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Pollenallergie: Tipps aus der Apotheke
 
Häufige Fragen in der Apotheke
 
Wir haben die wichtigsten Fragen zur Pollenallergie in übersichtlicher Form zusammengestellt, denn Patientenschulung ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes. Sie ermöglicht Ihnen aktiv an der Bewältigung Ihrer Erkrankung mitzuwirken. Gesund werden, gesund bleiben: Fragen Sie Ihre Apothekerin!
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Die stärksten Allergene in Österreich sind Birkenpollen und Gräserpollen.
(Foto: F.Biba)
Welche Pollen verursachen die größten Probleme ?
Eine Österreich weit durchführte Studie ergab, dass rund 50 Prozent aller Menschen an Allergien leidet. Als häufigste Allergieform, mit knapp 25 Prozent, wurde die Pflanzenallergie genannt, ausgelöst durch:
  • Gräserpollen (auch Getreide wie Hafer, Weizen, Gerste, Roggen)
  • Baumpollen (Erle, Hasel, Birke) und
  • Kräuterpollen (Ragweed, Beifuß, Margarite, Löwenzahn, Raps)
Pollen sind verantwortlich dafür, dass etwa 1 Million Österreicher in der schönen Jahreszeit mit Niesattacken, rinnender oder verstopfter Nase und Atembeschwerden kämpfen. Dabei wiederum sind Birkenpollen im Frühjahr, die Gräserpollen ab ca. Mai und Ragweed im Herbst die häufigsten Auslöser. Alljährlich gibt es mehr Menschen, die auf den Blütenstaub von Birken allergisch reagieren. In der Allergieambulanz der HNO-Klinik im Wiener AKH wurde in den letzten 20 Jahren ein 50 %iger Anstieg an Birkenpollenallergie beobachtet. Mittlerweile reagiert die Hälfte aller Patienten mit Pollenallergie auf Birkenpollen. Ob die Birkenpollen aggressiver werden, oder die Menschen anders reagieren ist nicht klar. Birkenpollen sind zwar ein mit 5 - 25 % Jahresanteil ein wesentlicher Faktor unseres Pollenspektrums, aber sicher nicht der häufigste Prototyp. Da sind Pollen von Brennnessel, Kiefer, Fichte und in Stadtgebieten Platane weit häufiger – führen jedoch seltener zu Allergien.

Die Gräserpollensaison startet im Mai startet in West- und Mitteleuropa und in den nördlichen Gebieten kann es schon Juni oder erst Juli werden, bis die ersten Gräser zu blühen beginnen. Wegen der Vielfalt der Arten dauert die Saison in der Regel etwa zwei Monate oder noch länger. Gräserpollen haben eine hohe allergene Potenz. In West-und Mitteleuropa sind sie bei weitem das wichtigste Pollenallergen.

Kann man über 30 auch noch plötzlich Allergiker werden?
In der Vergangenheit ging auch die Fachwelt davon aus, dass nur Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene neu an Pollenallergie erkranken. In den letzten Jahren hat sich dies erschreckend geändert. Inzwischen gehen die Fachleute davon aus, dass jeder Fünfte im Alter zwischen 45 und 79 Jahren unter einer Allergie leidet. Und die Patienten werden immer älter.

Welche Symptome deuten auf eine Allergie hin?
Wenn allergische Menschen mit Pollen in Kontakt kommen, kommt es zu den leidlich bekannten Erscheinungen wie: Niesreiz, rinnende Nase, Nasenblockade, und/oder roten Augen, Juckreiz und Fremdköpergefühl in den Augen, gegebenenfalls auch Atembeschwerden und Asthma, auch Hautausschläge oder Schwellungen vor allem im Gesicht können eine Folge von Pollenkontakt sein.

Bringen Sprays oder Tabletten etwas? Welche Therapien bringen einen langfristigen Erfolg?
Die Behandlung von Allergien steht auf drei Säulen:
· Vermeiden des Kontaktes mit dem Allergen
· Unterdrücken der Symptome mit antiallergischen Medikamenten oder anderen Behandlungen und
· Immuntherapie (Allergie-Impfung, Hyposensibilisierung): Bisher standen zwei Möglichkeiten einer Immuntherapie zur Verfügung: das Allergen regelmäßig unter die Haut spritzen zu lassen oder täglich unter die Zunge zu tropfen. Seit 2006 gibt es diese Behandlungsoption erstmalig als innovative Tablette für Gräserpollenallergiker. Die Gräsertablette ist einfach anzuwenden und die Wirkung höchst Erfolg versprechend - vor allem dann, wenn früh genug vor der Gräserpollensaison mit der Behandlung begonnen wird. Idealer Zeitpunkt für den Therapiebeginn ist der Herbst.
Das Vermeiden des Allergenkontaktes ist die beste Lösung, gefolgt von der medikamentösen Therapie und der Allergie-Impfung. Die optimale Lösung stellt natürlich eine Kombination aller drei Möglichkeiten dar.

