, wie lange die Wirkung eines Repellents andauert. Vor allem ist die Wirksamkeit aber auch von der Stechmückenart abhängig.

Pflanzliche Repellents sind vor allem ätherische Öle wie Eukalyptus-, Lavendel-, Nelken-, Teebaum-, Bergamott-, Zedern- und Zitronellöl. Besonders wirksam ist p-Menthandiol (PMD, Citriodiol) aus dem chinesischen Zitroneneukalyptus. Allgemein zeigen die ätherischen Öle eine deutlich geringere und kürzere Wirksamkeit als synthetische Repellentien, weshalb sie für Tropenreisende keinen zuverlässigen Schutz bieten. Weitere Nachteile sind Hautreizungen bis hin zu allergischen Reaktionen, die durch Sonnenexposition noch verstärkt werden können.

Wirkstoffe in synthetischen Repellents

DEET (Diethyltoluamid) wirkt gut abweisend auf Stechmücken, Bremsen, Fliegen, Milben und Zecken und gilt als das am stärksten wirksame Mittel zur Abwehr von Stechmücken in den Tropen. Nachteil dieses Repellents ist, dass es Hautreizungen und selten epileptische Anfälle auslösen (1 Fall pro 100 Millionen DEET-Benutzer), die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen und Gemütsschwankungen erhöhen kann. Schwangeren, Stillenden und Kindern unter drei Jahren wird die Anwendung von DEET nicht empfohlen, da DEET plazentagängig ist und in die Muttermilch ausgeschieden wird. Auch bei älteren Kindern sollte ein großflächiges Auftragen vermieden werden. DEET reizt Augen und Schleimhäute an und greift auch Kunststoffe an, z.B. Kleidung und Uhren.
Icaridin ist ist besser verträglich und weist eine geringere Reizwirkung auf Haut uns Schleimhäute auf. Es wird kaum resorbiert und greift keine Kunststoffe an. In einer Konzentration von 20% schützt es sowohl gegen heimische als auch tropische Stechmücken.
EBAAP ist viel weniger und kürzer wirksam als z.B. DEET, jedoch besser verträglich und kann bei Kindern über einem Jahr eingesetzt werden. Dieses Mittel ist auch gegen Wespen, Bienen und Sandmücken wirksam.

Tipps zur Anwendung von Repellents
  • Tragen Sie Repellents gleichmäßig und lückenlos auf die unbedeckte Haut auf.
  • Sparen Sie Hautpartien in der Nähe der Augen, Lippen und Nasenöffnungen aus und tragen Sie das Präparat nicht auf Schleimhäute, verletzte oder sonnenverbrannte Haut auf.
  • Zubereitungen zum Sprühen sollten Sie zunächst in die Hand sprühen und dann im Gesicht auftragen.
  • Bei Augen- und Schleimhautkontakt sofort gründlich mit Wasser spülen.
  • Tragen Sie Insektenschutzmittel bei Kindern nicht auf die Hände auf, da sie diese oft in den Mund stecken.
  • Schützen Sie Kinder unter 12 Monaten ausschließlich durch mechanische Maßnahmen, da die Gefahr von ZNS-Reaktionen und Krämpfen besteht.
  • Beachten Sie die Dosierung und Wirkdauer laut Angaben des Herstellers und tragen Sie das Repellent nach Kontakt mit Wasser oder bei starkem Schwitzen neu auf.
  • Wenden Sie Sonnenschutzcremen zuerst an und verwenden Sie Insektenschutzmittel erst nach einer Wartezeit von etwa 20 bis 30 Minuten.
  • Wenn der Schutz durch die Repellentien nicht mehr gebraucht wird, waschen Sie die entsprechenden Hautstellen mit Seife und Wasser gründlich ab.
  • Denken Sie an zusätzliche präventive Maßnahmen (FSME-Impfung, Moskitonetze, deckende Kleidung, Chemoprophylaxe usw.), da Repellentien keinen 100%igen Schutz bieten.
  • Für tropische Gebiete sind stärker wirksame Substanzen wie DEET oder Icaridin ab 20%iger Konzentration zu empfehlen.

Weitere Schutzmaßnahmen zur Insektenabwehr
  • Tragen Sie bevorzugt helle, dichtgewebte, locker sitzende, hautbedeckende Kleidung.
  • Imprägnieren Sie Kleidung mit Insektenschutzmitteln.
  • Stecken Sie Hosenbeine in die Socken, sowie Blusen und Pullover in die Hose. Für Risikogebiete empfiehlt die WHO sogar, Übergänge zwischen Kleidungsstücken zusätzlich mit Klebeband abzudichten.
  • Wechseln Sie regelmäßig die Socken, da Fußgeruch anziehend auf Stechmucken wirkt.
  • Entfernen Sie im Garten und auf dem Balkon mögliche Mücken-Brutplätze wie stehendes Wasser in leeren Blumentöpfen, Sandspielzeug etc., da wenige Milliliter Wasser zur Vermehrung ausreichen. Wechseln Sie das Wasser in Vogeltränken etc. mindestens ein- bis zweimal pro Woche.
  • Halten Sie Innenraume mückenfrei: nur Stoßlüften, Mückengitter an Fenstern und Türen, Mückenstecker, Raumsprays etc.
  • Schlafen Sie nachts unter einem Moskitonetz (bei Infektionsgefahr: imprägniert, max. Maschenweite 1,5 mm bzw. 25 Maschen/cm², ausreichend groß und unter der Matratze fixiert).
  • Achten Sie vor allem bei Kindern unter drei Jahren verstärkt auf diese physikalischen Maßnahmen, damit bei ihnen möglichst auf die Anwendung von Repellents verzichtet werden kann.
  • Meiden Sie in Malariagebieten Outdoor-Aktivitäten in der Dämmerung und verwenden Sie in der Nacht ein Moskitonetz mit maximaler Maschenweite von 1,2 mm (bei Sandmücken 0,6 mm) und kombinieren Sie insektizid-behandelte Textilien stets mit topisch angewandten Repellenzien.

Besondere Vorsicht bei Verwendung von Mückensteckern

Sogenannte "Mückenstecker" werden an herkömmliche Steckdosen angeschlossen und wirken als Biozidverdampfer. Sie enthalten Wärmeplatten und Wirkstoffplättchen getränkt mit Pyrethroiden wie Prallethrin oder Transfluthrin. Damit können Räume für etwa acht Stunden von heimischen und tropischen Mücken befreit werden. Allerdings sind die verbreiteten Insektizide in Sachen Umwelt- und Personenschutz nicht unbedenklich. So werden Wasserorganismen bei unsachgemäßer Entsorgung stark belastet und häufig kommt es zu Reizungen der Haut, Augen und Atemwege. Ist die Anwendung dennoch nötig (etwa bei starker Mückenbelastung in Ferienhäusern oder in Epidemiegebieten), so sollten die Räume besonders von empfindlichen Personen und Kindern in dieser Zeit nicht betreten werden. Anschließend ist es wichtig, Fliegengitter anzubringen und gut zu lüften.

Weiterführende Informationen:
Reisemedizinische Tipps zum Thema Insektenschutz
Stechmücken als Überträger von tropischen Viren


(letzte Aktualisierung 08/2019)