Was kann man sonst tun, um Pollenallergien vorzubeugen, bzw. die Beschwerden in Grenzen zu halten?
SO KÖNNEN SIE DEN POLLEN BESSER AUS DEM WEG GEHEN:
· Halten Sie sich so wenig wie möglich im Freien auf besonders an sonnigen, windigen Tagen. Versuchen Sie, an Tagen starker Pollenbelastung längere Aufenthalte und Sport im Freien zu meiden und Ihren Tagesrhythmus auf die Belastungshöchstwerte einzustellen. Wenn Sie doch einen Spaziergang unternehmen, so gehen Sie in den Laubwald (Laub filtert Pollen). In der Regel ist die Belastung in der Stadt abends und am Land frühmorgens am höchsten.
· Notwendige Wege am besten ganz in der Früh erledigen.
· Wiesen und Getreidefelder meiden
· Nützen Sie Pollenwarndienste und Pollenkalender. Über die Medien, im Internet www.pollenwarndienst.at/, bei Arzt und Apotheker erhalten Sie Pollenkalender mit Informationen über die Blütezeit der Pflanzen, die Konzentration der Pollen in der Luft und einen Richtwert über die 'Route' des Pollenflugs.
· Tragen Sie Sonnenbrillen. Eine Brille – idealerweise mit Seitenschutz – kann einen Teil der Pollen abfangen. Sind die Augen geschützt, kann der fliegende Blütenstaub schwerer hinein gelangen und Reizungen werden verhindert.
· Vermeiden Sie zusätzliche Anstrengung für die Augen. Durch Bildschirmarbeit und trockene oder staubige Luft werden die sensibilisierten Augen noch mehr belastet. Legen Sie auf jeden Fall regelmäßige Pausen ein.
· Lüften Sie nur an belastungsarmen Tagen. Achten Sie dabei auf die Windrichtung und halten Sie nachts die Fenster geschlossen.
· Intensivieren Sie Körper- und Kleidungspflege. Pollen bleiben am Körper und an der Kleidung haften. Um sie zu entfernen, sind eine gründliche Dusche, tägliches Haarewaschen oder intensives Durchbürsten sowie täglicher Kleidungswechsel ratsam. Deponieren Sie getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer.
· Trocknen Sie die Wäsche nicht im Freien.
· Halten Sie die Wohnung staubfrei. Verwenden Sie einen Staubsauger mit Filter oder wischen Sie feucht.
· Flüchten Sie in den Urlaub. Planen Sie in der Pollenhauptsaison einen Urlaub ein. Ab einer Seehöhe von 1.500 m und am Meer bzw. auf küstenfernen Inseln sind Sie vor den Pollen sicher. Beachten Sie die Faustregel: je weiter südlich, desto früher fliegen die Pollen.
· Verwenden Sie im Auto einen Pollenfilter (Achtung, unbedingt regelmäßig reinigen und wechseln!).
· Stopp Smoking. Nikotin schädigt die Schleimhäute der Atemwege und macht sie anfälliger für die Reizung durch Pollen.
· Achten Sie auf Ihre Gesundheit. Nehmen Sie regelmäßig Ihre antiallergischen Medikamente ein und stärken Sie die allgemeine Immunabwehr.
· Reinigen Sie Ihr Haustier. Auch bei den Haustieren setzen sich Pollen im Fell fest und sie bringen diese so in die Wohnung.
· Nicht die Augen reiben. Durch den Druck des Reibens wird Histamin freigesetzt und der Juckreiz wird verstärkt.
· Für Heuschnupfen-Allergiker wichtig: den Rasen vor der Gräserblüte Anfang bis Mitte Mai mähen und immer ganz kurz halten. Anstelle von pollenstarken Pflanzen wie Birke und Hasel sollten Rosen, Lippenblütler wie Lavendel und Salbei sowie Kletterpflanzen angebaut werden.
· Nasenspülungen oder Sprays mit physiologischer Kochsalzlösung lindern die Beschwerden.
· Eine neue Chance, den Angriff der »Pollenflugkörper« besser zu überstehen, gibt es jetzt in Form einer Nasensalbe, die aufgrund ihrer hohen Viskosität einige Stunden an der Nasenschleimhaut haftet und dadurch die inhalierten Pollen fixiert. Die Salbe, die in die Gruppe der Medizinprodukte einzureihen ist, wird im Naseneingang aufgetragen und wirkt dort etwa drei bis fünf Stunden.
· Körperliche und seelische Fitness hebt die Widerstandskraft. Das gilt auch für Allergien.
· Vollwertkost in den Speiseplan einbauen, auch das steigert die Fitness. Gesunde Ernährung kann köstlich schmecken wie viele Rezeptbücher beweisen.
· Methoden der Alternativmedizin sind nur Ergänzung, eine spezifische Immuntherapie können sie nicht ersetzen.
· Bewegung tut auch dem Immunsystem gut: den Kreislauf jeden Tag rund zehn Minuten so richtig in Schwung bringen. Aber Achtung vor körperlicher Überbelastung: das kann Asthmaanfälle auslösen. Sport während der Pollensaison besser in geschlossenen Räumen betreiben.
· Vorsicht: Soja, Stutenmilch und Pollenkörner, die als „Immunstimulantien“ vermarktet werden, können ebenfalls Allergien hervorrufen.
· Relativ sicher und nebenwirkungsfrei wirken die neueren Antihistaminika. Sie stoppen das allergische Geschehen und machen nicht mehr so müde wie die früheren Heuschnupfenmittel. Trotzdem sollte man sie sicherheitshalber abends vor dem Schlafengehen einnehmen und keinen Alkohol dazu trinken.
· Das seelische Gleichgewicht ist eine Säule der Gesundheit: Kleine „Inseln“ von Ruhe und Erholung während des Tages vermindern den Stress.

Ist so eine Allergie einfach ein lästiges Übel, durch das man im Frühling eben durch muss, oder birgt sie auch ernsthafte Risiken?
Eine Allergie ist ein chronischer Entzündungsprozess. Versäumt man eine frühzeitige und adäquate Behandlung, so folgt durch die ständige Belastung häufig ein "Etagenwechsel" zu Entzündungen der tiefer gelegenen Atemwege. Im Laufe der Zeit ist dann ein – mitunter lebensbedrohliches – allergisches Asthma die Folge.

Pollenkalender im Internet: www.pollenwarndienst.at/